FührungskompetenzWer führt, sollte keine Rolle spielen

Mitarbeiterführung ist nur dann erfolgreich, wenn die Führungskraft vertrauen kann. Erst sich selbst und dann ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dieses Vertrauen speist sich aus einem sicheren und starken Selbst.

Führungskompetenz lässt sich nicht wie eine Theaterrolle einstudieren. Nur wer sein Selbst, seinen Wesenskern maßgeblich einbringt, kann erfolgreich führen. Frei von äußerem Erwartungsdruck und frei von dem Druck, erfolgreich sein zu müssen. Authentisch, klar, innovativ, begeisternd und kreativ gestaltend. Mit und durch Vertrauen. Vertrauen aus einem sicheren und starken Selbst. Wer sich selbst vertraut, kann auch anderen vertrauen und ihnen Gestaltungsfreiräume geben.

Eine Klientin, die erstmalig eine Führungsaufgabe übernommen hat, hat Ängste und Zweifel, den Anforderungen in dieser Rolle nicht gerecht werden zu können. Sie ist sich sehr unsicher. Im Verlauf unserer Sitzungen sagt sie jedoch unglaublich kluge Sätze. Sätze, die mir zeigen, dass sie ein reifes, starkes und sicheres Selbst hat. Etwas sehr Entscheidendes für beruflichen Erfolg, insbesondere für Führungserfolg.

Selbstliebe

Wie immer im Coaching vermischen sich berufliche und private Themen. Mir fällt auf, dass die klugen Sätze meiner Klientin überwiegend ihr privates Umfeld thematisieren. Dort ist sie offenbar selbstsicher und von einer gesunden Selbstliebe getragen. Beispielsweise sagt sie:

  • „Ich weiß, dass ich ein liebenswerter Mensch bin. Nicht jeder muss das auch so sehen.“
  • „Niemand muss mich glücklich machen, und ich kann niemanden glücklich machen. Dafür ist jeder selbst verantwortlich.“
  • „Ich habe nie die Erwartung an eine Beziehung gehabt, dass ich sie ‚hinkriegen‘ muss.“

Frei von Angst vor Scheitern, sicher ihrer selbst und frei von dem Anspruch, es anderen recht machen zu wollen, zeigt und lebt sie ihr Selbst. Das, was ihr Wesen im Kern ausmacht.

Selbstzweifel

Ganz anders lauten die Äußerungen meiner Klientin zu ihrer beruflichen Situation. Sie sagt beispielsweise:

  • „Ich will das unbedingt hinkriegen. Es wäre für mich eine persönliche Niederlage, wenn man mir am Ende der Probezeit sagen würde, dass ich nicht geeignet bin für diese Führungsaufgabe. Das wäre sehr peinlich.“
  • „Es ist unglaublich anstrengend für mich, die Erwartungen, die an mich gestellt werden, gut zu erfüllen.“
  • „Voraussetzung für diese Stelle ist nach den internen Regeln ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Ich habe mein Studium abgebrochen und verfüge über keinen Hochschulabschluss. Ich bin also gar nicht ausreichend qualifiziert für die Stelle.“

Diese Aussagen zeigen eine Angst vor dem Scheitern. Sie zeigen Selbstzweifel, Leistungs- und Erfolgsdruck, Stress. Und sie verweisen auf eine innere Stimme, die sagt: „Ich bin nicht gut, so wie ich bin“. Das ist nicht die Stimme des starken und stabilen Selbst. Und das, obwohl sie andererseits voller Lust und Freude für die Aufgabe ist.

Auf die Frage, was sie an der Führungsaufgabe reizt, fangen ihre Augen an zu leuchten. Sie erzählt voller leidenschaftlicher Begeisterung, dass sie glaubt, Menschen gut erkennen, fördern und für etwas begeistern zu können. Sie strahlt bei der Schilderung, dass sie in dieser Aufgabe gestalten kann. Sie will eine Spur hinterlassen. Ich spüre förmlich, wie sie den Funken für das, was sie gestalten und voranbringen will, auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überspringen lässt. Wie sie diese mit ins Boot nimmt und in ihrer Entwicklung fordern und fördern möchte, so dass sie sich entfalten und einbringen können. Ich bin sicher, dass sie ihre Führungsaufgabe kompetent ausübt. Nur sie ist es nicht.

Führungserfolg entsteht nicht durch die Übernahme einer Rolle

Bei meinen Überlegungen zum weiteren Vorgehen stolpere ich plötzlich über den Begriff „Rolle“. Es geht nicht darum, in eine andere Rolle zu schlüpfen und sie – wie ein Schauspieler – gemäß den Vorgaben des Drehbuchs überzeugend zu spielen. Wir sind nicht im Theater! Es geht darum, Führungsverantwortung mit dem eigenen Wesenskern auszufüllen. Das ist authentische Führung. Dazu gehört eine Haltung, wie sie meine Klientin privat selbstverständlich hat. Das berufliche Pendant wären innere Leitsätze, wie beispielsweise:

  • „Ich weiß, dass ich Menschen führen kann; ich will es so tun, wie es mir entspricht.“
  • „Ich will authentisch sein. Ich will mir selbst treu bleiben.“
  • „Ich muss nicht alle Erwartungen erfüllen; ich muss es nicht allen recht machen.“
  • „Ich möchte mit meinen Mitarbeitern eine Spur hinterlassen. Ich will mit ihnen gestalten.“
  • „Ich zeige Rückgrat, setze mich für das ein, was ich für richtig und wichtig halte, auch wenn es nicht jedem gefällt.“
  • „Ich gebe mein Bestes und schaue, ob ich die Aufgabe ausfüllen kann und will. Es muss nicht funktionieren. Ich finde eine neue berufliche Chance. Ich kann viel, habe viel und bin viel.“

Führungskräfte müssen ihr Selbst einbringen

Führungskompetenz lässt sich nicht wie eine Theaterrolle einstudieren. Nur wer sein Selbst, seinen Wesenskern einbringt, kann erfolgreich führen. Frei von äußerem Erwartungsdruck. Frei vom Druck, unbedingt erfolgreich sein zu müssen. Authentisch, klar, innovativ, begeisternd und kreativ gestaltend. Mit und durch Vertrauen. Vertrauen aus einem sicheren und starken Selbst. Wer sich selbst vertraut, kann auch anderen vertrauen und ihnen Gestaltungsfreiräume geben. Das alles hat meine Klientin bereits in sich. Jetzt geht es darum, dass ihr das auch im beruflichen Kontext zugänglich wird.

Dazu im Management-Handbuch

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