FührungspositionWie Sie als Führungskraft Autorität entwickeln

Jede Führungsrolle verlangt ein gewisses Maß an Autorität. Ohne Autorität ist keine Führung möglich. Aber wie stellen Führungskräfte sie her?
Von Prof. Dr. Peter Daiser

In Zeiten von flachen Hierarchien und politischer Korrektheit gleicht der Aufbau von Autorität einem unerreichbaren Spagat: Verschaffen Sie sich Autorität in Ihrer Führungsrolle, ohne autoritär zu sein. Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter an die Hand und kommunizieren Sie klipp und klar und überzeugend, ohne bevormundend zu sein. Seien Sie Chef, Freund und „Everybody’s Darling“, während Sie Ihre Mitarbeiter gleichzeitig motivieren und zu Höchstleistungen anspornen. Seien Sie charismatisch und um jeden Preis mit allem, was Sie tun, erfolgreich. Forderungen dieser Art begegnen wir immer wieder. Sie sind eine Reflexion des Wunsches nach einer idealtypischen Autoritäts- und Führungsperson. Aber diese Vorgaben können nicht erfüllt werden.

Wenn Sie als Führungskraft die folgenden Aspekte berücksichtigen, sorgen Sie im Team für klare Verhältnisse und erzeugen damit Autorität.

Führungsrolle akzeptieren und annehmen

Mit der Übernahme einer Führungsrolle gelten neue Regeln. Unter den Kollegen machen sich oft Unmut, Frust und Neid breit. Bisher solidarisch, fallen sie einem nun in den Rücken. Anfängliche Unsicherheit wird gnadenlos ausgenutzt und Grenzen werden ausgetestet. Um diese Situation unter Kontrolle zu bringen, sind Mut und Anstrengung erforderlich. Der erste Schritt dazu ist, den Rollenwechsel im eigenen Bewusstsein zu vollziehen. Führungskräfte müssen ihre Führungsrolle akzeptieren, da erst dadurch ein authentischer Wechsel in diese Position erfolgt.

Autorität

Autorität ist die soziale Stellung, die einer Person von anderen Personen zugeschrieben wird. Die Autorität zeigt sich im hohen Ansehen, das diese Person genießt, und durch den Einfluss auf das Denken und Handeln anderer Menschen, die sich nach ihr richten. Autorität kann entstehen durch besondere Eigenschaften oder Fähigkeiten, die einer Person zugeschrieben werden. Autorität kann auch durch die Position entstehen, die eine Person innehat, zum Beispiel Vorgesetzte oder Amtsträger.

Spielregeln festlegen

Führungskräfte stellen Regeln für die Zusammenarbeit auf und kommunizieren sie klipp und klar. So positionieren sie sich als Leitpersonen. Relevante Themen, die eine Führungskraft ansprechen sollte, sind:

  • Abgrenzung zwischen Führung und Mitarbeitern
  • Erwartungen an das Team
  • Zuordnung von Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Gestaltung von Abläufen
  • Regelung von Terminen und Arbeitszeiten
  • Budget- und Ressourcenverwaltung

Eine Führungskraft sollte auch den Nutzen aufzeigen, den das Team von der neuen Situation hat. Je klarer und zielstrebiger die Führungskraft die Rahmenbedingungen klärt, desto eindeutiger festigt sie ihren Autoritätsanspruch – und damit ihre Führungsposition.

Ziele festlegen und kommunizieren

Klare und verbindliche Kommunikation erfordert eine transparente Erwartungshaltung und gemeinsame Zielabstimmung zwischen der Führungskraft und ihren Mitarbeitern. Für die Führungskraft bedeutet das, Anweisungen unmissverständlich und empfängerorientiert zu formulieren sowie Mitarbeiter frühzeitig einzubeziehen. Das Team muss wissen, wohin die Reise geht und was von ihm erwartet wird.

Um dies zu erreichen, braucht es klare Zielvereinbarungen – beispielsweise nach der SMART-Formel. Die Erwartungshaltung muss für beide Parteien verständlich und klar definiert sein. Für ein gemeinsames Zielverständnis sollte bei wichtigen Aufgaben zusätzlich eine Zielbeschreibung angefertigt werden. Eine gute Zielbeschreibung ist eine eindeutig formulierte und klar verständliche schriftliche Fixierung des Ziels mit Angabe der Durchführungsvorgaben, Rahmenbedingungen und Leistungsanforderungen. Die Beschreibung sollte nicht länger sein als eine DIN-A4-Seite und von allen Beteiligten unterschrieben werden.

Aufgabenerfüllung kontrollieren

Zu den zentralen Aufgaben einer Führungskraft gehören die Ergebnis- und Fortschrittskontrolle von zu erledigenden Aufgaben sowie die Überprüfung, ob die Spielregeln des Miteinanders eingehalten werden. Die Kontrolle sollte im Rahmen der Begleitung oder Hilfestellung der Mitarbeiter erfolgen und somit eine übliche Tätigkeit innerhalb der Linien- beziehungsweise Projektarbeit sein. Allerdings sollte nicht alles einer ständigen Kontrolle unterzogen werden. Dies wirkt sich zum einen negativ auf die Mitarbeitermotivation aus, und zum anderen ist es schlichtweg nicht möglich, alles zu kontrollieren. Aufmerksamkeit, Bauchgefühl und Stichproben sowie die Überprüfung von Endergebnissen und Faktoren mit Frühwarncharakter, wie zum Beispiel Meilensteine, sollten ausreichen.

Soziale Kompetenz zeigen

Eine Führungskraft kann es nicht allen recht machen, sie kann nie alle Erwartungen erfüllen. Entscheidend für den Erfolg sind vier soziale Fähigkeiten:

  • auf Menschen zugehen
  • Gespräche führen
  • Menschen einbeziehen
  • konstruktiv mit Menschen arbeiten

Soziale Kompetenz zu zeigen bedeutet allerdings nicht, auf jeden Wunsch der Mitarbeiter einzugehen. Führungskräfte müssen auch unpopuläre Entscheidungen treffen – und diese vertreten können.

Fazit

Die Führungskraft legt die Spielregeln fest und sorgt dafür, dass sie eingehalten werden. Das mag in Zeiten flacher Hierarchien unmodern wirken. Jedoch ist Führung kein partnerschaftlicher Akt, in dem alle Beteiligten gleichgestellt sind und gemeinsam über die anstehenden Aktivitäten entscheiden. Durch eine Führungsposition entsteht eine asymmetrische hierarchische Ordnung. Das ermöglicht der Führungskraft, das Handeln der Mitarbeiter durch gezielte Interaktion im Rahmen der betrieblichen Aufgaben zu steuern. Ein faktisch akzeptiertes Autoritätsverhältnis macht Interaktionen effizienter, weil Entscheidungen der Führungskraft befolgt und nicht in Frage gestellt werden. Deshalb verlangt die Rolle der Führungskraft ein gewisses Maß an Autorität.

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