FührungsstilOffenheit in der Führung zahlt sich aus

Führungskräfte sollten ihren eigenen Standpunkt offen kommunizieren und sich auch mit Kollegen und Mitarbeitern kritisch auseinandersetzen. Dies steigert die Arbeitsproduktivität und verhindert Machtspiele.

Je höher jemand auf der Karriereleiter steigt, umso taktischer verhält er sich. Da wird aus taktischen Gründen geschwiegen oder auf Kosten der Unternehmensstrategie zu viel erzählt. Es wird genau abgewogen, wann Meinungen oder Kritik offen und direkt geäußert werden. Strategisches Kalkül führt also zu Aussagen, die erheblich von der eigenen Meinung abweichen können – nur, um die Karriere und das eigene Ansehen zu fördern. Die Folgen: Machtkämpfe, die Stimmung im Büro ist auf dem Nullpunkt, Fehlentscheidungen drohen. Dabei sollten gerade Führungskräfte erkennen, wie wichtig Offenheit in Teams ist, fördert sie doch die produktive Auseinandersetzung und dient somit der Zielerreichung.

Offenheit rentiert sich

Wenn Vorgesetzte ihr Wissen teilen, hilft das einerseits Fehler zu vermeiden, andererseits schafft es die Basis für gemeinsames Arbeiten. So ist es zum Beispiel fahrlässig, die Umsetzung strategischer Vorgaben nicht in großer Runde zu besprechen. Abweichende Ideen, Verbesserungsvorschläge, Befürchtungen und Einwände können so nicht geäußert und diskutiert werden. Chancen bleiben ungenutzt, Mitarbeiter werden verunsichert und Prozesse geraten ins Stocken. Hierzu ein Beispiel:

Ein Automobilzulieferer hat Schwierigkeiten in der Produktion. Die Maschinen sind veraltet und anfällig für Schäden. Zudem werden nicht genügend Maschinen eingesetzt und es kommt zu Engpässen und Verzögerungen. Die Kunden reagieren zunehmend ungehaltener. Im Managementteam sind die Probleme hinlänglich bekannt. Bei Meetings mit der Geschäftsleitung traut sich jedoch kaum jemand Lösungsvorschläge zu präsentieren. Die Stimmung ist angespannt, denn schon einige Ansätze blieben ohne Erfolg.

Besonders ein Kollege spart dabei nicht mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Vor der Geschäftsleitung will nur keiner der anderen Manager darüber sprechen. Erst Monate später bei einem Meeting bricht es aus einem Manager heraus. Wie viele andere ist auch er verärgert über das unkollegiale Verhalten. Als der Konflikt offen zu Tage tritt, entwickelt das Team zum ersten Mal eine gemeinsame, von allen getragene Strategie.

Vorteile eines kritischen Diskurses im Team

  • Gute Entscheidungen basieren auf einem ausgewogenen Urteil aller Beteiligten, in dem unterschiedliche Ideen und Vorschläge offen diskutiert werden können.
  • Ideen und Vorschläge werden nicht nur von einem beziehungsweise von wenigen entwickelt.
  • Je offener das Für und Wider geprüft wird, umso höher sind die Erfolgschancen.
  • Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, auch eigene Ideen in Frage zu stellen, sichern die Qualität der Lösung.
  • Offenheit verhindert Machtspiele und fördert das produktive Miteinander.
  • Ein Team, das offen Schwierigkeiten anspricht, kann schneller und besser Lösungen finden.

Es ist wichtig, die kritische Auseinandersetzung mit Kollegen und Mitarbeitern nicht zu scheuen und den eigenen Standpunkt klar und offen zu kommunizieren. Führungskräfte, die das berücksichtigen, sind meist hoch angesehen und dementsprechend erfolgreich. Führungskräfte sollten deshalb berücksichtigen:

  • Unabhängig denken und den Diskurs suchen anstatt ihm aus dem Weg zu gehen.
  • Den eigenen Standpunkt gegenüber Mitarbeitern und Kollegen immer klar und vor allem wertschätzend vertreten.
  • Den eigenen Standpunkt sachlich begründen.
  • Auch abweichende Entscheidungen akzeptieren und diese mittragen.
  • Sich selbst und Anderen gestatten, aus Irrtümern und Fehlern zu lernen.

Welche Rolle spielt Offenheit im eigenen Team?

Das richtige Maß an Offenheit in Führungsteams zu finden ist allerdings nicht leicht. Es erfordert Aufmerksamkeit und aktives Zuhören. Weder der verschwiegene Taktiker noch der skrupellose Schwätzer dienen der Zielerreichung. Folgende Tipps für die Führungspraxis gilt es daher zu beachten:

Beobachtung des Teams

  • Wird den eigenen Statements immer schnell zugestimmt?
  • Gibt es Tabuthemen, die im Team zu Schweigen führen?
  • Wird immer nur den Vorschlägen einer Person zugestimmt und werden diese dann auch umgesetzt?
  • Gibt es Teammitglieder, die zu jedem Thema schweigen und nicht an Diskussionen teilnehmen?

Gemeinsames Entscheiden

  • Stehen jedem Teammitglied die gleichen Informationen zur Verfügung?
  • Werden Informationen auch während des Entscheidungsprozesses konstant weitergegeben?
  • Wird gemeinsam nach besseren Ideen gesucht?
  • Werden Dialoge offen geführt und wird zielgerichtet mit Kritik umgegangen?
  • Werden eigene Ideen auch einmal zurückgestellt?

Wie Führungskräfte Offenheit praktizieren

Je offener über Vorbehalte und Kritik gesprochen wird, umso besser und klarer gelangen Führungskräfte zur optimalen Lösung. Wenn sie jedoch feststellen, dass im Team noch nicht offen über Themen gesprochen werden kann, sollten sie mit gutem Beispiel vorangehen: „Laut“ denken und das Team an den eigenen Gedanken, Bedenken und Ideen teilhaben lassen. Dabei aber immer selbstkritisch bleiben, auf etwaige Schwachstellen hinweisen und Teammitglieder nach ihrer Meinung fragen.

Führungskräfte sollten den Austausch fördern und auch zu kontroversen Diskursen auffordern. Wichtig ist, Vor- und Nachteile einer bestimmten Lösung für alle klar nachvollziehbar zu benennen und auf die Ziele des Unternehmens hin zu überprüfen. Vor allem: Hartnäckig sein und nicht zu früh aufgeben beziehungsweise nachhaken. Vielleicht gibt es doch noch eine bessere Lösung. Wenn Führungskräfte sich derart verhalten, sollten die Entscheidungsfähigkeit und die Produktivität im eigenen Team steigen.

Checkliste: Wie offen geht es im Team zu?

  • Die Mitarbeiter trauen sich Fragen zu stellen, auch kritische.
  • Alle Teammitglieder werden in Entscheidungen einbezogen.
  • Es werden auch Emotionen wie Freude, Zweifel, Ärger oder Skepsis geäußert.
  • Jeder Beitrag eines Teammitglieds wird gleichwertig gewürdigt und geschätzt.
  • Alle beteiligen sich rege an Diskussionen.
  • Ideen werden im Hinblick auf die Zielerreichung beziehungsweise andere sachliche Maßstäbe geprüft.
  • Vorschläge und Anregungen werden vorbehaltlos angenommen.
  • Konflikte werden verbalisiert und möglichst schnell gelöst.
  • Es herrscht eine gute Atmosphäre im Team.
  • Lob und Anerkennung sind keine Fremdwörter.

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