HinschauenVon der Natur lernen heißt erfolgreich sein

Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften sind gesunde Unternehmen und gesunde Mitarbeiter. Weil Unternehmen komplexe Organismen sind, muss beides gegeben sein. Dann lassen sich die alltäglichen Probleme meistern.

Gastbeitrag von Cay von Fournier, Leiter der Unternehmensgruppe SchmidtColleg, Berlin*

Wie auf einem Schiff besteht in einem Unternehmen die Notwendigkeit der aufmerksamen Steuerung, der Ordnung. Die Gewalten, die auf offener See wie auf den globalen Märkten herrschen, sind vergleichbar und lassen sich nicht beeinflussen. Aber selbst, wenn wir nicht über Wind und Wellen gebieten können, sind wir in der Lage, unseren Kurs zu wählen und die Segel entsprechend zu setzen. Bei schönem Wetter können viele „Kapitäne“ segeln, bei schlechtem Wetter und bei Sturm sind es nur wenige. Für alle gibt es zwei schlechte und eine gute Nachricht:

  • Eine allgemeine wirtschaftliche Hochkonjunktur ist in Deutschland in den nächsten zehn Jahren eher unwahrscheinlich. Wir haben viele Veränderungen vor uns.
  • Branchenkonjunkturen sind auch eher unwahrscheinlich.
  • Unternehmenskonjunkturen sind jederzeit möglich. Das zeigen auch die vielen Beispiele von Unternehmen, die in hart umkämpften Märkten außergewöhnlich erfolgreich agieren.

Das Unternehmen als komplexer Organismus

Wenn wir ein Unternehmen mit einem biologischen Organismus vergleichen - zum Beispiel dem des Menschen -, so stellen wir eine Vielzahl von Parallelen fest. Das Wissen der Medizin kann uns auf dem Weg zu einem erfolgreichen und gesunden Unternehmen nützlich sein. Unternehmen sind komplexe Systeme, die in gesundem Zustand Außergewöhnliches zu leisten imstande sind. Wenn das System jedoch krank ist, schwindet die Leistungsfähigkeit. Eine schwere Krankheit kann beim Menschen zum Tod, beim Unternehmen in die Insolvenz führen.

Das Leben ist viel zu schön und kostbar, um es nicht mit allen Mitteln gegen Krankheit, Leid und Tod zu verteidigen. In punkto Gesundheit spreche ich von Menschen und Unternehmen. Beide gehören zusammen. Es gibt keine gesunden Unternehmen mit kranken Menschen und keine gesunden Menschen in kranken Unternehmen. Doch gerade heute gibt es immer mehr kranke Menschen in kranken Unternehmen. Kranke Unternehmen machen Menschen krank. Sei es durch schlechte Führung und Arbeitsbedingungen, durch Mobbing, Burnout oder durch fehlende Anerkennung guter Arbeit.

Kranke Menschen wiederum machen Unternehmen krank. Ein Mensch in einer Führungsposition, dem es persönlich schlecht geht, wird andere Menschen selten gut behandeln und eher seine Macht für persönliche Interessen ausnutzen. Er ist wie eine Infektion für das Unternehmen. Und diese Infektion wird sich schnell ausbreiten.

Das Unternehmen als virtuelles System

Wie der Körper ein komplexes natürliches System ist, ist das Unternehmen ein komplexes virtuelles System. Der Körper des Menschen hatte seit der Entstehung der Spezies „homo erectus“ 2,2 Millionen Jahre Zeit für die Entwicklung. Das moderne organisierte Unternehmen ist hingegen im Vergleich sehr jung. Mit der Industrialisierung entwickelten sich virtuelle Systeme. Mit Taylor wurde die moderne Arbeitsteilung an den Fließbändern eingeführt. Das moderne Management hatte seine Kinderstube vor etwas mehr als 100 Jahren. Und doch sind beide Systeme vergleichbar:

  • Für beide lassen sich Ziele formulieren,
  • beide haben Steuerungsmechanismen,
  • in beiden Systemen kennen wir den Zustand der Ordnung und der Unordnung (wobei nicht behobene Unordnung in natürlichen Organismen immer zur Krankheit und zum Tod führt - genauso wie bei dem virtuellen System Unternehmen),
  • beide bestehen aus vielen einzelnen Teilen, die zusammen wirken,
  • beide haben einen Grad an Wirksamkeit (manche mehr und manche weniger),
  • beide Systeme können krank werden,
  • die Krankheit zeigt sich in beiden Fällen oft in Symptomen, die eine ganz andere Ursache haben,
  • viele Krankheiten in diesen Systemen können geheilt werden.

Ein Unterschied ist allerdings bemerkenswert: Bei natürlichen Systemen nehmen wir grundsätzliche Gesetzmäßigkeiten ,Naturgesetze, als selbstverständlich hin. Bei den virtuellen Systemen unserer Wirtschaft lehnen wir solche Grundsätze ab, beziehungsweise berücksichtigen und befolgen diese nicht. Ein Unternehmen besteht aus Lebewesen und ist somit quasi etwas Lebendes. Es besteht nicht aus Maschinen und ist somit auch nichts Maschinelles. Trennen wir uns also von dem mechanistischen Weltbild und der reinen Messbarkeit. Unternehmen bestehen aus Organismen und sie dienen Organismen. Wir müssen sie also wie Organismen bauen, entwickeln und führen.

Wenn alle Organe optimal zusammen arbeiten...

... ist wirtschaftlicher Erfolg auch in konjunkturell schwachen Zeiten möglich. Der Begriff Organisation ist längst verankert in der Unternehmensführung. Was heißt aber Organisation? Organisation ist die sinnvolle Verbindung einzelner Organe zu einem Ganzen. Nie kämen wir auf die Idee, in einem Organismus von Abteilungen zu sprechen und würden anfangen, einzelne Organe abzuteilen. Merkwürdig ist auch, dass die Organisationsentwicklung ihren organisatorischen Aufbau nicht von den Organismen ableitet, die über Jahrmillionen gezeigt haben, wie es funktioniert.

Jeder gesunde Organismus zeichnet sich dadurch aus, dass alle Organe in optimaler Weise zusammenarbeiten. Kein Organ wuchert und nimmt sich übermäßig Nährstoffe oder Sauerstoff aus der versorgenden Blutbahn. In dieser Metapher stellt das Blut den Umsatz dar und der Sauerstoff im Blut den Deckungsbeitrag. Somit gewinnt der Begriff Liquidität eine neue Bedeutung. Im Übrigen sehen wir als Menschen unser höchstes Ziel im Leben nicht darin, Sauerstoff in unserem Blut zu haben. Die Sauerstoffsättigung ist notwendige Voraussetzungen für unser Leben, aber damit noch lange nicht unser höchstes Ziel.

So werden auch in Unternehmen ständig Ergebnisse mit Zielen - unser Überleben und der Beitrag unseres Lebens - verwechselt. Der Organismus Unternehmen hat einen Körper (materielle Dimension) und einen Geist (immaterielle Dimension). Diese immaterielle Dimension des Unternehmensgeistes setzt sich aus der Seele (Vision und Ziele), Emotionen (Kultur und Stimmung) und Verstand (Strategie und Organisation) zusammen. Das ganze Unternehmen hat ebenso wie ein Mensch Ausstrahlung und wirkt auf seine Umgebung. Der Organismus Unternehmen kann wachsen und gedeihen, er kann aber ebenso krank werden und sterben. Dabei folgt die Materie dem Geist - in unseren Unternehmen ebenso wie bei unserer Gesundheit.

Cay von Fournier ist Arzt und Unternehmer. Der Leiter des SchmidtCollegs hat eine Vision: Möglichst viele gesunde Menschen in gesunden Firmen.

*Kontakt:
SchmidtColleg GmbH & Co. KG
Innsbrucker Str. 5
10825 Berlin
Tel.: 030/847881-0
Fax: 030/847881-66
E-Mail: info@schmidtcolleg.de
Web: www.schmidtcolleg.de

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