Industrie 4.0Die Roboter-Revolution

Immer mehr Arbeiten werden von Robotern erledigt. Doch wenn Arbeit wegfällt, fällt auch die Kaufkraft weg. Was dann?

Wir stecken mitten im Prozess der Roboterisierung der Gesellschaft. Ergänzend dazu sorgen Big Data und Künstliche Intelligenz für eine auf Robotonik basierende Innovationsexplosion. Manche Autoren sprechen von der Revolution der Roboter. Diese sind in der Alltagswelt angekommen: An der Universität Bremen lernen humanoide Roboter das Kochen. In Kalifornien braten sie bereits Burger und in Japan rollen sie Sushi-Happen. 15 Millionen Rasenmähroboter rollen durch amerikanische Gärten und staubsaugende Roboter sorgen für die Sauberkeit der Wohnung.

Ein Roboter ist mehr als nur ein Computer. Früher standen sie fest verankert am Boden. Heute bewegen sie sich immer öfter frei. Hier wirken Elektronik, Mechanik und Informatik – insbesondere in Form der künstlichen Intelligenz und neuerdings der Optik – auf die Umwelt ein. „Sehende“ Roboter befinden sich im Reifungsstadium.

Sex mit einem Roboter?

Von den verschiedenen Robotertypen spielen Industrieroboter und Serviceroboter für diverse Anwendungen die Hauptrolle. Aber auch selbstfahrende Autos und Drohnen gehören zur Gattung Roboter. Natürlich könnte ein Roboter auch ein normales Auto lenken. Fast täglich werden neue Einsatzbereiche für Roboter benannt, beispielsweise zur Wein- oder Orangenernte, bei klinischen Operationen, dem Melken von Kühen oder der Pflege älterer Menschen. Auf dem Kongress „Love with Robots“ wurde schon 2016 über die lustvollen Einsatzmöglichkeiten roboterisierter Sexualpartner diskutiert.

Obwohl sich das öffentliche Interesse sehr auf humanoide Roboter konzentriert, spielen sie für die Arbeitswelt (noch) keine Rolle. Sie sind ein nettes Spielzeug oder Blickfang, wenn sie etwa auf der Hannover Messe der Bundeskanzlerin die Hand reichen. Dennoch: Boston Dynamics, eine Google-Tochter, beeindruckt mit einem 80 Kilogramm schweren, 175 Zentimeter großen Maschinenmenschen, der mühelos 5-Kilogramm-Pakete stapelt und nach einem Salto rückwärts sofort wieder ins Gleichgewicht kommt. Hinter dem Projekt steckt das US-Militär. Aber auch Amazon interessiert sich für diese Spezies von „Lagerarbeitern“, die rund um die Uhr arbeiten, nicht krank werden, in keiner Gewerkschaft sind und keinen Urlaub fordern. Google, zukünftige Geschäfte witternd, kaufte ein Handvoll Robotik-Startups.

Industrielle Roboter brauchen keine menschlichen Anweisungen mehr

Vollautomatische Maschinen gibt es schon lange. Herkömmliche Industrieroboter machen das, was ihnen die Software vorgibt. Die Verbindung des Roboters mit dem Internet, die Anbindung an Daten- und Programm-Clouds nebst der Fähigkeit des Maschinenlernens (Deep Learning) haben der industriellen Fertigung eine neue Qualität gegeben. In der zukünftigen Industrie 4.0 benötigt die Maschine keine Anweisungen mehr vom Menschen. Sie „handelt“ die Arbeitsweise kollaborativ mit anderen Maschinen aus. Die Maschinen verwandeln sich in „Arbeiter“. Dort, wo der Mitarbeiter heute noch per Absperrgitter vom Roboter ferngehalten wird, sorgen bald schon Sensoren und Aktoren dafür, dass Mensch und Roboter nebeneinander zusammenarbeiten, ohne dass Arbeitsunfälle drohen.

Die Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2017 an das Institut für Regelungstechnik der Universität Hannover macht den Trend zu kleineren, leichten, sicheren und flexibleren Robotern sichtbar. Ausgezeichnet wurde ein Roboter, der für jedermann bezahlbar und intuitiv bedienbar ist. Er imitiert menschliche Bewegungen, merkt sich Abläufe und lernt aus sich heraus ständig hinzu.

Auf dem Weg in die vollautomatisierte Wirtschaft

Roboter revolutionieren unsere Alltagswelt. Dafür sorgen stets neue und sich selbst vermehrende Algorithmen, die sich deutlich schneller entwickeln als die Technik. Hardware- und Softwarepreise bewegen sich abwärts. Eine Innovationsexplosion steht bevor. China ist der am schnellsten wachsende Absatzmarkt für Robotik. Der Kauf des deutschen Herstellers KUKA zeigt, wohin die Reise geht.

Roboter ebnen den Weg zu einer vollautomatisierten Wirtschaft mit unbegrenztem Ausstoß. Hier droht Arbeitslosigkeit, sinkende Nachfrage und fehlende Kaufkraft. Was dann? Grundeinkommen für alle oder Maschinensteuer? Wonach wird sie bemessen: Nach der Anzahl der Roboter im Unternehmen oder am Datenvolumen, das ein Unternehmen nutzt? Auch ethische Aspekte und Fragen der Haftung, wenn etwas schiefgeht, sind zu klären. Noch sind wir nicht auf den roboterisierten Alltag vorbereitet und die Politik weiß keine Antworten.

Dazu im Management-Handbuch

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