Innovationen in KMU

Wie kommen kleine und mittelständische Unternehmen erfolgreich zu Innovationen? Die Antwort: schrittweise. Wie das geht, zeigt dieser Beitrag.
Von Detlef Thomas

Bei der Analyse führender Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen fällt schnell auf, dass diese einen deutlich höheren Anteil an neuen Produkten aufweisen als der Branchendurchschnitt. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Unternehmen etwa zehn Prozent des Umsatzes mit Produkten in der Markteinführungsphase machen und etwa 35 Prozent mit solchen in der Wachstumsphase. Im Gegensatz dazu kommen auf beide Phasen nur 20 Prozent bei den weniger erfolgreichen Unternehmen. 

Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Wege, um das eigene Produktportfolio zu erweitern: Zum einen ist es die als externes Wachstum bezeichnete Option, über Akquisitionen Zuwächse zu erzielen. Dazu zählen neben dem Zukauf ganzer Unternehmen vor allem auch der Erwerb von Patenten oder Lizenzen sowie Lizenzkooperationen. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit des internen Wachstums über die Entwicklung neuer oder modifizierter Produkte, Verfahren, Systemlösungen und Dienstleistungen. Dabei muss es nicht immer die Weltneuheit sein, die das Maß aller Dinge ist. Nur etwa zehn Prozent aller neuen Produkte sind wirkliche Innovationen. Es gibt genügend Entscheidungsträger, die die hohen Kosten und Risiken einer solchen Neuheit fürchten und diese lieber in der Schublade lassen. Zumal die fokussierte Suche nach einem derartigen Alleinstellungsmerkmal schnell in Frustration enden kann. Geniale Ideen werden nun mal nicht beliebig geboren.

Vielmehr sollten sich KMUs im ersten Schritt auf die Verbesserung bestehender Produkte und Dienstleistungen konzentrieren. Hier kann nicht nur das Fachwissen in den einzelnen Fachabteilungen genutzt werden, sondern auch die Rückmeldung von Kunden und Lieferanten. Die systematische Erfassung und Auswertung von Reklamationen wird beispielsweise dazu führen, dass wiederkehrende Beanstandungen auffälliger werden und abgestellt werden können. Ein wichtiges Bindeglied bilden dabei die Mitarbeiter vom Customer Service, die häufig erster Ansprechpartner für Kundenbeschwerden sind.

Erfolgreiche Markteinführung

Häufig wird im Kundenkontakt auch der Fehler begangen, dass allgemein danach gefragt wir, welche neuen Produkte gewünscht sind. Stattdessen kommen jedoch die besten Ideen hervor, wenn der Kunde gebeten wird, die Probleme mit den vorhandenen Produkten zu schildern. Zu diesem Zweck arbeiten erfolgreiche Firmen mit einem Kundenbeirat, in dem sich die innovativsten Köpfe regelmäßig austauschen. Insbesondere für die sogenannten inkrementellen Innovationen, das heißt Produktverbesserungen beziehungsweise Modifikationen, eignet sich dieses Instrument. Im Gegensatz dazu stehen die radikalen Innovationen, das heißt tatsächliche Marktneuheiten, die in der Regel nicht im Austausch mit Kunden zu erwarten sind. Hier ist vielmehr die Kooperation mit externen Partnern sinnvoll. 

Entscheidend ist, ob dann die an die Oberfläche gespülten guten Ideen weiterverfolgt, das heißt wirtschaftlich genutzt werden. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich lediglich um eine Invention. Soll daraus tatsächlich eine Innovation werden, muss ein strukturierter Prozess in Gang gesetzt werden. Prinzipiell kann man diesen Entwicklungsprozess in sechs Phasen gliedern, nachfolgend exemplarisch für erklärungsbedürftige Produkte grob dargestellt:

1. Initiierung

  • Ideenfindung
  • Ideenbewertung

2. Definition

  • Lastenheft
  • Marketingstrategie
  • Wirtschaftlichkeitsanalyse
  • Pflichtenheft  

3. Entwicklung

  • Konstruktion
  • Bemusterung

4. Testphase

  • Labortest
  • Feldtest
  • Freigabe
  • Disposition

5. Einführung

  • Pricing
  • Features
  • Kommunikation
  • Distribution

6. Monitoring

  • Absatz
  • Umsatz
  • Marge
  • Wettbewerb
  • Succes Stories

Sehr hilfreich ist die prozessbegleitende Dokumentation über einen Projektplan, in dem alle Stufen detailliert mit Verantwortlichkeiten und Terminierung festgehalten werden. Damit kann die Entwicklungszeit erheblich verkürzt werden.

Wirklich gute Ideen entstehen nicht allein durch Inspiration, sondern vor allem auch durch harte Arbeit und systematisches Vorgehen. Dazu sind vor allem die Führungskräfte und insbesondere die Geschäftsführung gefordert. Sie muss eine innovative Kultur etablieren, in der Querdenken nicht nur erlaubt, sondern gefördert wird. Nur dann werden aus Inventionen erfolgreiche Innovationen.

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