InnovationsaktivitätenUnternehmen sind oft unzufrieden mit Innovationsergebnis

Für die Entwicklung neuer Produkte geben sie viel Geld aus – doch häufig umsonst: Über die Hälfte aller Unternehmen sind mit dem Ergebnis ihrer Innovationsaktivitäten nicht zufrieden. Daher scheint es auch nicht verwunderlich, dass der Anteil der Firmen, die ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhen wollen, in den vergangenen zwei Jahren von 72 auf 63 Prozent gesunken ist.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Innovation 2008 – Is the Tide Turning?", die die Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG) in Kooperation mit dem Magazin "Business Week" erstellt hat. BCG-Geschäftsführer Sebastian Ehrensberger, sagt:

"Wer auf mangelnden Erfolg beim Innovationsmanagement mit einer Kürzung der Forschungsbudgets reagiert, gefährdet die langfristige Wettbewerbsfähig­keit des Unternehmen."

Stattdessen sollten die Unternehmen versuchen, die Schwächen im Innova­tionsprozess gezielt zu beseitigen. Die größten Hindernisse auf dem Weg zu erfolgreicheren Innovationen sind aus Sicht der verantwortlichen Manager

  • lange Entwicklungszeiten,
  • eine risikoscheue Firmenkultur (je 36 Prozent),
  • Schwierigkeiten bei der Auswahl der richtigen Ideen sowie
  • ein Mangel an interner Koordination (je 33 Prozent).

Besonders Gesundheits- und Pharma­sektor, Tourismusbranche und Energieunternehmen halten das finanzielle Ergebnis ihrer Innovationsbemühungen für mangelhaft.

Auch deutsche Manager sind unzufrieden

In Deutschland ergibt sich ein ähnliches Bild wie weltweit: 69 Prozent der deutschen Manager halten Innovation für ein äußerst wichtiges Thema (gegenüber 65 Prozent weltweit). 59 Prozent planen, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) zu erhöhen (gegenüber 63 Prozent weltweit), doch nur 46 Prozent sind mit dem finanziellen Ergebnis ihres Innovationsmanagements zufrieden (gegenüber 43 Prozent weltweit).

Um ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu verbessern, sagt Ehrensberger, sollten die Firmen insgesamt mehr Wert darauf legen, ihr Innovationsmanagement strategisch auszurichten und systematisch zu messen. So erfassen beispielsweise zurzeit nur 18 Prozent der befragten Unternehmen, wie lange die Entwicklung eines marktfähigen Produkts dauert – und das, obwohl sie bei der Frage nach den größten Hindernissen für Innovationen gerade die langen Entwicklungszeiten beklagten. Häufiger verwendete Mess­größen sind dagegen die Kundenzufriedenheit, das Verkaufsvolumen oder das Umsatzwachstum.

F&E in Schwellenländern – Gefahr oder Chance?

Besonderes Augenmerk richteten die BCG-Experten bei ihrer Umfrage auf die F&E-Investitionen in Schwellenländern. Vor allem Indien und China sind beliebte Forschungsstandorte: 67 Prozent der Unternehmen gaben an, 2008 ihre F&E-Investitionen in Indien zu erhöhen, 61 Prozent wollen die Forschung in China verstärkt vorantreiben. Aber auch Osteuropa gewinnt an Attraktivität, hier wollen 33 Prozent der befragten Unternehmen künftig mehr investieren.

Doch während über 70 Prozent der Befragten die Produktenwicklung in Schwellenländern intensivieren wollen, wagen nur wenige Unternehmen, dort auch Grundlagenforschung, Ideensuche und Design anzusiedeln. Diese strategisch wichtigen Funktionen vertrauen sie lieber Mitarbeitern in ihren Heimatländern an, wo beispielsweise ein besserer Schutz der Patente gewähr­leistet ist. Keine gute Lösung, findet Ehrensberger:

"Immer mehr Innovationen kommen mittlerweile aus Schwellenländern; dieses kreative Potenzial sollten internationale Konzerne nutzen. Wer die Wachstumsregionen zudem als Absatzmärkte gewinnen will, muss seine Produkte an den lokalen Vorlieben ausrichten. Und einheimische Entwickler kennen die Bedürfnisse und die Lebensumstände ihrer Landsleute nun einmal am besten."

Rangliste: BMW, Audi und Daimler innovativste deutsche Unternehmen

Auch wenn viele Unternehmen noch über Schwierigkeiten beim Innovations­management klagen, sind andere darin bereits äußerst erfolgreich. Mithilfe der Umfrageergebnisse sowie finanzieller Kennzahlen stellten die BCG-Experten in diesem Jahr bereits zum dritten Mal eine Rangliste der innovativsten Unternehmen weltweit auf. Die Sieger: Apple, Google und Toyota Motor. Unter den deutschen Unternehmen lagen die Automobil­hersteller ganz vorn: BMW erreichte Platz 14, Audi Platz 29 und Daimler Platz 31. Als weiterer Vertreter der deutschen Wirtschaft in den Top 50 folgt Siemens auf Rang 38.

In der Branchenauswertung schafften es mit BMW (Platz 4), Audi (Platz 7) und Daimler (Platz 8) gleich drei deutsche Unternehmen in die Top Ten der Auto­mobilhersteller. Bei den Firmen aus dem Gesundheitswesen, der Pharma- und der Biotechbranche erreichte Bayer den achten Platz, ebenso wie Siemens in der Kategorie der Industriegüterunternehmen. Ehrensberger erläutert:

"Diese Rangliste der Innovationsführer hat sich gegenüber den letzten Jahren kaum verändert – ein Beweis dafür, dass viele Unternehmen noch gewaltigen Aufholbedarf haben, um an die Spitzenreiter heranzukommen. Gleichzeitig zeigt dies aber auch, dass sich eine langfristig ausgerichtete Innovationsstrategie für die führenden Unternehmen über einen großen Zeitraum hinweg auszahlt."

Zur Studie:

Insgesamt befragten die BCG-Experten für dieses Forschungsprojekt rund 3.000 Führungskräfte aus Europa, Amerika, Asien und Australien.

[po; Quelle: Boston Consulting Group; Bild: Fotolia.com]

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