InnovationswelleAus Ideen und Trends innovative Produkte machen

Unternehmen suchen nach neuen, frischen Ideen, aus denen sie erfolgreiche Produkte entwickeln können. Doch die Flop-Rate ist sehr hoch. Die Mehrzahl neuer Produkte wird frühzeitig wieder vom Markt genommen. Gerade deshalb kommt es darauf an, dass die Ideenquelle sprudelt. Sie treibt die Innovationswelle an.

Dass Unternehmen nur dann erfolgreich sind, wenn sie innovativ sind, ist fast schon ein Allgemeinplatz. So haben viele ein systematisches Innovationsmanagement etabliert, mit dem sie Schritt für Schritt Ideen finden und in erfolgreiche Produkte oder Dienstleistungen umsetzen wollen.

Innovationen können sehr unterschiedlich ausfallen. Sogenannte disruptive Innovationen krempeln die Geschäftsmodelle einer ganzen Branche um. Bestes Beispiel: Seit der Erfindung des Musik-Formats MP3 suchen die Plattenfirmen, wie sie aus der Falle der beliebigen Reproduzierbarkeit herauskommen. Andere, kleine, Innovationen finden sich zu Dutzenden im abendlichen Werbeprogramm im Fernsehen – wenn bekannte Produkte einfach länger, intensiver, mit doppelter Wirkkraft oder einer wissenschaftlichen Erfolgsformel als „Neu“ vermarktet werden.

So oder so: Eine Gewähr dafür, dass neue Produkte erfolgreich sind, gibt es nicht. Immer wieder sind die Unternehmen auf riskante und kostenintensive „Versuche“ angewiesen – die sich dann nicht selten als Irrtümer herausstellen, wenn sie sich am Markt behaupten müssen. Doch auch hier gibt es große Unterschiede: Manche beherrschen den Innovationsprozess mehr, andere weniger. Was sind wichtige Erfolgsfaktoren?

Ideen muss man haben

Wer keine Ideen hat, tut sich im Innovationswettbewerb schwer. Manche Unternehmen leisten sich aus diesem Grunde ein aufwendiges Ideenmanagement: Sie betreiben aktives Trendscouting, richten Ideenwerkstätten und Forschungslabors ein, beauftragen spezialisierte Dienstleister mit Erfindungen oder kaufen einfach junge und innovative Unternehmen auf.

Dabei haben es solche Unternehmen leicht, die auf ihre eigene innovative Unternehmenskultur bauen. Alle Mitarbeiter wissen, dass es auf ihren Beitrag ankommt. Sie sind kreativ und speisen ihre Ideen in den Innovationsprozess ein. Die Organisation greift das begierig auf und honoriert diese Beiträge – manche mit Geld, alle mit einer gehörigen Portion Anerkennung.

Innovative Unternehmen zeichnet fast immer aus, dass sie sehr eng mit ihren wichtigen Kunden zusammenarbeiten. Diese wissen zwar oft selbst nicht genau, was sie brauchen. Aber gerade in der engen Zusammenarbeit und gegenseitiger Anregung entstehen die zarten Pflänzchen, aus denen erfolgreiche Produkte werden können.

Bekannte Ideen und Trends – einfach für die eigenen Innovationen nutzen

Es gebe mehr Innovationen als je zuvor, meint der Trendexperte Reinier Evers von trendwatching.com. Eine richtige Welle rolle auf uns zu. Und für die Unternehmen komme es nur darauf an, diesen Schwung mitzunehmen, die richtigen Ideen aufzugreifen und zu erfolgreichen Produkten und Dienstleistungen zu machen. Dazu Reinier Evers in seinem Trendbrief (7/8-2008):

„Neue Marken, neue Nischen, neue Konzepte, neue Produkte, neue Serviceangebote und neue Erlebnisse überfluten eine genauso schnell wachsende Zahl von Märkten. Genauso bemerkenswert ist, dass es mehr denn je frei verfügbare Informationsquellen gibt, um diese Entwicklungen zu verfolgen. Und all das kommt gerade aus allen Ecken dieser Welt auf Sie zu – wenn nicht gar über Sie. Das ‚Globale Gehirn’ ist freigelassen, und niemand kann sich dem entziehen.“

Dabei kommt es gar nicht auf die großen, bahnbrechenden Innovationen an. Oft sind kleine Produktverbesserungen, besserer Service oder Nischenangebote ausschlaggebend dafür, dass das Unternehmen neue Kunden erschließt, seine Wettbewerbsposition ausbaut und wächst. Es ist entscheidend, wer die überall sichtbaren Ideen aufgreift, abändert, erweitert, umbaut oder sich einfach zu wiederum neuen Ideen inspirieren lässt. Drei Merkmale der Innovationswelle sind erkennbar:

  1. Innovationen werden nicht mehr nur in Labors von Menschen in weißen Kitteln gemacht. Innovationen sind nicht nur technischer Natur; vieles hat sich in das Marketing verschoben.
  2. Ideen finden und in Produkte umsetzen, muss keine bitterernste Sache sein; Spaß, Leidenschaft und Kreativität sind genauso wichtig.
  3. Die Ideen liegen auf der Straße, jeder kann sie aufheben; besser gesagt: im Internet finden und alle können sie sehen, lesen und nutzen.

Dafür gibt es eine Reihe von Ideenplattformen mit Tausenden von Anregungen für das eigene Innovationsmanagement. Hier eine Auswahl:

Schaut man sich die Ideen auf diesen Plattformen an, dann lassen sich mehrere Trends für Innovationen erkennen:

  • Viele Produkte werden nicht neu erfunden, sondern einfach schön gemacht. Sie bekommen ein Design, das klar auf eine Zielgruppe ausgerichtet ist. Und auch Verkaufsräume lassen sich kundenfreundlich und imageträchtig gestalten.
  • Gerade im Zeitalter der Globalisierung fühlen sich viele Kunden ihrer Heimat und dem Regionalen verbunden. Sie schätzen, was lokal produziert wird und eine direkte Verbindung mit ihnen selbst hat.
  • Kostenlos kommt immer gut an. Open Source Software, freie Musik zum Herunterladen oder Freiminuten fürs Telefonieren – das sind die Vehikel, die helfen, Produkte und Dienstleistungen zu verbreiten.
  • Auch Bequemlichkeit kommt beim Kunden immer gut an. Wenn es ein bisschen schneller geht, einfacher ist, ein kleines Alltagsproblem löst, dann ist der Kunde bereit, das zu honorieren. Das Werkzeug: Intensivste Kundenbeobachtung.
  • Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie erzeugt ständig eine Vielzahl von Innovationen. Wer durch seinen Supermarkt oder Feinkostladen geht und neue Produkte, Produktpräsentationen und Verpackungen aufmerksam studiert, erkennt, was beim Kunden gerade angesagt ist.

Hinweis

Eine Fülle von Trends mit vielen Beispielen und Erläuterungen finden Sie im Trendbrief 7/8-2008 von Reinier Evers.

Aus vielen Ideen wird eine Innovation

Je mehr Ideen generiert werden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass eine dabei ist, die das Zeug zum erfolgreichen Produkt hat. Doch Warnung: Nicht alle Ideen sind ein Erfolgsgarant! Viele Innovationsmanager sind erstaunt, wenn ihr ach so tolles Produkt am Markt floppt oder nicht so viele Kunden anspricht, wie gedacht. Zu jeder Idee muss es die passende Zielgruppe geben. Deshalb sind die genaue Kundenanalyse und die Zielgruppensegmentierung entscheidend. Nur wenn der Schlüssel (Innovation) zum Schloss (Zielgruppe) passt, öffnet sich die Tür.

  • Deshalb sind folgende Aspekte für den Innovationsprozess wichtig:
  • Ideen dürfen nicht verloren gehen, sondern müssen systematisch auf ihr Erfolgspotenzial hin überprüft werden.
  • Dazu empfiehlt sich ein klar definierter Innovationsprozess, der auf unterschiedlichen Stufen, die Tragfähigkeit einer Idee und einer Neuentwicklung kritisch hinterfragt und die einzelnen Entwicklungs- und Prüfschritte bis zur Markteinführung beschreibt.
  • Der Prozess muss mehrere Stationen beinhalten, an denen über das Weitermachen oder den Abbruch entschieden wird. Oft halten Unternehmen zu lange an einer Neuentwicklung fest; es fehlt der Mut zum Abbruch.
  • Schon in diesem Prozess sollten unterschiedliche Experten aus dem eigenen Unternehmen, aber auch von Kunden oder anderen Partnern eingebunden werden. Sie geben kritisch und konstruktiv Rückmeldung.
  • Mit der Innovation müssen auch die Zielgruppe und das zielgruppenorientierte Marketing festgelegt werden und die passenden Aktionen müssen umgesetzt werden.

Die Bewährungsprobe im harten Wettbewerb

Mit der Einführung eines neuen Produkts auf dem Markt (oder einem Testmarkt) beginnt die Bewährungsprobe. Vieles erweist sich schnell als Flop. Das muss rechtzeitig erkannt werden. Anderes braucht seine Zeit – und hier bedarf es ausreichender Geduld. Die Kunst besteht darin zu erkennen, welches Marktpotenzial in einem Produkt (noch) steckt und abzuwägen zwischen Ausdauer und Beharrlichkeit einerseits und der Fähigkeit Loslassen zu können andererseits. Einige Produkte lassen sich durch die Anwendung und Kundenerfahrungen auch verbessern und im zweiten Anlauf marktreif machen. Der Innovationsprozess endet also nicht mit der Einführung am Markt.

Dazu im Management-Handbuch

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