Interne UnternehmensberatungDer Inhouse Consulting Markt in Deutschland wächst

Die Gründung und der vermehrte Einsatz von Inhouse Consulting Einheiten (IHC) ist ein neuer Trend im Beratungsmarkt, dem vor allem große Konzerne folgen. Die meisten Einheiten wurden seit 2000 als eigenständige Einheiten gegründet. Aktuell verfügen bereits zwei Drittel der DAX30-Unternehmen über eine eigenständige Inhouse Consulting Unit.

Laut der aktuellen Studie der European Business School zum Inhouse Consulting Markt in Deutschland gehen über 60 Prozent der Befragten von einem Wachstum der intern erbrachten Leistungen in den nächsten drei Jahren aus. Besonders hohes Potenzial wird dabei in den kleinen und mittleren IHC-Einheiten beobachtet. Aufgrund des Geschäftsmodells haben jedoch auch die großen IHC-Einheiten weiterhin Rekrutierungsbedarf.

Unter Leitung von Ansgar Richter, Professor am Lehrstuhl für Strategie und Organisation an der European Business School, analysierte ein Forscherteam den Gesamtmarkt und befragte 20 Inhouse-Beratungen sowie ihre Auftraggeber. Richter:

"Die Untersuchung zeigt, welche Bedeutung die Einheiten innerhalb der Unternehmen erlangt haben und über welches Wachstumspotenzial sie verfügen. Vor allem bei größeren Unternehmen sind interne Berater zugleich Alternative und Ergänzung zu den etablierten Unternehmensberatungen."

Plattformen für Management-Nachwuchs

IHC-Einheiten haben sich in den letzten Jahren als Sprungbrett für den Management- Nachwuchs durchgesetzt. 66 Prozent der Berater wechseln nach drei bis vier Jahren in den Mutterkonzern. Bei großen IHC-Units wechseln sogar bis zu 78 Prozent der Berater. Auch die organisatorische Einbindung fördert den Nachwuchs. Über 85 Prozent der IHC-Einheiten berichten direkt an den Vorstand und haben deshalb eine gute Sichtbarkeit beim Top-Management. Die Bayer Business Consulting beispielsweise versteht sich als Talentpool und setzt sich verstärkt für die Förderung der Mitarbeiter ein. Neben der Funktion als Talentpool verfolgen die Auftraggeber durch die Schaffung eigener IHC-Units zwei Ziele:

  1. die Kostenreduktion gegenüber externen Beratungen sowie
  2. die Bildung einer schnellen Eingreiftruppe mit hoher Akzeptanz und Sichtbarkeit im Mutterkonzern.

Das Verhältnis externer und interner Berater

Die Einsatzfelder der Berater zeigen, dass interne und externe Beratungen sowohl ergänzend als auch alternativ eingesetzt werden. 27 Prozent der Auftraggeber gaben an, dass externe Berater besonders bei sensiblen Spezialthemen (zum Beispiel Restrukturierungen), Benchmarking (16 Prozent), Marktthemen wie Markterschließung (12 Prozent) oder bei sehr ressourcenintensiven Projekten (8 Prozent) eingesetzt werden.

Dagegen werden interne Berater bei strategischen Themen, bei kurzfristigem Beratungsbedarf oder wenn spezielle Kenntnisse des Unternehmens erforderlich sind, (jeweils 16 Prozent) eingesetzt. Die Auftraggeber gaben an, dass die internen Einheiten eine adäquate Alternative zu externen Beratungen sind.

Gründe hierfür sind aus ihrer Sicht, dass durch eine höhere Akzeptanz im Unternehmen Strategien besser umgesetzt und schneller Einblicke in Unternehmenseinheiten gewonnen werden können. Dies wird bestätigt durch die Aussage, dass 95 Prozent der Konzernmitarbeiter der Einbindung interner Berater aufgeschlossen gegenüber stehen, während 74 Prozent die Einbindung externer Berater eher zurückhaltend beurteilen. Die internen Beratungen betonten hierbei, dass in der Zusammenarbeit besonders eine klare Rollenverteilung von Bedeutung ist.

Erbrachte Beratungsleistungen stark abhängig von der Größe der Einheiten

Grundsätzlich werden Beratungsleistungen in den Bereichen Operations/Prozess und Strategie/Organisation erbracht. Besonders kleine IHC-Units haben ihren Schwerpunkt auf Operations-/Prozess-Beratung (57 Prozent) und arbeiten mehr an der Implementierung von Strategien als mittlere und große IHC Units. Außerdem arbeiten sie häufiger mit externen Beratungen zusammen.

Mittlere IHC-Units sind in ihren Beratungsleistungen deutlich breiter aufgestellt und setzen ihren Schwerpunkt dabei auf die konzeptionelle Entwicklung. Große IHC-Einheiten erbringen verstärkt Strategieberatung mit eher konzeptionellem Fokus und bedienen gelegentlich auch externe Kunden. Zahlreiche internationale Einsätze lassen sich in großen IHC-Units beobachten, von denen 62 Prozent auf internationalen Projekten, die zum Teil auch vollständig im Ausland umgesetzt werden, arbeiten.

Einschätzung durch die Auftraggeber

Im Vergleich zu externen Beratern bemängeln die Auftraggeber zuweilen eine gewisse Betriebsblindheit der IHCs, schätzen aber insgesamt die Qualität der erbrachten Beratungsleistung als vergleichbar ein. Mit mehr Industrieerfahrung ließen sich nach Meinung der Auftraggeber bei den IHCs Verbesserungen erzielen, etwa durch das Erbringen von Beratungsleistungen für externe Firmen, welches potenziell mit Know-how Transfer verbunden ist, oder durch eine größere Seniorität und Erfahrung der potenziellen Berater.

Hintergrund der Studie

Mit der Studie „Der Inhouse Consulting Markt in Deutschland“ stellt die European Business School die erste detaillierte Untersuchung über den Markt für Inhouse Beratungen in Deutschland vor. Die von Bayer Business Consulting, der Inhouse-Beratung der Bayer AG, unterstützte Studie basiert auf der Befragung von über 20 Inhouse Consulting-Einheiten deutscher Unternehmen sowie auf qualifizierten Aussagen ihrer Auftraggeber.

Die komplette Studie finden Sie hier:

Der Inhouse Consulting Markt in Deutschland

[po; Quelle: Bayer Business Services; Bild: ©Bilderbaron - Fotolia.com]

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