IT-ChefsStrukturelle Defizite bremsen deutsche CIOs aus

Mehr als die Hälfte der IT-Experten sehen Chief Information Officers (CIOs) in einer schwachen Rolle als IT-Grundversorger. Die Rolle als "Innovator" wird ihm nur sehr selten zugeschrieben. Strategische Entscheidungen werden zu langsam umgesetzt. Eine weitere Erkenntnis: Deutsche IT-Organisationen sind zwar international Spitze im Bereich Performance-Management, doch Schlusslicht bei der Mitarbeitermotivation.

Chief Information Officers (CIOs) und IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen erhalten im internationalen Vergleich schlechte Noten. 55 Prozent der IT-Fachkräfte in Deutschland geben an, dass der oberste IT-Verantwortliche lediglich die Rolle eines IT-Grundversorgers übernimmt. Nur 15 Prozent erkennen ihren CIO als "IT-Entrepreneur" oder "Innovator" an. In keinem anderen Land wird diese Position so negativ bewertet.

Dies ist ein Kernergebnis des "IT OrgDNA-Profilers". Die Studie der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton untersucht Organisations- und Kommunikationsstrukturen in Unternehmen weltweit. Dazu wurden 1.500 IT-Fachkräfte befragt - davon knapp drei Viertel in Managementpositionen - und deren Antworten separat ausgewertet. Ein Vergleich der deutschen mit den internationalen Daten sowie der Vergleich mit Strukturen in anderen Branchen liefern wertvolle Hinweise auf Stärken und Schwächen in IT-Organisationen. Johannes Bussmann, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton, sagt:

"Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der hierarchischen und strukturellen Verankerung des CIO und der Effizienz der gesamten IT-Organisation. Berichtet der CIO direkt an die Unternehmensspitze und nimmt somit eine strategische Position ein, dann funktionieren die Prozesse innerhalb der IT-Organisation offenbar deutlich effizienter."

Der "OrgDNA-Profiler" untersucht detailliert die Struktur der Organisationseinheiten, Entscheidungsrechte, Informationsfluss sowie Motivationskultur der Unternehmen. Dabei zeigt sich, dass Entscheidungsprozesse im IT-Bereich besser als in anderen Funktionsbereichen organisiert sind. Mehr als die Hälfte der IT-Fachkräfte gibt an, auf Basis klar definierter Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu handeln, über alle Organisationssbereiche hinweg sind es nur 46 Prozent.

Ebenfalls positiv: Entscheidungen werden seltener in Frage gestellt. Kommen in deutschen IT-Abteilungen laut 53 Prozent der Befragten getroffene Entscheidungen nochmals auf den Prüfstand, so sind es im Querschnitt aller Funktionsbereiche fast zehn Prozent mehr. Doch dann hakt es: Trotz positiver Ausgangssituation erfolgt die Umsetzung wichtiger strategischer und operativer Aufgaben hierzulande zu langsam, urteilen rund 60 Prozent der IT-Fachleute.

Deutsche IT-Organisationen: Spitze im Performance-Management...

Im Vergleich mit ihren Kollegen anderer Funktionsbereiche verfügen die IT-Fachleute offensichtlich eher über ausreichende Informationen, um die Auswirkungen ihrer Arbeit im Tagesgeschäft auf das Geschäftsergebnis zu verstehen (IT 47 Prozent, Funktionsquerschnitt 41 Prozent). Immerhin mehr als die Hälfte empfindet diese Informationsbasis jedoch noch als ungenügend. Dies deutet auf erhebliches Optimierungspotenzial auch im IT-Sektor hin. Dass ihr Linienmanagement Zugang zu allen notwendigen Zahlen hat, davon sind in Deutschland 62 Prozent der IT-Verantwortlichen überzeugt. Hier liegt Deutschland international an der Spitze. Zahlen zur Steuerung der Organisation sind demnach in deutschen IT-Abteilungen generell vorhanden.

...aber Schlusslicht bei der Mitarbeitermotivation

Schlecht sieht es dagegen in Sachen Motivation aus. IT-Strategieberater Bussmann konstatiert:

"Unsere Studie ergibt für Deutschland Besorgnis erregende Zahlen. Nur 35 Prozent der Befragten können neben der Bezahlung weitere Anreize zur Motivation der Mitarbeiter erkennen. Damit bildet Deutschland im internationalen Vergleich das Schlusslicht."

In den USA geben 78 Prozent der IT-Verantwortlichen an, neben der Bezahlung über weitere Motivatoren zu verfügen. In Großbritannienen gilt das für 73 Prozent und in Italien für 66 Prozent der Befragten.

Verankerung des CIOs entscheidend für den Erfolg der IT-Organisation

Aus den Antworten lässt sich auch ableiten, ob der Befragte ein positives oder negatives Gesamtbild seiner Organisation hat. Eine wesentliche Rolle für das Gesamtbild einer Einheit spielt die Position des CIO. IT-Einheiten, die ihren CIO lediglich als IT-Grundversorger sehen, weisen überwiegend ein negativ bewertetes Profil auf. IT-Abteilungen, deren CIO als "IT-Entrepreneur" gilt, erzielen dagegen oft ein positives Gesamtbild. Auffällig auch: Je enger der CIO an den Chief Executive Officer (CEO) angebunden ist, desto positiver das Gesamtbild. Berichtet der CIO nicht direkt an das Top-Management, überwiegen negative Profile der IT-Organisation. Bei einer Analyse nach Branchen erreichen IT-Organisationen innerhalb von Banken die besten Bewertungen. Schlusslichter bilden die IT-Organisationen im Öffentlichen Dienst und in den Bereichen Telekommunikation und Transportwesen.

[dw; Quelle: Booz Allen Hamilton; Bild: fotolia]

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