JobabbauSind Massenentlassungen eine gute Unternehmensstrategie?

Wenn Unternehmen großflächigen Personalabbau ankündigen, scheint das die Aktienmärkte zu begeistern. Doch Investoren schauen meist genau hin, was für eine Strategie dahinter steckt. Nur Kosten sparen, um ihrer selbst willen, kann mehr Schaden anrichten, als es hilft. Wenn verschlankt werden soll, dann muss klar sein, warum.

Vielen Unternehmen geht es seit einigen Monaten wieder besser. Sie profitieren von einer wachsenden Wirtschaft. Manche melden Rekordgewinne. Für die Mitarbeiter heißt das: Die Jobs sind wieder etwas sicherer. Aber nicht in jedem Fall. Selbst profitable Unternehmen wie BMW, Continental oder die Telekom wollen sich von Tausenden ihrer Mitarbeiter trennen.

Honoriert die Börse den Personalabbau?

Die ständige Suche nach Verbesserungen, Effizienzsteigerungen, die Erschließung von Synergiepotenzialen nach Zukäufen und nicht zuletzt die Pflege des Aktienkurses – das sind immer wieder Gründe, zu prüfen, welche Abteilung und welche Mitarbeiter vielleicht doch nicht unbedingt notwendig sind. Manche Top-Manager sehen es geradezu als ihre Kernaufgabe an, ihr Unternehmen auf Hochleistung zu trimmen, zu verschlanken und die Personalkosten zu reduzieren. Aber ist das eine Erfolg versprechende und nachhaltige Strategie?

Auch die Börse honoriert bloßes Kostensenken in den seltensten Fällen, haben Forscher um Michael Useem festgestellt. Er ist Management-Professor und Direktor am Center for Leadership and Change Management der Wharton School der University of Pennsylvania und weiß:

„Die kompromisslosen, institutionellen Anleger am Kapitalmarkt sind in Wirklichkeit eher nervös und besorgt, wenn ein Unternehmen Personalabbau und kurzfristige Kostensenkungen ankündigt, ohne einen größeren Plan über Sinn und Zweck erkennen zu lassen. … Die Investoren heißen das Ziel der Restrukturierung gut, den Wunsch, Glanz und Leistungsfähigkeit wieder herzustellen; aber nicht die Methode der Kostenreduzierung als solche.“

Die Folge: Wenn Unternehmen ankündigen Personal einzusparen, ohne deutlich zu machen, worin der strategische Plan besteht, dann sinken die Börsenkurse im Anschluss um bis zu sechs Prozent. Erklären sie die eigentlichen strategischen Ziele dahinter, steigen die Kurse um etwa vier Prozent.

Großflächige Entlassungen haben auch schwerwiegende negative Folgen

In einigen Fällen schaffen sich die Unternehmen ein größeres Problem mit dem Personalabbau, als das, das sie damit eigentlich lösen wollten. Gründe dafür können im ungünstigen Fall sein:

  • Die Stimmung in der Belegschaft sinkt rapide. Gute Mitarbeiter suchen sich so schnell wie möglich einen neuen Arbeitgeber. Die weniger guten klammern sich an ihre Stelle. Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung erreichen ihr niedrigstes Niveau.
  • Mit den guten und erfahrenen Mitarbeitern verliert das Unternehmen wichtiges Know-how; die Teamleistungen leiden.
  • Etablierte Prozesse können mit einem reduzierten Personalstamm nicht mehr angemessen durchgeführt werden. Die Qualität sinkt, Bearbeitungszeiten steigen und viele Kunden werden unzufrieden.
  • Das Unternehmen – und seine Produkte – verlieren an Ansehen in der Öffentlichkeit und damit oft auch bei den eigenen Kunden.

In diesen Fällen ist Personalabbau nicht nur „Fettabbau“, meint Peter Cappelli, Management-Professor und Direktor am Center for Human Resources der Wharton School; das sei echter Verlust an „Muskelkraft“.

Ziel, Zweck und Vorgehensweise bei Entlassungen klar vermitteln

Gleichwohl kann es für einige Unternehmen zur Überlebensfrage werden, die Personalkosten zu reduzieren. Der Konsumriese Procter & Gamble hat vor vielen Jahren den Jobabbau als gezielte Botschaft an Kunden und Mitarbeiter verstanden. Sie hieß: So kann es nicht weitergehen! Wir müssen und wir wollen uns erneuern! Wir müssen die eigene Trägheit überwinden, zu neuen Märkten aufbrechen und viel mehr für Innovationen sorgen. So schaffte es das Management, unpopuläre Maßnahmen mit einer positiven Vision zu verknüpfen, die letztlich auch von den Kunden und den verbliebenen Mitarbeitern verstanden und akzeptiert wurde.

Gerade große Unternehmen haben die Tendenz, Fett anzusetzen – oder unnötige Komplexität zu erzeugen. Prozesse sind kompliziert und umständlich. Es entstehen Geschäftsbereiche, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. Manches wird doppelt und dreifach erledigt. Kerngeschäfte sind aus dem Blickfeld geraten.

Hier ist der Wunsch nach Personalabbau nur der Auslöser dafür, das eigene Geschäft und die überlieferten Prozesse kritisch zu betrachten und wieder auf die eigentlichen Ziele auszurichten. Dann kann auch die Verlagerung von Arbeitsplätzen an spezielle Dienstleister (Outsourcing) oder an Standorte mit geringeren Faktorkosten durchaus Sinn ergeben.

Wenn schon entlassen wird, dann sollte es schnell und richtig erfolgen. Gerade die quälende Ungewissheit – Gibt es weitere Entlassungen? Bin ich dann davon betroffen? –belastet die Mitarbeiter am meisten. Folgende Faktoren spielen darüber hinaus eine wichtige Rolle:

  • Unternehmen sollten immer mit offenen Karten spielen und deutlich und klar sagen, worum es bei der Entlassung geht und was den Mitarbeitern droht.
  • Sie sollten durch Zahlen belegen, warum die Entlassungen notwendig sind.
  • Sie müssen mit einer klaren Vision und überzeugenden Strategien deutlich machen, wie das Unternehmen in Zukunft erfolgreich sein will.
  • Sie sollten den Betroffenen helfen, möglichst schnell wieder einen Job zu bekommen – durch Bewerbertrainings, Weiterbildungskurse und Jobvermittlungen.
  • Alle, die dableiben, brauchen eine intensive Betreuung. Sie dürfen nicht das Gefühl haben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch sie dran sind und gehen müssen. Sie sollten die Wertschätzung, die sie weiterhin haben, auch deutlich spüren.

Lesen Sie mehr zum Thema: Short-Circuited – Cutting Jobs as Corporate Strategy.

[jf; Foto: Fotolia]

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