KarriereAbsolventen wählen ersten Arbeitgeber mit Bedacht

Fast die Hälfte der Studierenden, die in diesem Jahr ihre Hochschulausbildung abschließen, stellt sich auf eine schwierige Jobsuche ein. Zwei Drittel sehen sich daher schon während ihres letzten Studienjahres nach ihrem Traumjob um. Nur rund 40 Prozent haben dabei Erfolg. Trotzdem stehen ein gutes Gehalt oder flexible Arbeitszeiten auf der Anspruchsliste ganz oben.

Nur ganze zehn Prozent würden den erstbesten Job annehmen, ist ein Ergebnis einer Studie, für die der Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister Accenture in Deutschland mehr als 300 Studierende befragt hat. Die Erwartungen an den ersten Arbeitgeber sind hoch. Ein gutes Gehalt ist für nahezu alle deutschen Befragten ein wichtiges Entscheidungskriterium (92 Prozent). Fast gleich wichtig sind ihnen ein kollegiales Betriebsklima (82 Prozent) und eine interessante, herausfordernde Tätigkeit (85 Prozent). Aber auch die flexible Gestaltung der Arbeitszeiten (49 Prozent) spielt für die Hochschulabsolventen eine wichtige Rolle.

Damit liegen die Deutschen voll im internationalen Trend: Auch in den USA und in Großbritannien haben die Studierenden hohe Ansprüche an ihren Arbeitgeber. Briten und Amerikaner legen neben einer guten Bezahlung ebenfalls Wert auf eine interessante Tätigkeit (75 Prozent beziehungsweise 68 Prozent), ein gutes Betriebsklima (54 Prozent beziehungsweise 53 Prozent) und flexible Arbeitszeiten (jeweils 44 Prozent). Amerikanische Studierende schauen darüber hinaus verstärkt auf betriebliche Zusatzleistungen wie beispielsweise Beteilungen an Krankenversicherungsbeiträgen (85 Prozent). Britische Studierende hingegen betonen stärker Trainingsangebote (49 Prozent; BRD: 12 Prozent). Norbert Büning, Geschäftsführer im Bereich Human Performance bei Accenture, erklärt:

"Die Hochschulabsolventen von heute lassen sich stärker von ihren Wertevorstellungen leiten und nehmen ihren potenziellen Arbeitgeber genau unter die Lupe. Diesen Trend haben noch nicht alle Unternehmen erkannt und tun sich deshalb schwer, geeignete Absolventen auf das Unternehmen aufmerksam zu machen und als Mitarbeiter zu gewinnen."

Arbeit soll Spaß machen und zum Studium passen

Die Wunscharbeitgeber liegen besonders außerhalb traditioneller Branchen. Ganz vorne rangieren bei deutschen Absolventen der Kommunikationsbereich (35 Prozent) sowie das Bildungswesen (32 Prozent), dicht gefolgt von der Medien- und Unterhaltungsindustrie (30 Prozent). In diesen Bereichen hoffen die Studierenden interessante Arbeit, die zu ihrem Studium passt, und Spaß miteinander vereinbaren zu können. Branchen wie der Einzelhandel (sieben Prozent) oder Versicherungen (fünf Prozent) werden es dagegen deutlich schwerer haben, ihre Rekrutierungsziele zu erfüllen.

Ähnlich sieht es in den angloamerikanischen Ländern aus. In den USA rangieren Jobs im Bildungssektor auf Platz eins (31 Prozent), für Hochschulabsolventen in Großbritannien hingegen hat die Medien- und Unterhaltungsindustrie die größte Anziehungskraft (31 Prozent) vor Branchen wie dem Finanzsektor (UK: 23 Prozent, USA: 17 Prozent). Die Absolventen machen es sich mit ihrem Anspruch nicht leicht. 45 Prozent der Studierenden rechnen damit, dass die Suche ihres ersten Jobs "schwierig" oder "sehr schwierig" wird.

Ein Grund ist die konjunkturelle Entwicklung: Fast die Hälfte der Studierenden (46 Prozent) ist besorgt, dass die Zahl der Arbeitsangebote zurückgehen könnte. Viele Studenten sind daher bereit, ihre Suche den Gegebenheiten anzupassen. Rund 42 Prozent der deutschen Studenten wollen auch in einer anderen Stadt suchen, würden längere Strecken pendeln (35 Prozent) oder ihre Suche auf andere Branchen oder Tätigkeiten ausweiten (37 Prozent). Für fast ein Viertel (22 Prozent) kommt sogar eine Arbeit im Ausland in Frage. Alles in allem sind deutsche Studierende aber optimistischer als Absolventen in den angloamerikanischen Ländern: Sowohl bei den Briten, als auch den US-Amerikanern haben deutlich mehr als die Hälfte Angst davor, dass die Zahl der Jobs schrumpft (59 Prozent beziehungsweise 71 Prozent).

Im März 2008 befragte Accenture 2.464 Studenten in acht Ländern (Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Russland und den USA), die ihr Studium in diesem Jahr beenden. In Deutschland haben sich 301 Studenten an der Online-Umfrage beteiligt.

[dw; Quelle: Accenture; Bild: fotolia]

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