KarrierechancenDeutsche Studenten blicken optimistisch in die Zukunft

Die meisten Studenten rechnen damit, zügig einen geeigneten Job zu finden. Besonders wichtig ist ihnen dabei vor allem ein sicherer Arbeitsplatz, ein kollegiales Arbeitsklima und ausreichend Zeit für Familie und Freunde. Karriere und Geld spielen eine eher untergeordnete Rolle. Diese Tatsache stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen und erfordert ein Umdenken bei Vorgesetzten.

Im Wettlauf um die qualifizierten Kräfte von morgen werden sich deutsche Unternehmen einiges einfallen lassen müssen. Zwar ist auch den Studenten von heute das künftige Einkommen nicht völlig gleichgültig – davon zeugen die erwarteten Einstiegsgehälter von durchschnittlich knapp 37.000 Euro. Doch von hohen Gehältern allein lassen sich die Hochschulabsolventen nicht mehr locken: Sie erwarten, dass Unternehmen ihnen vor allem sichere Arbeitsplätze, ein kollegiales Arbeitsklima und ausreichend Zeit für Familie und Freunde bieten. Das sind Ergebnisse der Studie „Studenten in Deutschland“, die von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young erstellt wurde.

Jobsicherheit hat Priorität

Der Akademikernachwuchs legt großen Wert auf sichere Arbeitsplätze. Die Entscheidung für einen bestimmten Beruf erfolgt in erster Linie vor dem Hintergrund der Arbeitsmarktsituation. Matthias Wehling, Personalvorstand bei Ernst & Young, stellt folgendes fest:

"Arbeitslosigkeit ist bei Akademikern kaum noch ein Thema, die Studenten müssten sich also wenig Sorgen über Jobsicherheit machen. Trotzdem hat gerade dieses Thema eine überragende Bedeutung für sie. Sie machen sich offenbar die Erfahrungen der Vorgänger-Generation zu eigen – das Sicherheitsbedürfnis sitzt ungeheuer tief."

Privatleben spielt eine wichtige Rolle

Gleich an zweiter Stelle in der Prioritätenskala der Studenten bei der Berufswahl folgt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wehling konstatiert:

"Wir haben es heute mit Menschen zu tun, denen die persönliche Entfaltung außerhalb des Berufs mindestens ebenso wichtig ist wie innerhalb des Berufs. Das zeugt zwar nicht von unbedingtem Leistungs- und Karrierewillen. Aber es bietet den Unternehmen neue Ansätze der Motivation."

In dieses Bild passt es, dass für fast zwei Drittel der Studenten das persönliche Interesse eine sehr wichtige Rolle bei der Wahl des Studienfachs spielte. Die Berufsaussichten waren für 54 Prozent ein besonders wichtiges Motiv, die Verdienstmöglichkeiten für 38 Prozent.

Arbeitgeber vor Herausforderungen

Die Studenten suchen Unternehmen, die ihnen in einem Umfeld aus Kollegialität und flachen Hierarchien die Möglichkeit zu selbstständigem Arbeiten bieten. Von ihrem künftigen Arbeitgeber erwarten sie einen Führungsstil, der von Respekt und Vertrauen geprägt ist. Weniger wichtig erscheinen ihnen Gehalt und Karriere ebenso wie der Markterfolg, die Reputation und die Innovationsleistungen ihres künftigen Arbeitgebers. Wehling:

"Immer wichtiger wird eine Unternehmenskultur, die dem Einzelnen die Möglichkeit bietet, seine Potenziale zu entfalten. Hierarchien und starre Strukturen sind aus Sicht der Studenten von gestern. Das stellt neue, teils ungewohnte Anforderungen an die Vorgesetzten, aber auch an die jungen Mitarbeiter. Als Gegenleistungen für größere Freiräume müssen sie eine hohe Disziplin und die Fähigkeit bieten, sich selbst straff zu führen."

Zufriedenheit und Zuversicht

Mit ihrer persönlichen Situation sind sechs von sieben Studenten zufrieden. Und sie gehen davon aus, im Anschluss an das Studium zügig einen passenden Job zu finden: 86 Prozent der Befragten gehen davon aus, zügig eine Anstellung zu finden, die Ihren Erwartungen und Qualifikationen entspricht.

Dabei sind die Gehaltsvorstellungen recht hoch: Im Durchschnitt erwarten die Studenten ein Einstiegsgehalt von etwas weniger als 37.000 Euro. Dabei liegt die Spannweite zwischen knapp 34.000 Euro bei den Lehramtsanwärtern und fast 41.000 Euro bei den Ingenieuren und Informatikern. Für dieses Geld sind die angehenden Akademiker dann aber bereit, Leistung zu bringen.

Überstunden eingeplant

Nur ein knappes Drittel geht davon aus, im ersten Job maximal 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Ein weiteres Drittel rechnet mit bis zu 45 Stunden. Jeder fünfte Student hat sich darauf eingestellt, bis zu 50 Stunden am Arbeitsplatz zu verbringen und jeder Siebte geht sogar noch darüber hinaus. Ebenfalls beachtlich ist die Bereitschaft zur Mobilität. 85 Prozent der Studenten können sich vorstellen, für ihren Arbeitgeber innerhalb Deutschlands den Standort zu wechseln. Und 72 Prozent wären sogar bereit, ins Ausland zu ziehen. Wehling meldet Zweifel an:

„Die theoretische Neigung zur Mobilität ist erfreulich hoch. In der Praxis sieht es aber häufig schon etwas anders aus, gerade nach dem erfolgten Berufseinstieg. Da siegt dann gerne die Bodenhaftung, das Festhalten an der gewohnten Umgebung, der Familie und den Freunden.“

Globalisierung als Chance

Gegen einen starken Zug zum Ausland spricht auch die Einschätzung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Vier von fünf Studenten stufen seine Wettbewerbsfähigkeit als gut oder sehr gut ein. So verwundert es nicht, dass 74 Prozent die Globalisierung als Chance für ihr Land betrachten, nicht als Gefahr, wie es das übrige gute Viertel tut. Noch zuversichtlicher schätzt die große Mehrheit der Befragten den Einfluss der Globalisierung auf ihre persönliche Entwicklung ein: 81 Prozent sehen sie als Chance für sich selbst. Das zeuge von einem erfreulichen Selbstbewusstsein, von der Überzeugung, sich in der Welt auch persönlich behaupten zu können, meint Wehling. Von Zukunftsangst könne in dieser Studentengeneration jedenfalls kaum mehr die Rede sein.

Wenig Unternehmernachwuchs

Dafür spricht auch ihre Erwartung, ein durchaus bewegtes Berufsleben vor sich zu haben. Vom Job fürs Leben träumt der akademische Nachwuchs offenbar nicht mehr. Im Schnitt erwarten die befragten Studenten, 4,3 Jahre für ihren ersten Arbeitgeber tätig zu sein. Selbst die Lehramtsanwärter, bei denen man eine gewisse Neigung zum lebenslangen Festhalten vermuten könnte, sind nur auf 7,1 Jahre eingestellt. Die kürzeste Erstbeschäftigung erwarten die Kulturwissenschaftler – sie rechnen damit, nach dreieinhalb Jahren den Arbeitgeber zu wechseln. Die Beweglichkeit der meisten Studenten geht aber nicht so weit, selbst unternehmerisch aktiv zu werden. Nur 23 Prozent denken daran, sich nach dem Studium selbstständig zu machen. Mehr als drei Viertel bevorzugen also ein Arbeitsleben im Angestelltenverhältnis.

Zur Studie

Die Studie „Studenten in Deutschland“ beruht auf einer Befragung von 5.000 Studenten in Deutschland.

[po; Quelle: Ernst & Young; Bild: Fotolia.com]

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