KMUFinanzierung ohne Bankkredit

Factoring, Finetrading, Leasing und Inkasso sind alternative Finanzierungslösungen für KMU. Sie sorgen für schnelle Liquidität und schonen das Eigenkapital.

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme. Grund dafür sind unter anderem die hohen Sicherheitsbedingungen aufgrund der verschärften Basel III-Regularien. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen sind offen für alternative Finanzierungslösungen. So erachten Unternehmen in der Umsatzklasse von 2,5 bis 50 Millionen Euro eine modulare Finanzierung als sinnvoll. Sie sind der Meinung, dass ein Finanzierungsmix als Wachstumsbeschleuniger gilt. Somit bleiben Unternehmer liquide und können flexibler am Markt agieren. Nachfolgend werden alternative Finanzierungslösungen und ihre Funktionsweise näher vorgestellt.

Factoring: sofortige Liquidität durch Forderungsverkauf

Factoring befindet sich auf dem Vormarsch. Immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen setzen auf die Rechnungsvorfinanzierung, um sich schnelle Liquidität zu sichern. Der Grund: Die Zahlungsmoral der Unternehmen sinkt. Viele Unternehmen klagen über Forderungsausfälle. Dies hat für kleine und mittelständische Unternehmen schwerwiegende Folgen, denn sie gehen oft mit Waren oder Dienstleistungen in Vorleistung und müssen zudem Personalkosten sowie Sozialabgaben zahlen. Ein permanenter Zahlungsverzug oder gar Forderungsausfall kann deshalb im schlimmsten Fall die Existenz bedrohen.

Factoring

Unter Factoring versteht man den Kauf beziehungsweise Verkauf von Geldforderungen aus Waren- und Dienstleistungsgeschäften. Dabei handelt es sich um ein Kaufgeschäft, das heißt es liegt ein Kaufvertrag, kein Kreditvertrag zugrunde. Die Kombination aus Vorfinanzierung, Übernahme des vollständigen Risikos von Forderungsausfällen und aktives Debitorenmanagement stellt gerade für expansive Unternehmen ein flexibles Finanzierungs- und Dienstleistungsinstrument dar.

Der Begriff Factoring stammt vom lateinischen Wort „factura“ ab und bedeutet Rechnung. Den ersten Ankauf offener Forderungen schreibt man bereits den Babyloniern zu.

Die Vorteile von Factoring: Durch den fortlaufenden Verkauf der offenen Forderungen an ein Factoringunternehmen lassen sich Außenstände minimieren und sofortige Liquidität sichern. Zusätzlich sind die Rechnungen gegen einen möglichen Forderungsausfall versichert. Das heißt, der Unternehmer erhält in jedem Fall sein Geld, auch wenn der Auftraggeber nicht zahlen sollte.

Ein weiterer Mehrwert ist, dass das Factoringunternehmen beim Mahnwesen Entlastung bietet. Somit hat der Unternehmer den Kopf frei und kann sich um sein Kerngeschäft kümmern. Ein planbarer Mittelzufluss, der das Unternehmen beim Wachstum unterstützt sowie die Generierung einer erhöhten Eigenkapitalquote sind weitere entscheidende Pluspunkte. Beim Factoring steigt das Finanzierungsvolumen mit dem Umsatz an und endet nicht wie bei einer Kreditlinie. Zudem gewinnen Unternehmen an Handlungsfreiheit und können Factoring strategisch nutzen. Die Stellung von bankenüblichen Sicherheiten ist nicht notwendig.

Beim Factoring können Bestandskunden oder potenziellen Neukunden Zahlungsziele von bis zu 60 Tagen gewährt werden. Dadurch erzielt das Unternehmen einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Zudem fallen die Kosten für eventuell bisher gewährte Skonti weg. Die Ausgaben für die Nutzung von Factoring befinden sich ebenfalls im Skonti-Bereich, weshalb diese dadurch ausgeglichen werden können. Außenstände werden durch die unmittelbare Auszahlung der Forderungen minimiert. Aufgrund der dadurch verbesserten Bilanzstruktur steigt auch das Ansehen bei Rating-Agenturen und Banken.

Die Anpassung des Factoringmodelles erfolgt individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse und die Branche des Unternehmens. Jedoch ist Factoring aufgrund bestimmter Branchengegebenheiten nicht für alle Industriezweige geeignet. Besonders in den Bereichen Bauhauptgewerbe (nach VOB) sowie bei Ingenieuren und Architekten (nach HOAI) gestaltet sich der Einsatz schwierig. Mancher Unternehmer fürchtet zudem, dass die Kundenbeziehungen durch den Einsatz von Factoring leiden. Das Personal jedoch steht meist schwerpunktmäßig mit der Buchhaltung des jeweiligen Auftraggebers in Kontakt, denn der Fokus liegt auf der Realisierung der Zahlungen.

Finetrading: flexible Einkaufs- und Warenfinanzierung

Die Vorfinanzierung von Aufträgen kostet kleinen und mittelständischen Unternehmen häufig wertvolle Liquidität. Da der Auftrag zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gewinn schreibt, fehlen oft die monetären Mittel, um in Vorleistung gehen zu können. Finetrading ist eine Option, sich Kapital zu beschaffen. Die Finanzierungslösung eignet sich für alle Unternehmen, die ihre Vorlaufzeiten für ihre Aufträge bedarfsgerecht finanzieren möchten.

Beim Finetrading handelt es sich um ein Dreiecksgeschäft, wobei der Finetrader als eine Art Zwischenhändler fungiert: Das Unternehmen handelt mit seinem Lieferanten die Warenbestellung aus. Der Finetrader bestellt direkt beim Lieferanten. Der Lieferant sendet die Ware an das Unternehmen. Dieses bestätigt den ordnungsgemäßen Erhalt der Lieferung. Danach stellt der Lieferant die Rechnung an den Finetrader, der den Lieferanten unter Ausnutzung von Skonto bezahlt. Hierbei behält sich der Zwischenhändler eine kleine zusätzliche gebührenpflichtige Marge ein. Abschließend erhält das Unternehmen vom Finetrader ein Zahlungsziel bis zur erwarteten Warenauslieferung.

Finetrading verbessert sofort die Liquidität. Dies führt wiederum dazu, dass zusätzliche Projekte finanziert und realisiert werden können. Das Image beim Lieferanten wird durch die sofortige Begleichung der Rechnung verbessert und die Verhandlungsposition gestärkt. Dies kann zu besseren Preisen sowie Skonti bei Einkaufsverhandlungen verhelfen.

Auch Lieferanten selbst erzielen durch Finetrading Vorteile: Die Übernahme des Ausfallrisikos wird komplett durch den Einkaufsfinanzierer übernommen, wodurch der Zahlungseingang planbar ist und sofort erfolgt. Die Liquiditätsplanung wird vereinfacht und die Bilanz durch den Abbau von Forderungen verbessert. Bei all dem entstehen für die Lieferanten keine zusätzlichen Kosten. Bei einigen Finetrading-Anbietern ist das Finanzierungsvolumen jedoch begrenzt. Dies wird vor der Zusammenarbeit individuell vereinbart.

Leasing: bilanzneutral und liquiditätsschonend

Wenn Unternehmen in neue Maschinen oder Geschäftsfahrzeuge investieren wollen, kann Leasing eine alternative Finanzierungslösung sein. Dadurch werden die Kreditlinie bei der Hausbank sowie das Eigenkapital geschont. Beim Leasing wird Unternehmen ein großer Handlungsspielraum durch maßgeschneiderte Lösungen für mehr Liquidität geboten.

Die Anpassung der Leasingraten erfolgt individuell. Durch diese konstanten monatlichen Ausgaben können Unternehmer ihre Finanzen besser kalkulieren. Die Leasingrate stellt jedoch auch einen Fixkostenblock dar, der sich über die gesamte Vertragslaufzeit erstreckt. Die Ratenzahlungen können als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden und sind voll abzugsfähig.

Leasing führt zu einer Steuerminderung, da investitionsbezogene Steuern, beispielsweise die Gewerbesteuer, wegfallen. Jedoch bleibt der Leasinggeber juristischer Eigentümer des Leasingobjekts. Das hat allerdings den Vorteil, dass das Leasingobjekt nicht in der Bilanz des Leasingnehmers erscheint. Zudem besteht die Möglichkeit, das Leasingobjekt bereits während der Laufzeit des Leasingvertrages abzukaufen. Leasingraten sind in der Regel etwas höher im Vergleich zu den Raten beim fremdfinanzierten Kauf.

Inkasso: managen von Außenständen

Wenn unbezahlte Rechnungen auf die Liquidität drücken, bietet sich der Einsatz von Inkasso an. Die Liquiditätslösung setzt dann an, wenn der Schuldner über das vereinbarte Zahlungsziel hinaus die gestellte Rechnung nicht begleicht. Ein Inkassounternehmen erzielt durchschnittlich, je nach Forderungsgruppe, bereits im vorgerichtlichen Inkasso in über 50 Prozent aller Fälle Zahlungen. Die dadurch anfallenden Kosten werden nach § 286 BGB beim Schuldner geltend gemacht.

Bei Bedarf kümmert sich das Inkassounternehmen um die Titulierung der Forderungen (Mahn- und Vollstreckungsbescheid). Die Verjährung erfolgt erst in 30 Jahren. Ab der Realisierung bis hin zum Ablauf der Titulierung findet die Überwachung statt. Sollte der Schuldner insolvent sein, erfolgt die Anmeldung zum Verfahren.

Durch ein Inkassounternehmen erfolgt die Abwicklung schnell und unkompliziert. Der Schuldner erhält vom Inkassounternehmen sofort eine schriftliche Zahlungsaufforderung, parallel dazu erfolgt die telefonische Kontaktaufnahme. Oft wird darüber auch analysiert, welche Informationen aus den bereits vorhandenen Datensätzen eingeholt werden können. Weil das Inkassounternehmen als professioneller Vermittler auftritt, werden die Kundenbeziehungen geschützt.

Dazu im Management-Handbuch

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