Kommunikation von Mitarbeitern über Netzwerke

Mitarbeiter kommunizieren heute ganz automatisch über soziale Netzwerke. Das Aus auch für Unternehmensgeheimnisse, meint unser Experte in seinem Statement für ein neues Führungsdenken.

Jedes Management, jede Führung funktioniert vor allem durch Kommunikation. Doch heute und auch morgen reicht dafür eine etablierte inner- und außerbetriebliche Kommunikation nicht mehr aus. Der Grund: Die Kommunikation, die Führungskräfte bislang lernten, setzte stabile, definierte Gruppen, Abteilungen, Unternehmensstrukturen und Marktstrukturen voraus. Doch diese Organisationsbereiche sind gerade nicht mehr stabil, solche Voraussetzungen gibt es schlichtweg nicht mehr. Unternehmensprozesse vollziehen sich heute zunehmend im Zusammenspiel multinationaler und somit multikulturell vernetzter Personen und Gruppen. So wie diese miteinander kommunizieren, lösen sich die bisherigen Abgrenzungen auf. Die „Abteilung“ hat ausgedient!

Geschäftsgeheimnisse sind quasi obsolet geworden

Das Internet hat eine neue, weltweite Intelligenz und Managementkultur geschaffen. Führungskräfte, die über 50 Jahre alt sind, gehen aber noch mehrheitlich an einer effektiven Kommunikation im Internet vorbei. Sie surfen zwar auf Webseiten und kommunizieren via E-Mail, kennen und verstehen aber die Prozesse im Internet nicht. Stattdessen delegieren sie die Auseinandersetzung mit dem World Wide Web – und geben so ihre Macht de facto aus der Hand. Denn Macht besteht im Zugriff auf Kommunikation. 

Schon heute haben viele Mitarbeiter zumindest einen Account bei der Netzwerkplattform Xing. Im internationalen Bereich spielt hier eher LinkedIn eine Rolle. Dort kommunizieren sie auch mit Mitarbeitern von Wettbewerbsunternehmen, also mit dem gesamten Markt. Die Folge: Ein Unternehmensgeheimnis gibt es de facto nicht mehr! So finden sich zum Beispiel bei Xing zwei Berufstätige aus konkurrierenden Unternehmen und tauschen persönlich zu Geschäfts- oder Job-Fragen aus. Diese persönlichen Nachrichten können von anderen nicht eingesehen werden. Sollte die Vertiefung absolut geheim gehalten werden, kommunizieren sie anschließend über ihre private E-Mail oder per Telefon. Eine private, grenzenlose Geschäftsintelligenz hat sich ausgebreitet.

Die Konsequenz für Führungskräfte: Sie sollten zumindest über eine Mitgliedschaft bei einer Netzwerkplattform wie Xing verfügen, um sich wenigstens darüber informieren zu können, welche Mitarbeiter dort mit ihren Profilen wie auftreten. Von einem geplanten Jobwechsel ganz zu schweigen, bei dem Führungskräfte heute ohne die auf Xing enthaltenen Informationen nicht mehr auskommen. 

Intelligenz im Internet hat aber auch eine inhaltliche Komponente. Vorreiter sind hier Medien, aber auch auch politische Netzwerke, die offen und grenzenlos informieren und kommunizieren und alle interessierten Akteure einbeziehen. Hier wird de facto „Schwarmintelligenz“ betrieben, ein Begriff, der auf den florentinischen Politiker, Philosophen und Geschichtsschreiber Niccolò Machiavelli zurückgeht. Dieser hatte sich zu seiner Zeit mit einem ähnlichen Dilemma beschäftigt, nämlich mit dem der freien Bürgerbewegungen und der unbeweglichen aristokratischen Kaste.

Analog lässt sich dieses Dilemma auf die heutigen Unternehmenswelten übertragen: Manager möchten ihr gewohntes Machtgefüge erhalten, die Organisation, und damit die Mitarbeiter, bewegen sich aber im fließenden, offenen Kommunikationsnetz. Und die Unternehmen, zuallererst die Chefs, müssen lernen, damit umzugehen. Zwar gibt es Ausnahmeunternehmen, doch die Mehrheit praktiziert nach wie vor eine Kommunikation der geschlossenen Mitarbeitergruppen und wollen diese disziplinarisch und funktional abgrenzen. Ein Auslaufmodell!

Führung muss Mitarbeitern situative Freiräume lassen

Wenn heute – und auf alle Fälle auch morgen – Unternehmensführer ihre Organisation weiter bringen wollen, müssen sie praktisch auf die „Schwarmintelligenz“ ihrer Mitarbeiter setzen. Das heißt in erster Linie, diese Intelligenz im Unternehmen bewusst zu machen und zu trainieren. Es kann nur noch Grundprinzipien geben, welche von oben bekannt gemacht und durchgesetzt werden, jedoch keine Anordnungen für operative Prozesse mehr. Diese müssen vielmehr an allen Stellen des Unternehmens auf die aktuelle Situation ausgerichtet und auch international ständig angepasst werden. Das integrierte Budget als materielle Grundlage ist dabei zunächst fixiert. 

Verhaltensweisen und Entscheidungen von Teams müssen zwangsläufig kontinuierlich am internationalen Geschehen ausgerichtet werden. Materialien, Preise, Absatzbedingungen oder Know-how ändern sich kurzfristig, manchmal täglich, Details sind nicht mehr langfristig planbar. Komplexe, multinationale Prozesse lassen sich somit nicht mehr mit hierarchischen Vorstellungen steuern. Alle Teilnehmer brauchen vielmehr ein Gespür für die Prioritäten im Gesamtprozess, um in ihrem Verantwortungsbereich schnell handeln zu können. Wenn sich, mit anderen Worten, Schwarmintelligenz ausbreitet, ist dafür die Grundlage geschaffen – die Voraussetzung für Geschäftswachstum.

Der Vorstand oder Geschäftsführer ist in diesem Spiel der „Cheftrainer“. Er gibt die Grundorganisation und die erwarteten Fähigkeiten für sein Team vor, doch das situative Miteinander, also auch die situative Kommunikation, muss er seinen Spielern überlassen. Erfolgsanalyse und Zielrevision sind dann wieder Chefsache. Am Ende hängt der Erfolg von der Intelligenz aller in einem Unternehmen Tätigen ab.

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