KommunikationWer kommuniziert, der führt

Ein guter Führungsstil zeigt sich zu aller erst darin, dass sich Vorgesetzte und Mitarbeiter verstehen. Wer die richtigen Worte und Stilmittel findet, kann seine Mitarbeiter so führen, dass diese wissen, worum es geht, und dass sie motiviert ans Werk gehen. Dabei gilt es aber, einige Regeln zu beachten.

Die Mitarbeiter der Commerzbank waren über das unkommunikative Verhalten ihres Vorstands verärgert. Dieser hatte Anfang Januar 2004 bekannt gegeben, dass die Betriebsrente abgeschafft bzw. auf dem aktuellen Stand eingefroren werde. Viele Mitarbeiter hatten darüber erst aus der Zeitung erfahren.

„Wir haben in der Kommunikation nach innen und außen Fehler gemacht“, gestand der Vorstandsvorsitzende Klaus-Peter Müller gegenüber Bild ein.

Dass Führung sehr viel mit Kommunikation zu tun hat, ist schon lange bekannt. Ein Meister des kommunikativen Führungsstils war Jack Welch, ehemaliger Chef von General Electric. Wie er wissen viele Führungskräfte, dass eine Organisation erst durch Kommunikation entsteht. Kommunikation ist ganz entscheidend, wenn es beispielsweise darum geht,

  • Visionen ins Unternehmen zu tragen,
  • den Mitarbeitern Strategien zu vermitteln,
  • die Mitarbeiter zum zielgerichteten Handeln zu bewegen,
  • und kritische Entscheidungen zu erläutern.

Kommunikation ist ein Element der sozialen Natur des Menschen

Aus diesem Grund befassen sich Organisationspsychologen sehr eingehend mit der Kommunikation von Menschen innerhalb eines Unternehmens - unter Kollegen, im Team, von Führungskraft zu Untergebenem und umgekehrt. Grundlage für ihre Analysen sind Kommunikationsmodelle. Dort wird unterschieden in

- Wer sagt etwas? (Sprecher, Redner)

- Was wird gesagt?

- Wem wird etwas gesagt? (Zuhörer)

- Über welches Medium wird etwas gesagt?

- Mit welchem Effekt wird etwas gesagt?

- In welcher Situation wird etwas gesagt?

- Welche weiteren Metakommunikations-Elemente spielen eine Rolle?

Außerdem ist wichtig, die Sach- von der Beziehungsebene zu unterscheiden. Jede Aussage hat einen sachlichen Inhalt (Es ist ...), sagt aber auch etwas über die Position des Aussagenden aus (Ich bin ...), über seine Wünsche dem anderen gegenüber (Du sollst ...) und über die Beziehung, in der beide zueinander stehen (Wir sind ...).

Studie

Zahlreiche Studien aus den letzten Jahren schlüsseln die Entwicklung der Kommunikation im Unternehmen auf. Gerade Manager und Führungskräfte verbringen inzwischen 90 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Kommunikation. Sie arbeiten 9,4 Stunden täglich und verbringen allein 6,6 Stunden mit persönlichen Gesprächen. (Quelle: Jochen Oelert: Internes Kommunikationsmanagement, 2003)

Überzeugend kommunizieren

Ob und wie gut Kommunikation funktioniert, hängt von der "kommunikativen Intelligenz" der Person ab, die in einen Kommunikationsprozess eintritt – durch Worte, Blicke, Gesten, bestimmte Handlungen, etc. .

Wie kommt die Botschaft an? Wer im Unternehmen etwas sagt, möchte, dass die anderen ihm zuhören, dass sie ihn verstehen und dass sie so handeln, wie er es erwartet. Er muss überzeugend kommunizieren.

Udo Kreggenfeld ist Linguist und Kommunikationspsychologe und berät Manager in der Verbesserung ihrer Kommunikationstechniken. Er sagt in seinem Buch "Direkt im Dialog": "Das einfachste Sprachwerkzeug ist ein ganz schlichtes: die Behauptung." Sie ist dann ein starkes Kommunikationsmittel, wenn

  • sie in das Weltbild des Gesprächspartners passt,
  • wenn derjenige, der behauptet, in den Augen des Gesprächspartners ein Experte ist,
  • wenn sie oft genug wiederholt wird.

Das meinen auch Rolf-Michael Hahn und Nicolai Stickel mit ihrer "Sprache der Sieger": Wer richtig kommuniziert, "reduziert seine Kernaussage auf ein Minimum, formuliert sie einfach und verständlich und wiederholt sie drei- bis viermal. Danach wissen alle, was er sagen wollte."

Techniken der Kommunikation

Eine Vielzahl von Ratgebern listet solche und ähnliche Methoden und Techniken auf, mit deren Hilfe sich effektiv und effizient kommunizieren lässt. Wichtig ist zunächst, dass die richtigen Techniken verwendet werden. Dazu zählen auch Elemente wie:

  • Mimik
  • Gestik
  • Symbole der Visualisierung
  • Stimme
  • äußere Erscheinung

Mit der richtigen Atemtechnik lässt sich zum Beispiel die Stimme beeinflussen. Sie kann mal hektisch oder saft- und kraftlos wirken, bei richtiger Atmung drückt die Stimme Klarheit, Ruhe oder Stärke aus.

Man unterscheidet vier Atmungsarten, die Brustatmung, die Bauch- und Zwerchfellatmung, die Flankenatmung und die Tiefvollatmung als erstrebenswerte Kombination der drei.

(Quelle: Radtke, Stocker, Bellabarba: Kommunikationstechniken)

Für das richtige Sprechen ist die Bauch- und Zwerchfellatmung geeignet, da sie tiefes und volles Atmen fördert. Wer die Atemkunst richtig beherrscht, atmet langsamer und intensiver. Ein flacher Atem bedeutet auch eine flache Stimme

Hinweis

Vor Beginn einer Rede ist es wichtig, nicht ein-, sondern auszuatmen. Wer einatmet hat noch zuviel Luft in der Lunge und nicht genügend Platz für neue Luft. Die Stimme wirkt dann gepresst und ängstlich.

Die Mittel der Kommunikation

Oft zeigt sich dabei, dass es bei der Kommunikation gar nicht auf den konkreten Inhalt der Argumente oder die Stichhaltigkeit von Gründen ankommt. Was meistens wirkt, sind Stilmittel wie folgende:

  • Gründe explizit mit den Begriffen "weil ..." oder "aus diesem Grund ..." einleiten.
  • Das Wort "aber ..." vermeiden; statt dessen verwenden: "Gerade deshalb ..."
  • Bekannte Beispiele heranziehen.
  • Vergleiche machen.
  • Argumente liefern, die dem Zuhörer Vorteile versprechen.
  • An die Erfahrungen der Zuhörer anknüpfen.
  • Emotionen und eigene Erfahrungen einbringen.

Ob dies auf der Sachebene in jedem Fall stimmt, ist meistens zweitrangig. "Je strahlender das Ziel, desto unwichtiger die Argumente", schreibt Udo Kreggenfeld in seinem Buch. Das bedeutet, wenn der Sprecher klar erklärt, worum es geht, welche Ziele er verfolgt und wenn diese Ziele von den Zuhörern akzeptiert sind, dann werden diese schon allein dadurch überzeugt.

Wenn der Sprecher die Motive und Interessen des Zuhörers aufgreift, erlangt er seine Aufmerksamkeit. Der Zuhörer erkennt, dass der Sprecher ihn als Menschen ernst nimmt und auf ihn eingeht. Und wer seine Aussagen mit seiner eigenen Persönlichkeit verbindet, gewinnt zusätzlich an Glaubwürdigkeit.

Beispiel: Streichung des Weihnachtsgeldes

Der Chef, der seine Mitarbeiter davon überzeugen muss, dass sie dieses Jahr auf ihr Weihnachtsgeld verzichten müssen, sollte sich auf diese "Kommunikation" gut vorbereiten. Er sollte zum Beispiel

- vom gemeinsamen Ziel sprechen, Arbeitsplätze zu sichern ...,

- deutlich machen, dass er weiß, dass die Mitarbeiter das Geld schon eingeplant hatten und er gerade deshalb schon frühzeitig darüber informiert ...,

- persönliche Betroffenheit zeigen: Auch die Geschäftsleitung reduziert ...,

- mit einem bekannten Unternehmen vergleichen, das die Wende geschafft hat ...

(Welche Mittel der Kommunikation halten Sie für überzeugend? Welche beeindrucken Sie selbst?)

Wo bleibt der Inhalt?

Judith Mair, Kommunikationsberaterin, beklagt das Zuviel an Rhetorik in der modernen Arbeitswelt. Die Sprache werde flexibel statt eindeutig, modern statt gewöhnlich, euphorisch statt bescheiden, menschelnd statt sachlich und plakativ statt differenziert. Wichtig seien aber Eindeutigkeit, Verbindlichkeit, Klarheit und Festlegung. Auch das Sachliche und schwer verdauliche muss seinen Platz haben.

Auf die Situation kommt es an

Wie wichtig die Inhalte sind, ob rhetorische Stilmittel wirken oder ob schon ganz grundlegende Techniken der Kommunikation überzeugen - das zeigt sich immer in der jeweiligen Kommunikationssituation. Hält der Chef eine Rede, will man in einer Besprechung eine bestimmte Entscheidung erreichen, führt man als Vorgesetzter ein Mitarbeitergespräch unter vier Augen, präsentiert man das Ergebnis seines Projektteams?

Immer wieder werden es andere Elemente sein, die darüber bestimmen, wie erfolgreich man kommuniziert und ob man durch seine Kommunikation führt. Um im Gegenteil so richtig missverstanden zu werden, braucht der erfolglose Manager nur vier Regeln zu befolgen.

Vier Regeln für einen Manager den keiner versteht

  1. Formulieren Sie möglichst vieldeutige Anweisungen. Beispiel: „Ich will Innovationen sehen, nehmen sie ruhig Risiken auf sich - aber seien sie vorsichtig!“
    Das ist als wenn Sie sagen „Machen Sie's so, aber gehen sie nicht zu weit.“, ohne „zu weit“ zu definieren. Niemand kann vorhersehen, wann er „zu weit gegangen sein wird“. So schützen Sie sich selbst vor allen Risiken. Sie stehen auf der sicheren Seite falls etwas schief geht „Ich hab's doch gesagt: Gehen sie nicht zu weit.“
  2. Ignorieren Sie alle Widersprüche Ihrer Aussagen. Wenn Sie spontan oder in Eile „drauf los plappern“, können Sie dadurch vermeiden sich in Diskussionen zu verheddern, die Ihre Autorität untergraben. Jedes Eingeständnis eines Widerspruchs oder gar Fehlers wäre nur ein Zeichen von Schwäche.
  3. Beharren Sie auf Ihrem Standpunkt. Machen Sie deutlich, dass mit Ihnen nie und nimmer zu diskutieren ist. Sie haben immer recht, egal wie vieldeutig oder widersprüchlich Ihre Aussagen waren! Ein Entscheider ist nicht dazu da Befehle zu erteilen und sich anschließend nach der Meinung seiner Angestellten zu diesen zu erkundigen.
  4. Vermeiden Sie Diskussionen im voraus. Das erreichen Sie am besten indem Sie Ihre Anweisungen zum Beispiel nur in großen, heterogenen Meetings präsentieren. Am besten laden Sie Außenstehende und Angestellte anderer Firmen ein. Niemand wird mit Ihnen innerhalb der Runde einen Streit vom Zaun brechen oder ansprechen, wie schwierig es doch sei in einer so großen, gemischten Runde einen vernünftigen Diskussionsstil zu finden.
    Am Ende des Meetings flüchten Sie.

Falls Sie nach einem erfolgsversprechenden Kommunikationsstil für Ihre Führung suchen, missachten Sie die Regeln konsequent.

Udo Kreggenfeld beschreibt in seinem Buch "Direkt im Dialog" folgende Kommunikationsmuster, die helfen, wenn es darum geht, andere zu überzeugen:

  • Wenn - Dann
  • Problem - Ursache - Lösung
  • Ziel - Ist-Zustand - Weg zum Ziel
  • Viererkette: These - Begründung - Beispiel - Folge
  • Einerseits - Andererseits

Bücher:

Rolf-Michael Hahn und Nicolai Stickel: Sprache der Sieger

Udo Kreggenfeld: Direkt im Dialog

Philipp Radtke, Sabine Stocker, Alexander Bellabarba: Kommunikationstechniken

Judit Mair: Schluss mit lustig

Jochen Oelert: Internes Kommunikationsmanagement

Dazu im Management-Handbuch

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