KomplexE-Learning will gelernt sein

Ständig neue Richtlinien und Verordnungen, Anfragen von immer besser informierten Bürgern, komplexe neue Softwareprogramme – Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst sind heute mit stets neuen Herausforderungen konfrontiert. Das angeeignete Wissen veraltet oft in Jahresfrist. Kommt dann von oben pauschal die Aufforderung, sich selbständig via E-Learning weiterzubilden, geht so mancher Mitarbeiter erst mal in Abwehrhaltung. Damit moderne Technologien und Lernprogramme nicht ungenutzt auf dem Server verstauben, sondern tatsächlich helfen, Prozesse zu verbessern, sind einige Regeln zu beachten.

Gastbeitrag von Bernhard Karrasch, Halblech *

E-Learning braucht Strategie

Jeder Mitarbeiter und jede Abteilung hat ein anderes Weiterbildungsbedürfnis. Weiterbildung nach dem Gießkannenprinzip ist daher wenig effektiv. Aus diesem Grund sollte zu Beginn einer jeden Maßnahme ausreichend Zeit für eine Analyse eingeräumt werden. Die Hauptfragen lauten zunächst: welche Prozesse sollen optimiert werden und welches Wissen wird hierfür benötigt sowie welche individuellen Stärken sollen weiter intensiviert und welche Defizite ausgeglichen werden. Es empfiehlt sich, auch in dieser frühen Phase schon die Mitarbeiter einzubeziehen. Sie wissen häufig sehr genau, wo Reibungsverluste entstehen und in welchen Themenbereichen sie weiteres Wissen benötigen. Spezielle Software-Profilingsysteme können hier nützliche Hilfestellung leisten. Ein externer Partner hilft, zusätzlich eine neutrale Außensicht zu erhalten.

Es muss nicht immer E-Learning sein

Ist der Bedarf ermittelt, steht die Entscheidung an, wie künftig gelernt wird. Es stellt sich die Frage, welche Inhalte lassen sich sinnvoll über E-Learning-Module vermitteln und was soll nach wie vor in Präsenztrainings gelernt werden. Die „Halbwertzeit“ von Wissen unterscheidet sich von einer Organisation zur nächsten, grundsätzlich gilt jedoch: Müssen viele Mitarbeiter überregional und schnell auf einen Wissenstand gebracht werden - wie zum Beispiel im Rahmen der Einführung der Hartz IV-Verordnungen – ist E-Learning eine sehr effiziente Methode. Spätere Modifikationen an den gesetzlichen Vorschriften können sich Mitarbeiter in kleinen „Happen“ mit E-Learning-Modulen „just-in-Time“ und direkt im Arbeitsprozess aneignen. Eine Präsenzschulung aller Mitarbeiter ist häufig mit einem sehr hohen Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Mitarbeiter, die aus irgendwelchen Gründen am Präsenz-Schulungstermin nicht teilnehmen können, haben dann große Probleme, die Inhalte eigenständig zu erarbeiten.

Der Mix macht`s

Als Anbieter von Gesamtkonzepten und -lösungen haben wir bei e/t/s didactic media die besten Erfahrungen mit dem Methodenmix in Blended Learning gemacht: Der Mitarbeiter eignet sich zum Beispiel das Grundwissen via E-Learning an. Der Transfer in die Praxis und die Vertiefung des Wissens findet dann mit Hilfe individuell gestalteter Praxis-Workshops statt. Ergänzend erhält der Mitarbeiter die Workshop-Ergebnisse sowie zusätzliche Dokumentationen oder auch die Basisbausteine zur Wiederholung online bereitgestellt. So kann er im laufenden Arbeitsprozess immer wieder darauf zugreifen und entsprechend seiner persönlichen Lerngeschwindigkeit Themen wiederholen oder auch neu erarbeiten.

Pilotprojekte in einzelnen Abteilungen zeigen den Projektverantwortlichen schnell, wenn in der Konzeption Denkfehler enthalten sind. Diese können dann vor der breiten Einführung ohne größeren Aufwand nachgebessert werden. Die im Pilotprojekt evaluierten Verbesserungen, wie zum Beispiel Zeitersparnis oder eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit, sind dann bei der Gesamteinführung überzeugender als jedes abstrakte Argument.

Dem Lernenden muss es schmecken

Die eingangs beschriebene Abwehrhaltung bei den Mitarbeitern ließ in der Vergangenheit schon das eine oder andere ehrgeizige Projekt scheitern. Dabei handelte es sich oft um ein schlichtes Kommunikationsproblem: Was von den Vorgesetzten – neben den Kosteneinsparungen – als eine Unterstützung für den Mitarbeiter gedacht war, wird von diesem erst einmal als ein Mehraufwand im Arbeitsalltag interpretiert. Um so wichtiger ist es, Mitarbeiter nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, sondern sie frühzeitig in das Projekt mit einzubeziehen. So können Vorurteile und irrationale Ängste schon im Vorfeld abgebaut werden.

Schnelle Erfolge, die auch die Mitarbeiter als solche empfinden, sind der beste Garant für die Akzeptanz einer Weiterbildung. Die so genannten „Lern-Arrangements“ sollten sich deshalb durch hohen Praxisbezug auszeichnen und die Mitarbeiter dort abholen, wo sie stehen. Dies ist gerade durch die Möglichkeit einer hohen Individualisierung, die E-Learning- und Blended-Learning-Konzepte bieten, eigentlich gar nicht so schwierig. Passt dann noch die Motivation, die vor allem auch durch eine kompetente virtuelle Betreuung und die Bildung sogenannter virtueller Lerngruppen aufrecht erhalten bleibt, können solche moderne Lernkonzepte ein großer Erfolg werden.

Natürlich erfordert eine Weiterbildung in Blended Learning eine gewisse Selbständigkeit. Doch darf man bei der Planung und Organisation der Konzepte „Selbständigkeit“ und „alleine lassen“ nicht verwechseln: Der Lernende darf sich zu keinem Zeitpunkt allein gelassen fühlen und sollte bei Fragen schnell Unterstützung bekommen. Personalentwickler und Dozenten, die die Betreuung solch virtueller Qualifizierungsszenarien übernehmen, sollten vorher möglichst selbst eine entsprechende Weiterbildung zum TeleCoach oder TeleTutor absolviert haben – nach dem Motto „Online lernen wie man andere online schult“. So können sie in der Teilnehmerbetreuung auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen.

Flexible Technologie

Blended Learning ist nicht allein ein Thema der Personal- sondern auch der IT-Abteilung. Daher ist es wichtig, dass möglichst beide Abteilungen von Beginn des Projektes an eng zusammenarbeiten. Die verwendete Technologie sollte auf jeden Fall einfach bedienbar sein und sich problemlos in bestehende IT-Landschaften wie zum Beispiel Intranets einfügen. Ein modularer Aufbau der gewählten Technologie garantiert, dass die Lösung bei Bedarf nachträglich weiter ausgebaut werden kann. Für Organisationen, deren personelle oder monetäre Ressourcen begrenzt sind, lohnt es sich, die Lernplattform im ASP-Verfahren zu „mieten“ oder zusammen mit anderen Standorten zu nutzen.

Bestimmte Lerninhalte, so zum Beispiel Verordnungen, veralten sehr schnell. Aus diesem Grund hat e/t/s didactic media Werkzeuge entwickelt, mit denen Inhalte schnell und einfach verändert oder angepasst werden können. Ein großer Vorteil, wenn man bedenkt, wie kostenintensiv einzelne Lernprogramme in der Vergangenheit waren und wie schnell sie dann veralteten.

Die Welt muss nicht immer neu erfunden werden. Gerade in der Öffentlichen Verwaltung bietet es sich an, sich Standort übergreifend zu Netzwerken zusammenzuschließen. Technologien können so kostengünstig zentral organisiert und Inhalte gemeinsam genutzt werden. Die schnelle Anpassung an rechtliche, politische und gesellschaftliche Veränderungen durch Blended Learning ist ein wichtiger Schritt in Richtung der vielerorts geforderten kunden- und serviceorientierten Verwaltung.

Praxisbeispiel: Blended Learning an Fach- und Berufsschulen in Nordrhein-Westfalen

Computeranimierte Lektionen, virtuelle Konferenzen und ein persönliches Portal für jeden Schüler – so könnte die Realität für die Schüler von Fachschulen und Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen bald aussehen. Seit Herbst 2004 sehen die Lehrpläne der Fachschulen in Nordrhein-Westfalen für jeden Schüler Selbstlern-Phasen vor. Eine sinnvolle Initiative, die e/t/s didactic media unterstützen möchte. Gegen eine symbolische Gebühr stellt das Unternehmen modernste Technik, maßgeschneiderte Lerninhalte und technischen Support bereit.

Entscheidet sich eine Fachschule oder ein Berufskolleg für die Kooperation, erhält sie von dem Anbieter für Blended Learning Gesamtlösungen eine variabel einsetzbare Mediendatenbank und das Lernmanagement-System DLS DistanceLearningSystem® für die Organisation und Kommunikation. Lehrer können so individuell und lernfeldbezogen die virtuellen Unterrichtsstunden bestücken und ihren Schülern bereitstellen. Die Datenbank wird kontinuierlich ausgebaut und umfasst derzeit rund 1.500 Unterrichtsstunden. Damit die Lehrer für den Online-Unterricht gerüstet sind und zudem neue Lerninhalte adäquat entwickeln können, ist Voraussetzung, dass sich mindestens zwei Lehrer pro Schule zum TTE TeleTeacher® ausbilden lassen. Die Lehrer können diese Weiterbildung berufsbegleitend in Angriff nehmen. Für die Qualifizierung der Lehrer stehen das Studienseminar Hagen und das Berufskolleg Ennepetal Pate.

Entschied sich in der Vergangenheit zum Beispiel ein Bankkaufmann für eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt, so sah sein Alltag an der Fachschule bislang zwei Möglichkeiten vor: entweder den traditionellen Vollzeitunterricht, verbunden mit einem mehrmonatigen Fernbleiben vom Arbeitsplatz oder aber die persönlich ziemlich entbehrungsreiche Variante eines berufbegleitenden Studiums mit kurzem Feierabend und Wochenende. Nach dem neuen Lehrplan kann er nun einen Teil seiner Unterrichtsstunden in Eigenregie planen – wann und wo er lernt, liegt ganz bei ihm. Ruft er zum Beispiel die Lerneinheit „Unternehmensgründung“ auf und fällt es ihm leicht, so kann er zügig zur nächsten Lerneinheit übergehen. Hat er noch keine Vorkenntnisse auf diesem Gebiet, kann er langsamer vorgehen und in aller Ruhe die Grundlagen erarbeiten.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit Hilfe der Online-Module können die Teilnehmer ganz individuell, unter starker Berücksichtigung persönlicher und zeitlicher Interessen, lernen, ohne dabei den Lehrplan aus den Augen zu verlieren. Doch auch der Austausch kommt nicht zu kurz: die Schüler können sich zu virtuellen Konferenzen zusammenschalten, um zum Beispiel ihre Ergebnisse abzugleichen oder sich anderweitig auszutauschen. Die TTE TeleTeacher® stehen online zur Betreuung bereit.

An dem Projekt beteiligen sich mittlerweile bereits 10 Schulen in Nordrhein-Westfalen.

Praxisbeispiel „Lernwerkstatt Niedersachsen“

Das von Kultusministerium, N-Bank und Handwerkskammern getragene landesweite Blended-Learning-Portal in Niedersachsen ging Anfang Dezember 2004 in den Probebetrieb. Ziel des Projektes „Lernwerkstatt Niedersachsen (www.die-lernwerkstatt.de)“ ist es, allen Bürgern moderne Qualifizierung zu ermöglichen.

Das Projekt wird aus dem Europäischen Sozialfond (ESF) und Mitteln der Multimedia Initiative Niedersachsen gefördert. Es soll unter anderem das Thema E-Learning in kleinen und mittelständischen Unternehmen weiter fördern und Blended Learning Angebote bekannt machen. Interessierte Unternehmen aber auch Privatpersonen, die sich weiterbilden wollen, können über das Portal entweder gleich Online-Seminare buchen oder sich in der nächstgelegenen „Lernwerkstatt“ einen Platz buchen.

Die „Lernwerkstätten“ sind insbesondere in den Bildungszentren des Handwerks, aber auch in Volkshochschulen, Berufsschulen und sonstigen öffentlichen Institutionen angesiedelt, die über eine entsprechende technische Ausstattung verfügen. Das Angebot umfasst bereits über 300 Kurse die entweder von zu Hause, vom Arbeitsplatz oder in einer der Lernwerkstätten genutzt werden können. Der Lernende ist nicht allein. Damit die Qualifizierung erfolgreich ist, steht für die Angebote jeweils auch ein dazu passendes Betreuungskonzept zur Verfügung.

Im Auftrag der N-Bank und des niedersächsischen Kultusministeriums realisierte e/t/s didactic media das Projekt. Das Portal basiert auf Modulen des Bildungsmanagement-Systems IEM IntegratedEducationManagement®, mit denen zum Beispiel die Angebotskonzeption, die Bereitstellung von Lernplätzen oder die Anbindung weiterer Partner einfach realisiert wird. Das Lernmanagement-System DLS DistancLearning System® dient dann zur konkreten Durchführung der Online- und Blended Learning-Lehrgänge.

Bernhard Karasch ist Geschäftsführer der e/t/s/ didactic media.

Kontakt:
e/t/s Didaktische Medien GmbH
Kirchstr. 3
87642 Halblech

Telefon: +49 (0)8368/9104-0
Telefax: +49 (0)8368/910410

E-Mail: info@ets-online.de
Internet: www.ets-online.de

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