Kreativ werdenWie Sie mit der Raumgestaltung die Kreativität fördern

Die meisten von uns verbringen den größten Teil des Tages am Arbeitsplatz. Unternehmen sollten versuchen, ihren Mitarbeitern durch eine angenehme Atmosphäre die Arbeit zu erleichtern. Denn: Eine individuell und angenehm gestaltete Arbeitsumgebung fördert nicht nur die Motivation und die Leistungsbereitschaft, sie führt auch zu neuen Ideen und mehr Kreativität.

Nicht nur von den Fachleuten im Marketing und in den Produktabteilungen werden kreative Kompetenzen erwartet. Auch in zahlreichen anderen Bereichen müssen Mitarbeiter neue, frische und ungewohnte Lösungen entwickeln. Kreative Lösungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie entweder neue Handlungsoptionen oder ein neuartiges und gewünschtes (Produkt-) Ergebnis in Gegenwart oder Zukunft ermöglichen.

Alle Menschen verfügen über ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Maß an Kreativität. Doch immer wieder kommt es vor, dass man vorübergehend in seinem Ideenfluss eingeschränkt und gehemmt ist. Dann gilt es konsequent Mittel und Wege zu finden, um sich von der Blockade zu befreien. Ein erster Schritt dazu ist, die Arbeitsumgebung so zu gestalten, dass Sie wieder in einen guten Kontakt mit Ihrer eigenen Kreativität kommen.

Kreativität ist ein spontan-emotionaler Prozess. Diesen können Sie weder herbeizaubern noch erzwingen, aber Sie können die Rahmenbedingungen verbessern, sodass das Spontane und Kreative sich leichter entfalten kann.

Unordnung hemmt Kreativität

Sollten Sie, wie die meisten kreativen Menschen, Probleme damit haben, Ihr Arbeitszimmer oder Büro ordentlich zu halten, müssen Sie wissen, dass unordentliches Chaos die Kreativität nicht gerade fördert. Die Gedanken können nicht frei fließen, weil die Unordnung sie daran hindert. Sie sehen das Chaos und denken stets daran: Ich muss unbedingt aufräumen, sonst finde ich hier gar nichts mehr.

Doch Ordnung ist nicht gleich Ordnung. Wenn die Ordnung überhand nimmt und zum Ordnungsfimmel mutiert, ist dies auch nicht hilfreich. Diese monotone Ordnung lähmt und erdrückt. Wohingegen die kreative Ordnung stärkt und belebt. Diese zwei Arten der Ordnung sind zu differenzieren:

  • Monotone Ordnung: geschlossen, kontrollierend, starr, steril, rigide
  • Kreative Ordnung: spielerisch, offen, es gibt Regeln mit Spielräumen, setzt Kreativität frei

Eine Plattenbausiedlung ist ein typisches Beispiel für eine monotone Ordnung. Das Gegenteil ist eine Gartenstadt: durchgrünte Freiräume mit individuellen Haus- und Wohnformen. Trotz eines geordneten Straßennetzes bleibt hier viel Spielraum für Mensch und Natur. Dies ist eine offene und kreative Ordnung.

Der erste Schritt zu mehr Kreativität heißt also: Schaffen Sie Ordnung! Nach dem Entrümpeln, Sortieren und Ordnen werden die kreativen Ideen von ganz alleine sprudeln. Voraussetzung ist: Ihre Ordnung ist kreativ und nicht monoton.

Farben wirken kreativitätsfördernd

Das Forscherteam Ravi Mehta und Juliet Zhu von der University of British Columbia in Vancouver berichten in der Online Ausgabe von Science, dass die Farbe Blau im Gegensatz zu Rot die Kreativität anregt und so neue Lösungsstrategien fördert.

Die Forscher konnten bei Experimenten mit eingefärbten Bildschirmhintergründen nachweisen, dass die Farbe Blau die explorative Motivation erhöht, was sich wiederum positiv auf die Kreativität auswirkt. Ihren Untersuchungen zufolge regt Rot nicht einfach nur an, sondern fördert die Vorsicht und steigert die Aufnahmefähigkeit für Details. Die Forscher führen die Wirkung von Rot unter anderem darauf zurück, dass die Farbe überwiegend für Warnhinweise genutzt wird und die Signalwirkung für Gefahr bekommen hat. Blau hingegen wird mit ruhigen und friedlichen Erscheinungen wie dem Meer oder dem Himmel assoziiert.

Sie können verschiedene Farben in Ihrem Arbeitszimmer einsetzen. Die Wände, Karten, Hintergründe oder Bilder wirken je nach Farbwahl inspirierend oder nicht. In der traditionellen Farbsymbolik werden Farben bestimmten Gefühlen und Stimmungen zugeordnet. Im westeuropäischen und nordamerikanischen Raum sind die Farben mit folgenden Assoziationen belegt:

Gelb: Reife, Wärme, Optimismus, Vorwärtsstreben, Heiterkeit, Freundlichkeit, Veränderung, extrovertiert

Orange: Freude, Lebhaftigkeit, Spaß, Lebensbejahung, Ausgelassenheit, fanatisch, aktiv

Rot: Aktivität, Dynamik, Gefahr, Temperament, Zorn, Wärme, Leidenschaft, Eroberungswille, Tatendrang, exzentrisch,

Blau: Harmonie, Zufriedenheit, Ruhe, Passivität, Unendlichkeit, Sauberkeit, Hoffnung

Grün: Durchsetzungsvermögen, Frische, Beharrlichkeit, Entspannung, Ruhe, lebensfroh, naturverbunden

Violett: Selbstbezogenheit, Eitelkeit, Einsamkeit, Genügsamkeit, introvertiert, statisch

Braun: Sinnlichkeit, Sauberkeit, Ordnung, Leichtigkeit, Vollkommenheit, illusionär

Schwarz: Negation, Auflehnung, Undurchdringlichkeit, Trauer, Einengung, Abgeschlossenheit, Funktionalität, pessimistisch, hoffnungslos, schwer

Grau: Neutralität, Trostlosigkeit, Nüchternheit, Elend, Nachdenklichkeit, Sachlichkeit, Funktionalität, Schlichtheit, unbeteiligt

Wer am Arbeitsplatz sitzt und kreativ sein muss, lässt öfter mal die Blicke durch das Büro oder aus dem Fenster wandern. Hängen an den Wänden nur Kalender und langweilige Poster oder graue Bilder, lässt die Kreativität nach. Dies behaupten zumindest Arbeits- und Sozialpsychologen. Je kreativer die Wandgestaltung ausfällt, umso innovativer wird die Arbeit. Uniform oder eintönig gestaltete Bilder sind weniger kreativitätsfördernd als Motive, die Unterbrechungen beinhalten, berichten Studien der Universität Würzburg. Sozialpsychologin Lioba Werth erklärt gegenüber RP Online:

"Wenn ein Bild zum Beispiel ein gleichförmiges Motiv mit einer kleinen Abweichung enthält, werden auch beim Betrachter eher Denkmuster aufgebrochen."

Auch auf die Gestaltung der Flure sollten die Unternehmen Wert legen, empfehlen Experten. Allerdings müsse der individuelle Geschmack der Mitarbeiter stets berücksichtigt werden. Was den Büromitarbeiter ablenkt oder positiv beeinflusst, könne jeder für sich herausfinden.

Mit Feng Shui den Energiefluss optimieren

Eine weitere Methode, um Kreativität am Arbeitsplatz zu fördern, ist die östliche Lehre des Feng Shui. Denn sie sorgt für Harmonie, was wiederum zu einem freien Geist und kreativen Leistungen führt. Ob man es nun Feng Shui nennt oder nicht, entscheidend ist das Ergebnis: Aufgeräumte, helle Räume, in denen man sich wohlfühlt, fördern die Kreativität.

Laut Feng Shui Experten werden auch Gebäude und Räumlichkeiten genauso wie Lebewesen vom Chi umgeben und beeinflusst. Mit Hilfe von Feng Shui lassen sich Arbeitsplätze so gestalten, dass der Energiefluss des Chi nicht gestört oder unterbrochen wird. Der Mensch kann dadurch seine maximale Leistungskapazität ausschöpfen.

Bei fehlender Kreativität sollten Sie versuchen, Ihren Arbeitsbereich positiver zu gestalten. Bereits mit einfachen Hilfsmitteln kann ein vormals unglücklich gestalteter Raum zu einer Arbeitsoase werden, an der Sie sich einfach wohlfühlen und das Chi vermehrt fließen kann.

Auch wenn es ein wenig esoterisch klingt, die Umsetzung ist pragmatisch und denkbar einfach. Hier ein paar Tricks für ein wenig mehr Harmonie am Arbeitsplatz:

  • Wasser: Wasser stellt eine unerschöpfliche Quelle für das Chi dar. Es dient damit in Arbeitsbereichen als Energiespender. Besonders empfehlenswert sind Wasserobjekte im Büro, die der Größe des Raumes angepasst sind, beispielsweise ein Zimmerbrunnen oder ein Aquarium. Das Plätschern des Wassers wirkt beruhigend und somit Stress vorbeugend. Weiterer Vorteil: Es schluckt störende Hintergrundgeräusche.
  • Licht: Licht ist für den menschlichen Organismus sehr wichtig. Wird ein Raum zu wenig beleuchtet, sind Müdigkeit und Demotivation die Folge. Dennoch darf Licht nicht blenden oder sich zum Beispiel am Computerbildschirm spiegeln. Nach der Lehre des Feng Shui trägt es zusätzlich zu einer Energetisierung des Raumes bei, wenn auch die Raumecken beleuchtet werden. Am wichtigsten ist aber das Tageslicht. Ist dieses nicht genügend vorhanden, sollten Sie mit künstlicher Beleuchtung, Spiegeln und Farben das Defizit an Licht ausgleichen.
  • Farben: Eine neue Wandfarbe, farbige Vorhänge und bunte Accessoires bringen schnell und effektiv mehr Leben in Ihre Arbeitsumgebung. Mit wenigen Handgriffen sieht ein Raum gleich wesentlich freundlicher aus und schafft auch nach Auffassung des Feng Shui eine energiereiche Umgebung. Trotzdem sollten Sie nicht vergessen, dass ein Gleichgewicht zwischen Yin (blau, violett, grün) und Yang (orange, gelb oder rot) eingehalten werden sollte. Alles in Rot zu halten, ist daher genauso ungünstig wie einheitliche mausgraue Räumlichkeiten. Ein Übermaß an stimulierender Farbe kann zu Hektik, Nervosität und Konzentrationsschwäche führen.
  • Spiegel: Spiegel wirken in engen Räumen öffnend und vermitteln optisch das Gefühl von Weite. Spiegel reflektieren Licht in dunkle Räume oder Raumecken. Sie wirken beruhigend und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Spiegel verleihen Menschen, die mit ihrem Rücken zur Tür oder zum Raum sitzen, ein Sicherheitsgefühl, da sie nun mithilfe des Spiegels den Raum beziehungsweise die Tür trotzdem im Blick haben. Ungünstig sind allerdings geteilte Spiegel oder Spiegelfliesen.
  • Klang und Musik: In einem Büro sollten alle störenden Umweltgeräusche so gut wie möglich ausgeschaltet werden. Laute Radiomusik beim Arbeiten ist dabei ebenso ungünstig wie Straßenlärm oder übermäßig laute Arbeitsgeräte. Dabei helfen Schallschutzfenster, schallschluckende Teppiche, Wand- und Deckenverkleidungen. Geräusche von Zimmerbrunnen, spezielle Feng Shui Musik sowie Klangspiele sind hingegen gut geeignet, um den Energiefluss in einem Raum zu bündeln.
  • Pflanzen: In begrünten Räumen fließt mehr Energie als in pflanzenlosen Räumlichkeiten. Allerdings gilt dies nur für gepflegte Pflanzen, die weder ausgetrocknet noch kahl sind. Schaffen Sie im Büro ausreichend Platz für die Pflanzen. Am besten ist es, wenn sie vom jeweiligen Pflanzenbesitzer selbst gepflegt werden. Pflanzen dienen außerdem der Reinigung der Raumluft und helfen die Luftfeuchtigkeit zu regulieren.
  • Bilder und Kunst: Bilder sind auch im Feng Shui bestens dafür geeignet, um in einen Raum Farbe und Lebendigkeit zu bringen. Allerdings sollten Sie bei Bildern und Raumdekoration keine aggressiven Motive auswählen, da diese das Arbeitsklima eindeutig negativ beeinflussen können. Jedes Bild strahlt eine eigene Energie aus, die sowohl positiv als auch negativ sein kann. Am besten Sie verlassen sich bei der Auswahl auf Ihre innere Stimme und das Bauchgefühl.

Anstatt Kreativsitzung lieber „Kreativstehung“

Wenn Sie im Team kreativ sind und an einer Kreativsitzung teilnehmen, sollten Sie diese im Stehen abhalten. Denn die Teilnehmer bleiben dann in Bewegung und können leichter in den Prozess einsteigen oder aussteigen.

Diese Stehrunden können auch flexibler an verschiedene Gruppengrößen angepasst werden, zum Beispiel wenn Sie innerhalb einer Großgruppe eine Arbeitsphase in kleinen Gruppen durchführen. Zudem verkürzt das Stehen häufig die Erarbeitungszeit und statt einer gemütlichen "Kaffeerunde" entsteht eine effektive Arbeitsatmosphäre.

Ein Ortswechsel tut gut

Ein und derselbe Raum für mehrere Stunden kann kreativitätsermüdend wirken. Wenn Sie eine Denkblockade haben, hilft es, den Ort zu wechseln. Setzen Sie sich ein paar Minuten ins Büro Ihres Kollegen oder holen Sie sich einen Kaffee in der Kantine oder beim Bäcker nebenan. So werden die Gedanken kurz unterbrochen und nehmen für kurze Zeit eine andere Umgebung wahr. Das lenkt ab und macht den Kopf wieder frei.

Raucher haben oft die Möglichkeit vor die Tür zu gehen, um sich eine Zigarette zu genehmigen. Doch was sollen Nichtraucher in der Zeit machen? Siemens hat eine Lösung gefunden.

Beispiel „Apfelecke“

Bei SIEMENS Information and Communication Mobile gibt es speziell für die Mitarbeiter eingerichtete Apfelecken. In diesen können sich die kreativen Köpfe zwanglos beim Apfelessen austauschen und neue Ideen sammeln. Auf diese Weise erhalten auch Nichtraucher eine Möglichkeit zur kurzen Pause und zum kreativen Austausch mit Kollegen.

Unternehmen haben aber auch die Möglichkeit, Kreativräume einzurichten, in denen Arbeitsmaterialien (Flipchart, Pinnwände etc.), eine anregende Farbgestaltung und ausreichend Mineralwasser und Obst vorhanden sind. Die Raumtemperatur sollte circa 20°C betragen, denn höhere Werte senken nachweislich die Konzentrationsfähigkeit.

Wenn Sie all diese Tipps beherzigen, werden Sie nach einiger Zeit merken, dass sich Ihre Kreativität besser entfaltet. Und sollten Sie dennoch Kreativitätsblockaden haben, gestalten Sie Ihr Büro einfach um. Zeigen Sie Kreativität bei der Raumgestaltung, dann werden neue Ideen nur so fließen!

Dazu im Management-Handbuch

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