Lebensmittel-DiscounterAldi, Lidl & Co. sehen Ende ihres Wachstums entgegen

Immer mehr Verbraucher zieht es nicht mehr in Discounter, um Lebensmittel einzukaufen. Der Trend geht zu den klassischen Supermärkten. Gerade junge Familien und Ältere achten wieder mehr auf Qualität und weniger auf den Preis. Um dem entgegen zu wirken, sollten Discounter gezielte Maßnahmen ergreifen, die den Kunden wieder ins Geschäft locken, wie beispielsweise: Individuelle Kundenansprache und Ethno-Marketing.

Discounter in Deutschland gewinnen kaum noch Kunden hinzu – das zeigt eine Studie von Accenture und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Im vergangenen Jahr stieg der Marktanteil der Discounter nur noch um 0,7 Prozentpunkte, von 42,5 Prozent auf 43,2 Prozent. Zwischen 2000 und 2006 hatten sie sich um durchschnittlich 1,7 Prozentpunkte pro Jahr gesteigert. Weiteres zentrales Ergebnis der Studie: Je älter die Gesellschaft wird, desto höher der Anteil der Kunden, die sich wieder den klassischen Supermärkten zuwenden.

„Die Lebensmittel-Discounter stehen am Scheideweg. Discount ist heute kein Selbstläufer mehr",

sagt Gerhard Hausruckinger, Geschäftsführer im Bereich Handel & Konsumgüter bei Accenture. Mittlerweile kaufen 98 Prozent der Verbraucher mehr oder weniger regelmäßig beim Discounter, und nahezu jeder erreicht heute drei bis vier dieser Läden innerhalb von höchstens zehn Minuten.

Die demografische und gesellschaftliche Entwicklung verläuft zugunsten der klassischen Supermärkte, so die Studie: 2007 gehörten noch 31 Prozent der Verbraucher zu Gruppen der Bevölkerung, die 40 Prozent oder mehr ihrer Einkäufe beim Discounter erledigen. Dazu zählen unter anderem junge Familien. Berechnungen zufolge wird der Anteil der Discount-Stammkunden sukzessive schrumpfen, auf 28 Prozent im Jahr 2020. Umgekehrt wächst der Anteil der Supermarkt-Käufer – Rentner-Familien, alleinstehende Ältere, „Empty Nest"-Familien – von 40 Prozent im Jahr 2007 auf 45 Prozent im Jahr 2020.

„Diese scheinbar kleinen prozentualen Veränderungen sind ein Erdbeben im Lebensmittel-Einzelhandel, wo es um reine Verdrängung geht. An der Generation Silber kommt künftig kein Lebensmittelhändler vorbei",

meint Gerhard Hausruckinger. Viele Verbraucher würden wieder stärker auf Qualität und weniger auf den Preis als in den Jahren unmittelbar nach Einführung des Euro achten. Kurzfristig könne sich das ändern, zum Beispiel angesichts steigender Lebensmittelpreise und unsicherer Konjunkturaussichten.

Hebel für mehr Wachstum

Der Handelsexperte sieht mehrere Hebel für Lebensmittel-Einzelhändler, um das Wachstum anzukurbeln:

  • Verbraucher individueller anzusprechen über Internet-Angebote und mobile Endgeräte – nicht mehr nur über den einen Prospekt für alle;
  • den Bedürfnissen älterer Kunden nach Bequemlichkeit und Sicherheit entgegenzukommen;
  • Ethno-Marketing zu betreiben – gezielter mit der Zielgruppe Migranten zu sprechen;
  • entweder: Rückkehr zum Hard-Discount, also Konzentration des Angebots auf weniger Artikel und damit Verbilligung,
  • oder: Erweiterung des Sortiments um Wellness- und Öko-Produkte.

Gerhard Hausruckinger:

„Richten sich die Discounter künftig mehr auf Bequemlichkeit und Service aus, könnte am unteren Ende des Marktes Platz für einen neuen Ultra-Discounter entstehen."

Belege für Wandel des Discounter-Markts

Weitere Belege dafür, dass der Markt vor großen Veränderungen steht, gibt es zur Genüge:

  • Lag der durchschnittliche Discounter-Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche 2003 noch bei 3.971 Euro, waren es 2007 nur noch 3.648 Euro – ein Rückgang um 8,1 Prozent.
  • Der Umsatz mit so genannten Non-Food-Artikeln wie Elektrogeräten, Kleidung und Werkzeug geht zurück. 2005 betrug der Anteil aller Discounter an diesem Markt fünf, 2007 nur noch 4,5 Prozent.
  • Nach Berechnungen von Accenture verbuchte der Discount-Marktführer Aldi 2007 erstmals in seiner Geschichte einen Umsatzrückgang – um 1,5 Prozent auf 27 Milliarden Euro; der Marktanteil sank um 0,6 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent.

Über die Studie

Die Studie „Discounter am Scheideweg" beruht auf repräsentativem Datenmaterial über das Verhalten von Konsumenten im Jahr 2007, das die GfK Accenture exklusiv für Analysen zur Verfügung gestellt hat.

Die vollständige Studie zum herunterladen, finden Sie hier:

"Discounter am Scheideweg - Wie kaufen Kunden künftig ein?"

Quelle: Accenture

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