Lieferstrom-AuditLogistik-Fähigkeiten eines Unternehmens prüfen

In den letzten Jahren waren die Unternehmen mit den innerbetrieblichen Wertströmen, der Produktionslogistik beschäftigt. Diese Sichtweise ist unzulänglich, weil die vor- und nachgelagerten Logistikstufen außer Acht gelassen werden. Wer seine Unternehmenslogistik optimieren will, muss den gesamten Lieferstrom analysieren.

Auf dem Weg zur logistik-optimierten Fabrik

In den Unternehmen hat man sich in letzter Zeit stark darauf konzentriert, die innerbetrieblichen Wertströme – und damit die Produktionslogistik – zu optimieren. Diese Sichtweise greift jedoch in zweierlei Hinsicht zu kurz: vor- und nachgelagerte Logistikstufen bleiben weitgehend außer Acht, und bei extrem variantenreicher Fertigung stoßen die aus Fernost importierten Methoden an ihre Grenzen. Wer seine Unternehmenslogistik nachhaltig optimieren will, muss über neue, innovative Lösungen nachdenken und seinen Blickwinkel erweitern: Die Logistik muss Bindeglied und unterstützendes Element des Wertstroms sein.

Im wirklichen Leben werden jedoch nicht Wertströme verknüpft, sondern Werke und Fabriken. Betrachtet man ein großes Zulieferwerk, so sieht man eine immense Vielfalt an Material, Teilen, Halb- und Fertigprodukten, Behältern und Ladungsträgern. Diese Vielfalt macht das transparente, durchgängige Verfolgen einzelner Wertströme nicht nur sehr aufwendig, sondern praktisch unmöglich.

Mit dem Ziel der optimalen Versorgung des Kundenbedarfs wird ein durchgängiger Lieferstrom aufgebaut, der einzelne Fabriken (Produktionssysteme) synchronisiert und koppelt. Dazu müssen die Werke ausgebaut werden zu logistikoptimierten Fabriken, die mehr sind als „nur“ optimierte Produktionssysteme. In diesem Sinne weitet sich die Sichtweise des „Lean Manufacturing“ aus auf eine Sichtweise der „Lean Logistics“. Entlang des Lieferstroms gelten die bewährten Prinzipien des Toyota Produktionssystems (TPS).

„Nur ein System, das auditierbar ist, ist auch verbesserbar.“ So ähnlich begründen Fachleute ihre Vorliebe für Audits aller Art. Ursprünglich stammt das Instrument der Auditierung aus dem Qualitätsmanagement, was sich auch in der entsprechenden DIN-Definition niederschlägt:

„Audit ist die Beurteilung des Qualitätsmanagements oder seiner Elemente.“

Übertragen auf andere Unternehmensbereiche erfüllen Audits neben dieser Beurteilungsfunktion vor allem die Funktion der Überwachung. Ohne eine solche Überwachung tendieren Systeme dazu, in meist unerwünschte „alte“ Zustände zurückzukippen.

Man kann Audits als Start-Check verwenden. Sie liefern eine strukturierte Bestimmung des eigenen Standorts und ermöglichen Antworten auf Fragen wie: „Wo stehen wir mit unserer Fähigkeit, den Lieferstrom zu beherrschen?“ Aber auch: „Wo stehen wir in einzelnen Prozessen?“ Audits sind jedoch auch dazu geeignet, Veränderungen zu überwachen. Die Lieferstrom-Fähigkeit muss ständig verbessert werden – Maßstab dieser Verbesserung ist der erreichte Score im Lieferstrom-Audit.

Hinweis

Ursprünglich stammt das Instrument der Auditierung aus dem Qualitätsmanagement. Es dient der Überwachung, beispielsweise des eigenen Standorts. Audits sind jedoch auch dazu geeignet, Veränderungen zu überwachen. Mit Hilfe des Lieferstrom-Audits lernen Sie ein Instrument kennen, mit dem Sie „Logistik-Exzellenz“ messen können. Die richtigen Logistik-Kennzahlen verbessern Entscheidungen.

Was wird auditiert?

Der Lieferstrom ist ein wertschöpfender Prozess. Zentrale Wertschöpfungsprozesse werden üblicherweise in einem Wertkettenmodell dargestellt. Dabei wird in primäre und unterstützende Aktivitäten unterschieden. Die Leistung der Wertkette resultiert aus dem Zusammenspiel dieser Aktivitäten. Bezogen auf den Lieferstrom ergeben sich die primären Aktivitäten sachlogisch aus den Abläufen:

  • Lieferantenlogistik,
  • Produktionslogistik und
  • Kundenlogistik.

Lieferstrom Logistik-optimierte Fabrik

Bei den unterstützenden Aktivitäten handelt es sich um die folgenden:

  • Informationsprozesse;
  • Materialflusssteuerung und -gestaltung,
  • Bestandsmanagement,
  • Logistische Planung,
  • Logistik-Strategie und
  • ständige Verbesserung.

Insgesamt ergibt sich folgende, an Porter orientierte Darstellung. Sowohl die primären als auch die unterstützenden Aktivitäten sind mit zahlreichen Einzelkriterien untersetzt, die im Rahmen des Audits beurteilt werden. Zahl und Auswahl der Kriterien entsprechen dem, was wir in der Praxis als sinnvoll erlebt haben.

Das Wertkettenmodell des Lieferstroms

Standards für die Bewertung von Logistikleistungen

Zusammen mit den Odette-Mitgliedern und der AIAG hat der VDA eine Empfehlung zur Logistikbewertung herausgegeben. Damit steht ein Instrument zur Verfügung, das eine standardisierte Bewertung der logistischen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens auch im Selbst-Audit ermöglicht.

Wichtig an dieser Stelle ist es uns, zu betonen, dass wir uns ganz bewusst zum VDA-System der Logistik-Bewertung abgrenzen. Der Grund: Es ist für unsere Zwecke viel zu mächtig und außerdem nicht Lieferstrom-spezifisch.

Wie wird auditiert?

Um den schnellen Überblick zu erleichtern, setzen wir beim Score eine Skala von 0 bis 3 Punkten ein. Diese Skalierung liefert einerseits aussagefähige Ergebnisse, ohne zu stark auf kleine Nuancen zu setzen. Diese führen erfahrungsgemäß zu Diskussionen und letztlich zu einem unklaren Bild.

Das Lieferstrom-Audit ist so aufgebaut, dass nicht nur, wie bei Audit-Systemen üblich, das Gesamtbild in Form eines sogenannten Spinnendiagramms visualisiert werden kann. Auch die einzelnen Kriterien können herausgegriffen und so dargestellt werden, dass ein Vergleich der einzelnen Zustände oder Stati möglich wird.

Damit erhalten Sie ein transparentes Bewertungsschema, dessen Entwicklung Sie für jedes Kriterium einfach fortschreiben und verfolgen können. Die Einzelkriterien sind in Klassen unterteilt, die den Aktivitäten des Wertkettenmodells entsprechen – denn genau die sollen ja analysiert werden, um im Ergebnis einen Score je Aktivität und einen Gesamt-Score für die Leistung des Lieferstroms zu erhalten.

Die Darstellung des Audits als Spinnendiagramm ist mittlerweile den meisten Unternehmen vertraut. Eine solche Audit-Spinne bietet den Vorteil, dass man verschiedene Auswertungen übereinanderlegen und so einen anschaulichen Soll-Ist-Vergleich anstellen kann. Ein weiterer Pluspunkt: zieht man mithilfe des Diagramms die Bewertung eines Best-Practice-Falles heran, ist ein Benchmarking möglich, das an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig lässt. „Aha-Effekte“ sind praktisch garantiert.

Für das Lieferstrom-Audit haben wir das nachfolgende Diagramm aufgebaut:

Spinnendiagramm des Lieferstrom-Audits

Die eingezeichneten Scores stehen sinnbildlich für den Status vor einer Verbesserungs- oder Entwicklungsmaßnahme (innere Linie) und den Status nach erfolgreicher Maßnahme (äußere Linie).

Die bewerteten Einzelkriterien sind den acht primären und sekundären Merkmalen zugeordnet, die die Achsen des Diagramms bilden. Da immer mehrere Kriterien zum Score je Achse führen, wird der Mittelwert aus den Einzelbewertungen aufgetragen. Da auch die Einzelwerte, wie gezeigt, visualisiert sind, geht trotz der Verdichtung kein Detail verloren.

Natürlich lautet die spannende Frage, wie die Bewertungen zustande kommen. Bei der Untersetzung mit einzelnen Kriterien haben wir uns vor allem an der Praxis orientiert. Welche Fähigkeiten sind für die Lieferstrom-Befähigung des Unternehmens relevant? Welches sind die Erfolgsfaktoren?

Die folgende Kriterienliste zeigt einen Auszug aus den umfassenden Audit-Kriterien:

Kontakt:

Dr. Harald Balzer, Vorstandsvorsitzender der CONCEPT AG

E-Mail: Harald.Balzer@concept.ag

Webadresse: www.concept.ag

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel