Macht und FührungDilemma oder fruchtbare Symbiose?

Führung bedeutet Entscheidungen zu treffen. Doch wenn es um Führung und Macht geht, schütteln viele den Kopf. Überraschenderweise sind das nicht selten Führungskräfte.

Eine Führungskraft, die Entscheidungen trifft und diese verantwortet, muss die Entscheidungen so treffen, dass sie in Handlungen umgesetzt werden: in Verhalten, in Zustimmung oder in mittragende Bestätigung. Die Führungskraft muss demnach exzellentes Wissen besitzen, um zu einer Entscheidung zu kommen, und sie muss diese Entscheidung so transportieren, dass ihr Folge geleistet wird. Dies geschieht durch Überzeugung, Transparenz des Fachwissens, Klarheit und Kontrolle.

Dazu gehört ein Führungskraftverhalten, das diese Merkmale selbstbewusst transportiert. Der Einfluss einer Führungskraft muss demnach sehr groß sein. Umso größer, je bedeutender der zu entscheidende Fakt, die Hierarchiehöhe der Führungskraft und die Bandbreite populärer Fachwissen-Tendenzen zu diesem Thema sind. Es entsteht eine Gleichung: Einfluss aus exzellentem Wissen plus der Umgang mit diesem Einfluss ist gleich Macht.

Macht und Führung sind eine natürliche Verbindung

Die Kombination von Macht und Führung gilt oft als „Igitt-Thema“. Igitt deshalb, weil jene Teilnehmer, die entrüstet schauen oder zumindest ablehnend die Brauen heben, meist in der Überzahl sind. Was nicht bedeutet, dass sie tatsächlich die Mehrheit bilden. Vielmehr sind wohl die anderen, die eine natürliche Verbindung von Macht und Führung sehen, deutlich leiser. Sie verzichten darauf, sich als machtvoll zu outen.

Grundsätzlich lässt sich die verwunderte Entrüstung nachempfinden. Das spontane, ungefilterte Empfinden auf die Verbindung von Macht und Führung ist in der Mehrzahl der Fälle negativ besetzt. Denn: Müssen die Menschen, in diesem Fall die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nicht mitgenommen werden? Müssen sie nicht selbstbestimmt hinter dem stehen, was die Führungskraft von ihnen erwartet? Ja, und zwar unter folgenden Gegebenheiten:

  • Wenn die Situation passend und genug Zeit vorhanden ist.

  • Wenn die Rahmenbedingungen zur Entscheidungsfindung stimmen.

  • Wenn die Selbstverantwortungsbereiche geklärt und transparent sind.

Um das zu erreichen, muss die Führungskraft selbst akzeptieren, dass Macht und Führung zusammengehören. Vorgesetzte verfügen über legale Macht und über materielle und/oder arbeitsrechtliche Sanktionsmöglichkeiten. Vom Typ her und in der rigiden Anwendung sind das restriktive Grundlagen. Führung dagegen beruht auf Legitimität, erworben durch Expertenwissen, Ausstrahlung, Kompetenz und belohnende Konsequenzen. Vorgesetztenmacht und Führungsmacht nach diesen Definitionen vereinen sich, wenn alle Beteiligten die legale Macht als legitim empfinden. Das gelingt nicht einfach so, sondern das gelingt über die Einflussnahme desjenigen, der legal und legitim verbinden will. Hier taucht die Gleichung wieder auf: Einflussnahme ist gleich Macht

Verantwortung und Selbstverantwortung sind eng mit Macht verbunden

Verantwortung und Selbstverantwortung sind Kompetenzen und Merkmale, die eng mit Macht verbunden sind. Im Berufskontext Verantwortung konsequent zu übernehmen, auch die Verantwortung dafür, Bereiche zu visionieren, zu planen und zu gestalten, in denen Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbstverantwortlich tätig werden, ist gleichbedeutend damit, machtvoll oder einflussreich seine Entscheidungen zu vertreten und einzufordern.

Begriffe wie „machtvoll eintreten“ oder „einfordern“ mögen anecken, gerade im Blick auf die vorherrschenden Führungsstildebatten mit ihren Buzzwords „partizipatorisch“ und „kooperativ“. Sie stehen aber nicht in einem Gegensatz, sie vervollständigen das Thema rund um Führung und Macht.

Entscheidungen von Führungskräften sollten evaluierbar sein

Wenn Führungskräfte eine Entscheidung für richtig halten, sind sie in der Verantwortung, diese unter Hinzunahme ihrer Macht (und ihres Einflusses) so zu transportieren und zu verankern, dass nach der Implementierung und der Übertragung in erkennbare Verhaltensweisen eine Evaluation ihrer getroffenen Entscheidung stattfinden kann. So entsteht ein Kreislauf, der Macht in ihrer Konsequenz evaluierbar werden lässt. Und, falls es nicht effektiv war, dazu führt, den Machtausübenden abzusetzen.

Selbstverantwortung bei Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fordern und aufzubauen, erfordert deren Einsicht, die selbst zu verantwortenden Freiräume machtvoll zu füllen. Damit sind wir dann schnell beim Thema Führungskraft als Vorbild. Fazit: Macht und Führung müssen sein. Sie passen dann besonders gut zusammen, wenn sie einzeln gut sind. Das ist auch evaluierbar.

Dazu im Management-Handbuch

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