MarktbereinigungDie Krise als große Reinigung der Wirtschaft

Die Krise sorgt dafür, dass einige Unternehmen die schwierigen Zeiten nicht überleben. Dies führt zu einer Marktbereinigung, sodass nur noch solche Firmen existieren, die ein auf die Nachfrage abgestimmtes Angebot haben. Einfach die Preise zu senken, um weiterhin Absatz zu erzielen, ist keine langfristige Lösung.

Die aus der griechischen Tragödie bekannte Katharsis („große Reinigung“) bewirkt „Jammer“ und „Schaudern“ – Worte, die zur aktuellen Krise passen. Resultat einer Katharsis ist die Reinigung von überflüssigen Auswüchsen. Vieles deutet darauf hin, dass eine derartige „große“ Reinigung stattfinden wird. Sehr viele Firmen werden diese Krise nicht überleben. Prof. Dr. Hermann Simon, Chairman der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners, erklärt:

„Dazu gehören definitiv diejenigen, die bereits in guten Zeiten Grenzanbieter waren und mit äußerst mageren Renditen operiert haben."

In dieser Kategorie findet man bereits die ersten prominenten Opfer, Firmen wie Rosenthal, Märklin oder Schiesser. Viele weitere Grenzanbieter werden diesen in den Abgrund folgen.

Sortimentsbereinigung

Die große Reinigung wird marginale oder „überflüssige“ Produkte hinwegfegen.

„In der Marktwirtschaft entscheidet der Verbraucher, was notwendig und was ‚überflüssig’ ist“,

weiß Simon. Wenn die Nachfrage nach solchen Produkten für einen längeren Zeitraum ausbleibt oder stark zurückgeht, dann zwingt dies die Anbieter marginaler Produkte in die Knie.

„Eine wichtige und notwendige Funktion der Krise besteht darin, Angebot und Nachfrage wieder einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen“,

so Wirtschaftsexperte Simon.

Die „künstliche“ Nachfrage

Normalerweise führt der Markt den notwendigen Ausgleich von Angebot und Nachfrage herbei. Im speziellen Falle der Autoindustrie ist allerdings zu befürchten, dass staatliche und protektionistische Eingriffe die Kapazitätsanpassung auf unbestimmte Zeit verschieben. Bleibt die Nachfrage in einer Branche auf Dauer deutlich unter den Kapazitäten, dann wird es sehr schmerzhafte Anpassungsprozesse geben. Das zunehmende Preisdumping beäugt Hermann Simon sehr kritisch:

„Unternehmen sollten bei geringerer Nachfrage eher die Menge zurückfahren und ihre Preise verteidigen“.

Neues Ultra-Niedrigpreissegment

Vor allem der Billig-Trend hält in der Krise an. Die Krise erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ultra-Niedrigpreisprodukte aus den aufstrebenden Ländern in die Industrieländer vordringen werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Erfolg des Dacia Logan. Innovationen, die eine ausreichende funktionale Leistung zu extrem niedrigen Kosten und Preisen bieten, haben aufgrund der Krise bessere Akzeptanzchancen. So plant Tata beim Billigstauto Nano, das 2.000 Dollar kostet, eine Version, die die europäischen Abgas- und Sicherheitsnormen erfüllt.

Das Buch gegen die Krise

Hermann Simon: 33 Sofortmaßnahmen gegen die Krise. Wege für Ihr Unternehmen

[po; Quelle: Simon-Kucher & Partners; Bild: boettcher & petoe - Fotolia.com]

Dazu im Management-Handbuch

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