MediationRichtiges Streiten steigert die Arbeitsproduktivität

Wenn Mitarbeiter untereinander oder mit Vorgesetzten und Kunden im Streit liegen, schadet das nicht nur der Harmonie, es wirkt sich auch negativ auf den Erfolg eines Unternehmens aus. Es gibt unterschiedliche Methoden, wie Konflikte behoben werden können. Eine Möglichkeit, bei der die Interessen beider Seiten berücksichtigt werden, ist die Mediation.

Jedes Jahr verlieren deutsche Unternehmen einen Betrag von mehr als 50 Milliarden Euro, weil Mitarbeiter oder Abteilungen untereinander, mit ihren Führungskräften, ihren Kunden oder Lieferanten im Streit liegen. Unterschiedliche Vorstellungen darüber, welche Maßnahmen im Unternehmen umgesetzt werden, sind notwendig und sinnvoll, doch nur dann, wenn die Diskussion in wertschätzender Weise erfolgt und die Beiträge zu einer konstruktiven Lösung führen. Eine Methode, Konflikte unter Beachtung beiderseitiger Interessen im Konsens zu lösen, ist die Mediation.

Konfliktlösung durch Dritte

Aber was ist überhaupt Mediation? Definitionsgemäß ist sie ein außergerichtliches Verfahren zur Lösung von Konflikten. Unter Anleitung eines neutralen Dritten entwickeln die Konfliktparteien eigenverantwortlich, freiwillig, selbst bestimmt und unter Wahrung der Vertraulichkeit eine gemeinsame Lösung für einen bestehenden Konflikt. Der Mediator ist für die Prozessgestaltung verantwortlich, nicht für die Lösung. Denn die Medianden – so nennt man die Konfliktparteien in einer Mediation - haben meist die bessere inhaltliche Fachkenntnis, in der sehr oft der Grund für die entstandenen Probleme liegt. Häufig fehlen den Streitenden aber die notwendige emotionale Distanz und die Prozesskompetenz, um ohne Hilfe eines unterstützenden Dritten neue Lösungsideen zu erarbeiten.

Ziel der Mediation ist nicht nur die sachliche Lösung des aktuellen Konflikts. Ziele, insbesondere im innerbetrieblichen Kontext, sind:

  • der Aufbau einer neuen Konfliktkultur,
  • die Einführung neuer lösungsorientierten Methoden sowie
  • die Installation von angemessen Strukturen zur frühzeitigen Erkennung und zielorientierten Lösung von Konflikten.

Die Medianden sind bis zum Abschluss der Mediationsvereinbarung „Herr“ ihrer eigenen Lösung – ganz im Unterschied zu einem Schieds- oder Gerichtsverfahren, in dem die Kontrahenten die von einem Dritten vorgeschlagene Lösung als „Urteil“ akzeptieren müssen. Mediationen sind in der Regel schneller und kostengünstiger und damit auch ressourcenschonender als Gerichtsverfahren. Besonders wertvoll ist eine Mediation, wenn die Kontrahenten auch langfristig miteinander arbeiten wollen oder müssen (beispielsweise Kunde/Lieferant, Betriebsrat/Arbeitgeber) oder ein öffentlicher Streit zu Imageverlusten führen würde.

Mediation in Deutschland und Europa

Mediation wird in Deutschland bereits seit ungefähr 15 Jahren praktiziert. Im Wirtschaftsumfeld wird Mediation eingesetzt bei vertraglichen Auseinandersetzungen (zum Beispiel Immobilien, Planungs- und Bauwesen), Umwelt- und Verwaltungsthemen, bei interkulturellen Problemen oder im innerbetrieblichen Konfliktmanagement. Im April 2008 hat das Europäische Parlament eine Richtlinie verabschiedet, die grenzüberschreitend die Anwendung von Mediationen regelt und innerhalb der nächsten 3 Jahre umgesetzt auch in Deutschland umgesetzt worden sein muss. Durch die deutsche Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wurde eine Expertenkommission einberufen, um die Einführung eines Mediationsgesetzes zur Regelung grenzüberschreitender und innerstaatlicher Konflikte zu prüfen. 

Wirtschaftsmediation und Organisationsentwicklung

Mediation ist nicht mehr nur eine von vielen Methoden zur Konfliktbewältigung. Sie ist ein Führungsinstrument geworden und wird mittlerweile auch als eine ergänzende Methode zur Organisationsentwicklung angesehen. Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, in ihrem Unternehmen so genannte Konfliktmanagementsysteme zu installieren, die präventiv wirken und den Umgang mit innerbetrieblichen Konflikten in die Hände gut ausgebildeter innerbetrieblich arbeitender Mediatoren geben. Dadurch senken die Unternehmen ihre Konfliktkosten und lösen ihre akuten Probleme zeitnah.

Mit der Ausbildung „Wirtschaftsmediation und Organisationsentwicklung“ leistet die Akademie der Universität Ulm einen neuen, bedeutenden Beitrag zur konstruktiven Bewältigung von Herausforderungen, Entwicklungsprozessen und Konflikten in Unternehmen und Gesellschaft. Dabei werden das enorme Potenzial von Konflikten für Unter­nehmen und Menschen kreativ umgesetzt – im Rahmen eines neuen Konzepts für die Schulung von Führungskräften in Unternehmen und Organisationen. Die Akademie gestaltet die Schulung in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Ausbildungsinstitut, mit Praktikern und Wissenschaftlern im Bereich Mediation. Dabei richtet sich die Ausbildung an Personen und Verantwortungsträger, die als interne oder externe Mediatoren arbeiten wollen oder in ihren Führungsalltag mediative Kompetenzen integrieren wollen.  Der nächste Kurs beginnt im Juni 2009.

Nähere Informationen unter www.uni-ulm.de/akademie.

[Bild: Fotolia.com]

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