Mega-Trends und Mittelstand

Sind Mega-Trends nur etwas für Konzerne? Nein, sagt eine Studie. Auch KMU müssten jetzt starten, Trends zu identifizieren und passende Maßnahmen aufzulegen.

Früher war alles besser: Halbwertszeiten von Geschäftsmodellen länger, Arbeitsplätze sicher, Trends leicht identifizierbar und die Konkurrenz abgehängt. Heute überaltern Geschäftsmodelle schnell, permanente Veränderung ist gefragt. Außerdem beschleunigt die digitale Revolution den globalen Wettbewerb, verkürzt Innovations- und Produktlebenszyklen sowie die Halbwertszeit von Konkurrenzvorteilen. Die dahinterstehenden globalen Mega-Trends gelten zeitlich und geographisch als „weit weg“, und so bleiben deutsche Manager zu lange unbeteiligt.

Vor diesem Hintergrund ist der Mittelstand für globale Mega-Konsumtrends nicht gut aufgestellt, so das Ergebnis der Umfrage „Future Fitness 2012“ des Beratungsunternehmens Horn & Company Financial Services GmbH in Kooperation mit dem icgrowth Institut unter 287 deutschen Top-Managern. Danach bewerten 71 Prozent der befragten Manager das frühzeitige Erkennen und die strategische Ausrichtung auf Mega-Trends als wichtig, aber nur 45 Prozent fühlen sich dafür gut gerüstet.

Wäre dieser Wert auf den gesamten Mittelstand übertragbar, wären mehr als eine Million KMU nicht gut gerüstet; allein bei den Top-500-Familienunternehmen wären mehr als 300 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr und mehr als eine Million Arbeitsplätze gefährdet, so die Schlussfolgerungen der Studieninitiatoren. Dr. Andreas Kricsfalussy, Geschäftsführender Partner von Horn & Company und Autor der Studie, sagt in einer entsprechenden Presseinformation:

„Dies überrascht, da ja gerade der Mittelstand in den letzten vier Jahren der Wirtschaft Stabilität gegeben hat.“

Der Mittelstand habe zu wenig operative Anpassungsmaßnahmen auf den Weg gebracht, lautet eine weitere Erkenntis aus der Untersuchung. Laut Studie sind den Top-Managern die fünf Mega-Konsumtrends „Globale wirtschaftliche Machtverschiebung“, „Weltweites Wachstum der Mittelschicht“, „Demografischer Wandel“, „Knappe Ressourcen und Nachhaltigkeit“ sowie „Digitale Revolution“ zwar bekannt und werden als Chancen gesehen, sie würden aber unsicher sein, wie Sie reagieren sollen. Die Autoren der Studie charakterisieren die Mittelständler in der Folge als „passive Optimisten“. Keine 50 Prozent der Unternehmen würden sich mit der Trendidentifikation beschäftigten und auch nur jeder Zweite sorge dafür, dass operative Anpassungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden. Immerhin beabsichtigten 60 Prozent in den nächsten drei Jahren die Umsetzung operativer Maßnahmen zu verbessern.

Die Autoren der Studie fanden zudem heraus, dass Mittelständler mit den besten Umsatzrenditen sich schneller an die Trends anpassen und dabei international deutlich aktiver sind. Dr. Ronny Fürst, Direktor des icgrowth Instituts, betont:

„Die Unternehmen sind zu kurzfristig orientiert und sollten jetzt schnell die Expansionsgrenze Europa überwinden, Produktportfolien „customizen“ und ihre Geschäftsmodelle anpassen.“

Im Vordergrund der bisherigen Maßnahmen stünden die absatzseitige Internationalisierung mit dem Fokus auf China. Nachhaltigkeit als Verkaufsargument sei selbstverständlich, andere Maßnahmen wie E-Commerce oder spezifische Produktangebote für neue Nachfragegruppen, zum Beispiel 65 plus, würden noch unausgeschöpfte Potenziale bergen. Die nächsten Schritte lägen etwa in der Expansion nach Südamerika, der Internationalisierung der Produktions- und F&E-Standorte sowie der landesspezifischen Social-Media-Differenzierung.

Quelle: Horn & Company

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