MotivationWas Unternehmen für die Mitarbeiter-Fitness tun können

Wer sich im Beruf nicht fit hält, ist schnell ausgebrannt. Unternehmen sind für die Gesundheit und Fitness ihrer Mitarbeiter verantwortlich und müssen attraktive Programme anbieten.

Trotz zahlloser Aufklärungskampagnen und technischem Fortschritt breiten sich viele Zivilisationskrankheiten weiter aus. Es gibt nur wenige Menschen, die sich rundum fit und gesund fühlen. Körperliche Alltagsbeschwerden verbinden sich mit Lebens-, Berufs- und Sinnkrisen. Gerade am Arbeitsplatz drohen hohe Belastungen. Einige Beispiele sind:

  • Stress, Erschöpfung oder gar Burnout;
  • ungesunde Ernährung aufgrund von Hektik und falschen Essensangeboten;
  • fehlende Bewegung;
  • falsches Sitzen;
  • ungesundes Raumklima;
  • zwischenmenschliche Störungen, Konflikte oder Mobbing;
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust;
  • psychosomatische Stimmungsschwankungen, Depressionen.

Darunter leiden nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch die Kollegen im Umfeld und die Unternehmen, in denen sie arbeiten. Denn solche Mitarbeiter sind unmotiviert, haben innerlich gekündigt oder bleiben gleich zuhause. Dabei sind gesunde und engagierte Mitarbeiter die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Unternehmen leistungsfähig und erfolgreich sind.

Hinweis

Seelische Erkrankungen am Arbeitsplatz greifen immer weiter um sich. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) hat in einer Studie ermittelt, dass ihre Zahl zwischen 1997 und 2004 um 70 Prozent stieg. Fast in gleichem Maße gingen die psychisch bedingten Fehlzeiten nach oben.

Beispiel E.ON-Hanse und das Programm „Zeit für Gesundheit!“

Zahlreiche Großunternehmen haben erkannt, dass sie maßgeblichen Einfluss darauf haben, wie gesund ihre Mitarbeiter sind. Sie haben begonnen, entsprechende Programme und Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung zu initiieren und durchzuführen.

„Wir gewährleisten durch Programme zur Gesunderhaltung und Leistungsförderung die gesundheitlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Kerngeschäft. ... 'Zeit für Gesundheit!' fördert die Mitarbeiter-Motivation durch zielgruppenorientierte Angebote zur Gesundheitsvorsorge. Durch eine überdurchschnittliche Qualität im Gesundheitsschutz unterstützen wir die Gewinnung von High Potentials und bieten allen Mitarbeitern die gesundheitlichen Voraussetzungen für eine ausgewogene Work-Life-Balance.“

So beschreibt Dr. Kai Klevinghaus, Leiter des Gesundheitsschutzes bei E.ON-Hanse in Quickborn, die Leitlinie seines Unternehmens. Die konkreten Programme und Maßnahmen sind:

  • Gesundheitstage,
  • arbeitsplatzbezogene Rückenschule,
  • Rückenfitness und Entspannnung,
  • Massagen
  • Hautkrebsscreening,
  • Grippeschutzimpfungen sowie
  • Disability Management.

Feedback zu den Gesundheitstagen


[Quelle: http://www.vdbw.de/de/vortraege/10.Dr.Klevinghaus.pdf]

Ansätze zur Förderung der Gesundheit

Wenn Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter nachhaltig sicherstellen und verbessern wollen, müssen sie die Bedingungen dafür schaffen. Im ersten Schritt müssen sie erkennen, wodurch Gesundheit gefährdet ist und was sie fördern kann. Gesundheitsstörungen sind durch unterschiedliche Faktoren bedingt:

  • Persönlichkeit: Lebenseinstellung, Energieverbrauch oder Regenerationsfähigkeit;
  • Lebensführung: Lebensstil, Ernährung, Bewegung, Freizeitgestaltung, Beziehungspflege;
  • Arbeit: Arbeitsbedingungen, Betriebsklima, Verhältnis zu Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten;
  • Umwelt: Wettbewerb, Gesellschaft, Lebensbedingungen, ökologische Umwelt.

Das traditionelle Verständnis der Mediziner zielt vor allem die Krankheit eines Menschen ab. Die ärztliche Behandlung soll eine Fehlfunktion beheben. Das schließt Selbstverantwortung, Selbstkompetenz und Selbstregulation weitgehend aus.

Erst in den siebziger Jahren läutete der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky einen Paradigmenwechsel ein. Er stellte die Gesundheit in den Mittelpunkt und betrachtete vor allem die Bedingungen, unter denen der Mensch gesund bleibt. Er führte dafür den Begriff der Salutogenese ein.

Salutogenese

Salutogenese bedeutet Gesundheitsentstehung und fragt nach den Ursprüngen von Gesundheit. Nach diesem Modell ist Gesundheit kein Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Gesundheit und Krankheit sind Endpunkte eines Gesundheits-Krankheits-Kontinuums. Jeder Mensch kann zu einem beliebigen Zeitpunkt auf dem Kontinuum lokalisiert werden und ist damit immer nur mehr oder weniger gesund oder krank.

Gesundheitsförderung ist eine Aufgabe der Personal- und Organisationsentwicklung in den Unternehmen. Verantwortlich dafür sind vor allem der Betrieb, aber auch die Mitarbeiter:

  • Der Betrieb muss förderliche Rahmenbedingungen und attraktive Angebote dauerhaft schaffen.
  • Die Mitarbeiter können diese annehmen und für die Verbesserung ihrer Fitness nutzen.

„Es genügt nicht mehr zu behaupten, Gesundheit sei Privatsache der Mitarbeiter, diese hätten im Betrieb nur zu funktionieren. Notwendig sind ganzheitliche Programme für eine aktive Gesundheitsförderung.“

Das schreiben der Gesundheits-Experten Franz und Albert Decker in ihrem Buch „Gesundheit im Betrieb“. Sie sehen als betriebliche Handlungsfelder vor allem:

  • Entspannung und Energiebalance;
  • Sozialkultur und Betriebsklima;
  • Führung, Management, Personalentwicklung, Arbeitsorganisation;
  • persönliche Balance und Selbstmanagement;
  • Lebensweise;
  • Ernährung;
  • Bewegung, Körper und Fitness sowie
  • Mentaltraining und Mentalberatung.

Zwei Beispiele zeigen auf, wie die Umsetzung in Betrieben erfolgen kann.

Ein Anti-Stress-Programm

Stress wird von Menschen unterschiedlich erlebt. Auch wenn manche ihn ganz gut verarbeiten oder sogar als Motivator sehen, sorgt er bei vielen für Ärger und Sorgen. Leistung und Wohlbefinden nehmen ab. Stress kann zudem zu ernsthaften Krankheiten führen: Herzbeschwerden, Magenbeschwerden, Depression, Neurodermitis oder Ohrgeräusche.

Gründe dafür sind in den meisten Fällen Zeitdruck und Zeitmangel. Auch eine hohe Verantwortung kann Stress auslösen. Der harte Wettbewerb und betriebliche Reorganisation, Verschlankung der Strukturen sowie die Entlassung von Mitarbeitern haben gerade in den letzten Jahren zu immer mehr Leistungsdruck geführt.

Für ein Anti-Stress-Programm schlagen Decker und Decker vor:

  1. Stress-Prävention: Im ersten Schritt müssen die Ursachen für Stress beseitigt werden. Nicht immer sind es nur die externen Rahmenbedingungen; oft sind Prozesse und Zuständigkeiten nicht klar definiert, Aufgaben unklar oder falsch verteilt. Das Management muss klare Anti-Stress-Ziele setzen und die Arbeitsbedingungen dafür schaffen. Es muss das soziale Miteinander fördern und für ein gutes Betriebsklima sorgen. Außerdem können Gesundheitszirkel und Mentalberater helfen. Dadurch können Mitarbeiter lernen, mit Stresssituationen besser umzugehen.
  2. Stressbewältigung: Wenn eine Stresssituation eingetreten ist, dann müssen diese bewältigt werden. Möglich ist dies durch Entspannungspausen, Konfliktlösungen oder Schaffung von Rückzugsorten. Mentalberater können in solchen Situationen auch oft direkt helfen.
  3. Stressabbau: Nach der Stressbelastung helfen Ausgleichsaktivitäten wie Sport, den erlebten Stress besser abzubauen. Wichtig sind Programme, die dem Körper helfen, schnell wieder die benötigte Energie zu tanken.

Hinweis

Mit den richtigen Atemübungen, einfachen Bewegungsabläufen, gesunder Ernährung und einer positiven Lebenseinstellung können Sie Ihre Energietanks schnell wieder aufladen. Praktische Tipps und konkrete Übungen lernen Sie in unserem Hörbuch:

Körper-Vital-Programm

Werbetreibende haben inzwischen erkannt, dass immer mehr Menschen auf ihr körperliches Wohlbefinden achten. Beauty-Farmen, Wellness-Angebote und die Umstellung der Ernährung zeigen, dass hier ein Markt an Bedeutung gewinnt. Gleichwohl fehlt es gerade im beruflichen Alltag an der Umsetzung dieser Erkenntnisse. Hier sitzen Mitarbeiter stundenlang am Computer ohne ausreichende Bewegung. Mittags wird in der Kantine schnell eine Curry-Wurst mit Pommes verschlungen. Die Folge sind Übergewicht sowie Muskel- und Skeletterkrankungen. Allein sie machen schon 30 Prozent aller Fehltage aus.

Fehlende Fitness ist ein Risikofaktor. Dabei gibt es im Beruf viele Gelegenheiten sich zu bewegen:

  • Treppensteigen statt Aufzug fahren,
  • Kollegen besuchen statt Telefonieren,
  • Steh-Meeting statt lange Sitzungen.

Stühle, Schreibtisch und Bildschirm am Arbeitsplatz sollten nach ergonomischen Richtlinien gestaltet und eingerichtet sein. Zwischen der Arbeit helfen Entspannungsübungen und dynamisches Sitzen (Sitzposition immer wieder ändern).

Frische Luft tut gut. Ein Spaziergang in der Mittagspause regeneriert die Lebensgeister und fördert die Kreativität. Betriebe können außerdem dafür Sorge tragen, dass in der Kantine leicht bekömmliche und gesunde Ernährung angeboten wird.

Der „Kantinenschnelltest“

Wenn Sie Ihre Kantine oder Ihre eigenen Essensgewohnheiten in der Firma einem Fitness-Test unterziehen wollen, dann stellen Sie einfach die folgenden Fragen:

  • Gibt es mehrere Gerichte/ Menüs bzw. Speisekomponenten zur Auswahl?
  • Werden auch fleischlose Gerichte angeboten?
  • Gibt es regelmäßig Pell- oder Folienkartoffeln?
  • Wird zwischen Kartoffeln, Reis und Nudeln abgewechselt?
  • Werden täglich Gemüse und frischer Salat angeboten?
  • Gibt es mindestens einmal pro Woche Seefisch?
  • Bietet Ihre Kantine frisches Obst sowie Milch und Milchprodukte an?
  • Gibt es ein reichhaltiges Angebot an alkoholfreien Getränken (z.B. Mineralwasser, Fruchtsäfte und Schorlen)?
  • Werden reichlich Kräuter (am besten frisch) bei der Speisenzubereitung eingesetzt?
  • Wird grundsätzlich Jodsalz (aber sparsam!) verwendet?
  • Werden auf der Speisenkarte Nährstoffangaben gemacht? (Ein während der Arbeitszeit eingenommenes Mittagessen sollte 1000 kcal nicht überschreiten).
  • Besteht die Möglichkeit, sich über die verwendeten Zusatzstoffe in jeder einzelnen Komponente zu informieren?

[Quelle: http://www.gesundheit.de/...]

An der Umsetzung hapert es in vielen Fällen

Viele Menschen wissen, dass sie mehr für ihre Fitness tun müssen. Auch die Betriebe haben gelernt, dass es Vorteile hat, gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen und Angebote zu schaffen. Trotzdem tut sich in der Praxis nicht gerade viel. Denn im Alltag gehen gute Vorsätze schnell unter.

In der Pflicht sind die Führungskräfte in den Unternehmen genauso wie die Mitarbeiter. Letztere müssen ihren „inneren Schweinehund“ überwinden; erstere müssen Gesundheitsangebote ernsthaft wollen und fördern. Dazu müssen sie Freiräume schaffen.

„Viele Betriebe bekunden ihren guten Willen, Fachkompetenz ist aber wenig vorhanden. ... [Gerade die mittleren Manager] sind häufig gute Fachleute, die aber wenig Kompetenz in der Personalführung besitzen. Das ist ein großes Manko“,

sagt Ivars Udris, Arbeitspsychologe und Professor an der ETH Zürich [in der ZEIT, 23.3.2006].

Die Arbeitsplätze sollen nicht nur den gesetzlich geregelten Bedingungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes genügen und Gefahren abwehren, sondern die Fitness fördern.

Die Organisation, Prozesse und Aufgabenverteilung müssen darauf ausgerichtet sein, Stress zu vermeiden. Allzu oft werden Kunden und Wettbewerber als Verursacher von Stress vorgeschoben. Keiner fordert dann die versprochenen Freiräume ein.

Gesundheit ist wichtig, aber kosten darf sie nichts. Auch wenn sich viele Einzelmaßnahmen schnell und einfach realisieren lassen, so sollte Gesundheitsförderung den Unternehmen doch auch den einen oder anderen Euro Wert sein. Die Programme und Maßnahmen sollten nicht auf einzelne Aspekte abzielen, sondern langfristig und umfassend angelegt sein.

Gesundheitsförderung in den Unternehmen braucht ein eigenes Marketing. Wer die Mitarbeiter erreichen will, muss für sein Anliegen werben und die Vorteile ernsthaft aufzeigen. Doch gerade psychische Belastungen und Erkrankungen sind noch immer ein Tabu-Thema in den Betrieben. Die Führungskräfte legen sie als Schwäche aus, die Mitarbeiter trauen sich nicht, offen darüber zu sprechen. Nachhaltiges Gesundheitsmanagement muss diese Tabus aufbrechen und Aufklärung betreiben.

Links und weiterführende Informationen

Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V.

http://www.vdbw.de

Beiträge zu den Folgen und psychischen Erkrankungen durch Stress:

http://www.zeit.de/2006/...

http://www.presse.dak.de/ps.nsf/...

Ein Leitfaden für betriebliches Gesundheitsmanagement:

http://www.stmugv.bayern.de/de/...

[jf]

Dazu im Management-Handbuch

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