Öko-ImageWerden „Grüne Kreditkarten“ zum neuen Statussymbol in China?

Die Konsumenten in China sind offen für „Grüne Produkte“, die ihr Öko-Image unterstreichen. Sie sind sogar bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Doch Unternehmen wie Banken und Kreditkartenanbieter nutzen dieses Potenzial noch zu wenig, meinen die Finanzmarktforscher von TNS in ihrer Studie.

Die von TNS unter chinesischen Erwachsenen in den Großstädten des Landes durchgeführten Online-Befragungen zeigen eine deutliche Bereitschaft der städtischen Bevölkerung, mehr für den Umweltschutz ausgeben zu wollen. Insgesamt 76 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: „Ich wäre bereit für häufig genutzte Produkte, die ich als umweltfreundlich ansehe, zehn Prozent mehr zu bezahlen.“

Die Frage, ob sie auch bereit wären, zehn Prozent mehr für umweltfreundlichen Kraftstoff für ihr Auto auszugeben, bejahten 68 Prozent. Insgesamt 71 Prozent der Teilnehmer meinten, dass sie für ein umweltfreundliches Auto zehn Prozent mehr bezahlen würden.

Weiteres Ergebnis der Befragung: chinesische Verbraucher wären bereit, persönlichen Komfort gegen Vorteile für die Umwelt aufzugeben. So gaben insgesamt 69 Prozent der chinesischen Verbraucher an, sie würden Nutzungseinschränkungen für Autos, Klimaanlagen und andere Energie verbrauchende Produkte akzeptieren, auch wenn dies mit persönlichen Unannehmlichkeiten verbunden wäre.

Inhaber „Grüner Kreditkarten“ könnten ihr rücksichtsvolles und sozial verantwortliches Handeln durch ein derartiges Zahlungsmittel dokumentieren. „Grüne Kreditkarten“ - so ein weiteres Ergebnis der Studie - könnten in China als Statussymbole bekannter werden als Gold- und Platin-Karten. Die TNS-Finanzmarktforscher meinen, chinesische Banken könnten das Potenzial sogenannter „Grüner Kreditkarten“ wesentlicher stärker nutzen.

Kreditkarten boomen in China

Schätzungsweise 40 Millionen Kreditkarten sind derzeit in China im Umlauf. Im Jahr 2003 waren es Schätzungen zufolge noch weniger als drei Millionen. Wirtschaftswachstum, steigende Einkommen und die Entwicklung eines organisierten Außenhandels haben zu dieser Steigerung beigetragen. Während sich die Verbraucher bei der Wahl ihrer Kreditkarte nicht dauerhaft festlegen, hat Chinas Markt Kreditkarten bereits als Produkt akzeptiert. Durch eine Identifikation der Verbraucher mit der Bedeutung der „Grünen Kreditkarte“ könnten Banken eine stärkere Markenbindung erreichen.

Zhang Hong, Leiter der Finanzmarktforschung bei TNS China, erläutert:

„Kreditkartenunternehmen müssen ihr Angebot vom Wettbewerber differenzieren. Doch zuerst müssen sie die Segmentierung des Marktes verstehen und für jedes Segment gezielt Produkte anbieten. Dies kann durch Ausnutzung des wachsenden Umweltbewusstseins erfolgen. Wir glauben, dass ‚grün' ein neues Marktsegment ist, das der Schlüssel zur Markentreue sein kann.“

Unter den städtischen Verbrauchern im Land der Mitte bestehe ein starker Trend zum Umweltbewusstsein und zum Kauf von Produkten, die der Umwelt nicht schaden. Hier existiere das Potenzial zu einem neuen Statussymbol: Genau wie die Verbraucher bereit seien, mehr zu bezahlen, um ihren Erfolg zu zeigen, seien sie auch bereit Geld auszugeben, um ihr Umweltbewusstsein zu betonen, so Zhang Hong.

Die Agricultural Bank of China, die mit der China Environmental Protection Union zusammen arbeitet, und die HSBC in Hongkong haben Initiativen in Zusammenhang mit grünen Kreditkarten gestartet. So gibt es die „Gold Spike Environmental Credit Card“ als erste Kreditkarte, die sich mit dem Umweltschutz auf dem chinesischen Festland befasst. HSBC hat die die erste Umwelt-Kreditkarte von Hongkong, die "Green Credit Card", ausgegeben. Die Karteninhaber erhalten ihre Abrechnungen in elektronischer anstatt in Papierform. Zudem spendet die Bank 0,1 Prozent des Rechnungsbetrages an eine Umweltinitiative einer Hongkonger Schule.

Sam Thayer, Global Head von TNS Finance, führt dazu aus:

„Image und sozialer Status sind schon immer ein Schlüsselkriterium für die Markentreue von Kreditkartennutzern gewesen. Die Kreditkartennutzer Chinas sind jetzt bereit, Geld für ein Nutzenversprechen auszugeben, das voll auf das Umweltbewusstsein ausgerichtet ist. Für Banken ist es jetzt an der Zeit innovativ zu sein und die simplen Vorstellungen von Status und Klasse sowie das dazugehörige Angebot von Gold- und Platin-Kreditkarten zu erweitern. Unsere eigene Forschung weist einen hervorragenden Markt für ‚grüne' Kreditkarten aus. In China ist das neue Gold grün.“

Offen bleibt, wie sehr durch den Verzicht auf den gedruckten Kontoauszug und Spenden an regionale Projekte der Umwelt tatsächlich geholfen wird – wenn auf der anderen Seite doch der Zweck jeder Kreditkarte ist, mehr zu konsumieren. Entscheidend dürfte also sein, was und wie viel die chinesischen Verbraucher jetzt und in Zukunft kaufen. Immerhin ein Hoffnungsschimmer, dass sie dabei auch an „umweltfreundliche Produkte“ denken.

Die TNS-Marktforscher Ashok Sethi und Zhang Hong haben mit ihrem TNS China Source Book eine Publikation über Chinas aufstrebende Kreditkartenbranche sowie andere Verbrauchertrends verfasst. Die Publikation vermittelt vielfältige Einblicke in die chinesischen Verbraucher. Die Themen sind: Automobil, Verbraucher, Sport, Technologie, Finanzen, Werbung und Medien.

Das „TNS China Source Book“ können Sie hier herunterladen.

[jf; Quelle: TNS; Bild: Business-Illustrationen]

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