PersonalbedarfChina zieht Arbeitskräfte aus dem Ausland an

Mit der chinesischen Wirtschaft wächst dort auch der Bedarf an Fach- und Führungskräften. Unternehmen füllen Personallücken zunehmend durch Mitarbeiter aus dem Ausland. Jedoch nimmt die Zahl dieser sogenannten Expatriaten aus dem Westen ab. Obwohl die Gehälter steigen.

Die chinesische Wirtschaft wächst rasend schnell. Mit ihr wächst auch die Zahl der sogenannten Expatriaten. Hewitt Associates, internationaler Managementberater im Bereich Human Resources, führte die Studie „Hewitt’s Expatriate, China Hire and Returnee Compensation and Benefits Study 2007“, durch. Das Ergebnis: 55 Prozent der befragten Unternehmen wollen noch in diesem Jahr die Anzahl ihrer Mitarbeiter in China erhöhen.

Marco Reiners, Vergütungsexperte von Hewitt Associates in Deutschland, erklärt:

„China ist in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, dass derzeit qualifizierte Arbeitskräfte und vor allem Führungskräfte unglaublich schwer zu finden sind. Um diese Lücke am Arbeitsmarkt zu schließen, müssen Unternehmen entweder Mitarbeiter aus den eigenen Reihen nach Asien schicken oder Personal im Ausland für Asien rekrutieren, um dort unternehmerisches Wachstum und Erfolg sicherzustellen.“

Stichwort

Expatriaten
sind Menschen, die vorübergehend oder dauerhaft in einem anderen Land oder Kulturkeis als dem ihrer Herkunft leben. Typische Expatriaten sind Fachkräfte, die von ihren Arbeitgebern in ausländische Zweigstellen entsandt wurden.

Steigender Bedarf an Arbeitskräften, abnehmende Zahl von Expatriaten aus dem Westen

Im Rahmen der Studie wurden mehr als 500 Expatriate-Positionen in China analysiert und in sechs verschiedene Gruppen gegliedert:

  • Expatriaten aus dem Westen;
  • Expatriaten aus Hongkong/ Singapur;
  • Expatriaten aus Taiwan;
  • Expatriaten aus anderen asiatischen Ländern;
  • Alle Ausländer, die mit chinesischen Verträgen unter definierten „lokalen“ Bedingungen arbeiten (China-hired foreigners);
  • Chinesen, die im Ausland studiert oder gearbeitet haben und für einen Job in ihr Heimatland zurückkehren (returning Chinese).

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Anzahl der aus dem Westen entsandten Expatriaten mit 21,4 Prozent in China rückläufig ist (2006: 24,8 Prozent und 2005: 30,7 Prozent).

Die stärkste Gruppe bilden mittlerweile mit 41,3 Prozent die ausländischen Mitarbeiter mit definierten lokalen Vertragskonditionen.

Die Anzahl der Chinesen, die im Ausland studiert oder gearbeitet haben und wieder in ihr Heimatland zurückkehren, ist verglichen zu den Vorjahren ebenfalls gestiegen.

Gehälter für Expatriaten variieren je nach Herkunftsland

Im Durchschnitt sind die Gehälter der Expatriaten in 2007 verglichen mit dem Vorjahr um 0,5 bis ein Prozent gestiegen. In Einzelfällen betrug der Zuwachs auch zwei bis drei Prozent.

Die Höhe der Gehälter unterscheidet sich jedoch zwischen den verschiedenen Gruppen:

  • Überdurchschnittliche Gehaltssprünge konnten chinesische Top-Führungskräfte 2007 erzielen, die nach einem Auslandaufenthalt nach China zurückgekehrt sind; sie erhielten 9,4 Prozent mehr Gehalt als im Vorjahr.
  • Das höchste Jahresgehalt (inklusive Zulagen und Prämien) verdienten 2007 die Top-Führungskräfte aus dem Westen; sie erhielten im Schnitt knapp 400.000 US-Dollar im Jahr.
  • Expatriaten aus Hongkong/ Singapur wurden durchschnittlich mit rund 354.000 US-Dollar entlohnt.
  • Ausländische Führungskräfte mit chinesischen Verträgen brachten es auf 332.000 US-Dollar jährlich.

Die Prämienregelung blieb für die meisten Expatriaten unverändert: Zusatzleistungen wie die Übernahme der Kosten für eine internationale Schule kommen noch immer den nach China entsandten Mitarbeitern zugute. Hingegen gewähren fast alle befragten Unternehmen diese Leistung den Heimkehrern oder Ausländern mit chinesischen Verträgen nicht.

Die Entwicklungen in der Zukunft beurteilt Marco Reiners folgendermaßen:

„Dieser Trend [, Zusatzleistungen abzubauen,] wird sich fortsetzen, da Personalkosten zunehmend auch in China eine wettbewerbsentscheidende Rolle spielen.“

[mg; Quelle: Kienbaum Kommunikation; Bild: Fotolia]

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