PersonalmanagementHandel- und Konsumgüterbranche fehlt noch die Strategie

Handels- und Konsumgüter-Unternehmen der deutschsprachigen europäischen Länder erwarten rosige Zeiten beim Export. Weniger gut: Viele haben nach wie vor Defizite bei der Entwicklung einer Arbeitgebermarke. So fehlen ihnen die Spitzenkräfte, die sie eigentlich benötigten.

Mehr als 40 Prozent der Handels- und Konsumgüter-Unternehmen im deutschsprachigen Europa erwarten für die Zukunft steigende Exporte. Die Hälfte möchte verstärkt investieren und annähernd 90 Prozent sehen positive Effekte für die Beschäftigungslage. Als Wachstumsmärkte nennen die Unternehmen den europäischen Raum (56,8 Prozent) und den asiatischen Großraum (49,2 Prozent). Wachstumsfelder der Zukunft sind vor allem Öko-, Bio-, Wellness- und Gesundheits-Trends sowie eine wachsende Nachfrage nach Lifestyle-, Premium- und Convenience-Produkten.

Dies sind Ergebnisse der Studie „Handels- und Konsumgüterunternehmen 2007“, durchgeführt vom Wiener Büro der Managementberatung Kienbaum. Kienbaum hat 128 Unternehmen in Europa zu allgemeinen Wirtschaftstrends und Entwicklungen in der Personalarbeit befragt. Der Schwerpunkt lag dabei auf Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Marion Weber, Projektleiterin der Studie bei Kienbaum Wien, sagt:

„Handel und Konsumgüterbranche bewegen sich in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld geprägt von Preisdruck und Konzentrationsbewegungen. Neben einem Trend zur Internationalisierung kommt der Personalarbeit immer höhere Bedeutung zu. Auch aufgrund der demografischen Entwicklung und von Image-Problemen haben Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, Spitzenleute zu finden und zu binden. Insbesondere für die Positionen Vertrieb und Controlling werden im Wettbewerb um die besten Köpfe Rekrutierungs- und Personalarbeitsinstrumente immer wichtiger.“

Hohe Fluktuation und Personalkosten

Bei gut einem Drittel der Unternehmen (36,4 Prozent) liegen die Personalkosten bei mehr als 20 Prozent des Umsatzes; bei 31,8 Prozent machen sie einen Anteil von weniger als zehn Prozent aus und bei einem weiteren Drittel zwischen 10 und 20 Prozent. Die durchschnittliche Fluktuationsrate aller Unternehmen liegt bei 10,3 Prozent. Der Handel allein und Großunternehmen haben mit 12,6 beziehungsweise 12,9 Prozent überdurchschnittlich hohe Fluktuationsraten. Das Durchschnittsalter der ausscheidenden Mitarbeiter liegt bei rund 37 Jahren. Weber ergänzt:

„Die Folgen der demografischen Entwicklung werden sich auf die Personalsituation des Handels in Zukunft noch stärker auswirken. Im Wettbewerb, etwa mit den starken Brands der Automobilbranche oder im Bankensektor, müssen die Unternehmen ihre Arbeitgebermarke stärken und ihren Mitarbeitern attraktivere Entwicklungs- und Karrierechancen als bisher eröffnen.“

Mehr als die Hälfte der Unternehmen planen im nächsten Jahr bis zu zehn Prozent Neueinstellungen. Als Hauptgründe, warum sich ein Kandidat für ihr Unternehmen entscheidet, nennen die Unternehmen das Image, die Bekanntheit der Marke sowie Unternehmenskultur und Aufgabenfeld. Als Rekrutierungsmethoden dienen vordringlich Eigenanzeigen sowie Anzeigen und Direktansprache über Personalberater. Die Personalabteilungen von Handels- und Konsumgüterunternehmen haben die Herausforderungen der demografischen Entwicklung erkannt, aber nur wenige Großunternehmen arbeiten bereits an konkreten Strategien. Marion Weber weiter:

„Es sind insbesondere mittelständische Unternehmen, die für bestimmte Positionen Schwierigkeiten bei der Besetzung melden. Gerade hier ist sowohl in Sachen Employer Branding, also beim aktiven Aufbau einer Arbeitgebermarke, als auch bei der Ausgestaltung moderner Personal-Instrumente der Nachholbedarf am größten.“

[dw; Quelle: Kienbaum; Bild: pixelio]

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