Personalmarketing von KMU

KMU müssen sich im Wettbewerb um Fachkräfte gegen große Unternehmen durchsetzen. Mit strategischem Markenaufbau können sie das schaffen.

Besonders für mittelständische Unternehmen wird der Fachkräftemangel zunehmend zur Wachstumsbremse, deshalb können diese selbst bei guter Auftragslage keine neuen Investitionen tätigen. Zudem stehen die Mittelständler im „war for talents“ in direkter Konkurrenz zu den Großkonzernen. Diese haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt und sind aufgrund ihrer finanziellen und personellen Ressourcen in der Lage, flächendeckendes Personalmarketing zu betreiben.

Anders sieht es bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) aus: Wie der aktuelle Personal-Risiko-Index (PRI) zeigt, nimmt ein Großteil der Personalverantwortlichen im Mittelstand zentrale HR-Risiken auf die leichte Schulter. Auch hinsichtlich der Rekrutierungsmethoden gibt es hier noch Nachholbedarf. So setzen besonders kleinere Betriebe fast ausschließlich auf traditionelle Rekrutierungskanäle wie Stellenanzeigen in Printmedien oder Personalvermittler; nur ein geringer Teil nutzt auch moderne E-Recruiting-Instrumente.

Stärken und Schwächen als Arbeitgeber analysieren

Um sich auf dem Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, ist es deshalb besonders für mittelständische Unternehmen notwendig, nachhaltige Strategien zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität zu entwickeln. Wenn diese Strategien effizient gestaltet und an die Möglichkeiten des Unternehmens angepasst werden, kann dies sogar Zeit und Kosten sparen.

Mit Employer Branding wird der strategische Aufbau einer authentischen Arbeitgebermarke bezeichnet. Employer Branding senkt nicht nur den (finanziellen) Aufwand für die Personalbeschaffung, sondern hilft auch, die Qualität der Bewerbungen zu erhöhen und die „richtigen“ Bewerber für das Unternehmen zu finden – ein ideales Instrument für mittelständische Unternehmen, denen nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen, um sich gegen die zugkräftigen Marken der Großkonzerne durchzusetzen.

Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege, flexible Arbeitszeiten und persönliche Atmosphäre sind die Vorteile mittelständischer Unternehmen. Nutzen Sie diese Argumente zur Mitarbeitergewinnung, indem Sie systematisch die Stärken und Besonderheiten Ihres Unternehmens darstellen (Unternehmenskultur, Verdienstmöglichkeiten, Arbeitsklima, Weiterbildungsprogramme, Work-Life-Balance), um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Nach dem strategischen Aufbau besteht die Herausforderung darin, die Arbeitgebermarke kontinuierlich und einheitlich überall dort zu kommunizieren, wo Ihre Zielgruppe erreichbar ist. Folgende Instrumente haben sich auch bei eingeschränktem Budget bewährt:

1. Karriereseite

Für jeden vierten Bewerber ist die Firmenwebseite die erste Anlaufstelle, um sich über ein Unternehmen zu informieren. Eine aktuelle Karriereseite ist deshalb das wichtigste Instrument zur Personalakquise:

  • Nutzen Sie die Karriereseite nicht nur, um offene Stellen auszuschreiben. Wecken Sie das Interesse Ihrer Zielgruppe, indem Sie auch über mögliche Karrierewege, den Arbeitsort und das Unternehmen informieren.
  • Werten Sie die Karriereseite durch Videos und Fotostrecken auf. Damit ermöglichen Sie den Bewerbern einen realistischen Einblick in die Unternehmenskultur.
  • Zeigen Sie den Bewerbern, was Sie zu bieten haben. Gibt es in Ihrem Unternehmen Angebote zur Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle oder eine betriebseigene Kantine? Diese Informationen gehören unbedingt auf Ihre Karriereseite.

Doch die Gestaltung einer ansprechenden Karriereseite ist nur der erste Schritt – schließlich muss diese auch vom Bewerber gefunden werden.

2. Online-Jobbörsen

Die Nutzung von Online-Jobbörsen und Karriereportalen ist ein wichtiges Instrument zur erfolgreichen Personalrekrutierung. Doch viele Jobbörsen sind mehr als nur eine Online-Pinnwand für Ihre akut zu besetzenden Stellen. Vergessen Sie nicht, auch in diesem Rahmen Ihre einzigartige Employer Brand zu kommunizieren, um High Potentials auf sich aufmerksam zu machen:

  • Employer Branding fängt bei der Stellenanzeige an: In eine Stellenausschreibung gehört auch eine ansprechende Darstellung Ihres Unternehmens. Geben Sie Bewerbern die Möglichkeit, bereits durch das Lesen der Stellenanzeige einen guten Eindruck von Ihrem Unternehmen zu bekommen. Je länger die Verweildauer auf der Anzeige, umso höher ist auch die Motivation zur Bewerbung.
  • Fokussierung lohnt sich: Nutzen Sie neben den Massen-Portalen auch Angebote, die direkt auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens zugeschnitten sind. Suchen Sie vorrangig nach Bewerbern aus bestimmten Berufsgruppen, sind berufs- und branchenspezifische Angebote geeignet.
  • Nehmen Sie zusätzliche Präsentationsmöglichkeiten wahr: Ein Großteil der Fach- und Führungskräfte nutzt die Angebote von Online-Jobbörsen nicht nur zur Stellensuche, sondern besucht die Jobportale regelmäßig, um sich über Karrierechancen und interessante Arbeitgeber zu informieren. Individuell gestaltete Firmenprofile garantieren einen langfristigen Werbeeffekt.

3. Recruiting-Events

Auf Karrieremessen für Nachwuchskräfte und Professionals treten Sie direkt mit potenziellen Bewerbern in Kontakt. Werben Sie mit Ihrer ausgearbeiteten Employer Brand und geben Sie Interessenten die Möglichkeit, Mitarbeiter aus Fachabteilungen kennen zu lernen, da diese auch auf tiefergehende Fragen eingehen können.

Für Recruiting-Events gelten übrigens dieselben Regeln wie für Produktmessen: Zeigen Sie dort Präsenz, wo auch Ihre Zielgruppe zu finden ist. So gibt es Recruitingveranstaltungen speziell für KMU oder auch Messeveranstaltungen für bestimmte Fachrichtungen. Kooperationen mit regionalen (Fach-)Hochschulen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, um junge Talente zu erreichen, indem Sie an Vortragsreihen und Karriere-Events teilnehmen.

4. Social Media

Viele Unternehmen unterschätzen den Zeitaufwand, der mit der professionellen Nutzung von Social Media entsteht. Beschränken Sie sich lieber auf wenige Social-Media-Kanäle und pflegen Sie diese besonders sorgfältig. Eine gut gestaltete Facebook-Seite oder ein informativer Twitter-Kanal ist durchaus ausreichend, um Unternehmensneuigkeiten zu verbreiten und auf neue Stellenangebote auf der Karriereseite hinzuweisen. Sollten Sie noch weitere Kapazitäten haben, lohnt es sich, das Engagement auf Business-Netzwerke wie LinkedIn auszuweiten – hier gibt es viele Möglichkeiten, kreatives Personalmarketing zu betreiben.

Fokussierung auf die Zielgruppe

Die klassische Rekrutierung mittels Anzeigenschaltung in den Printmedien ist relativ teuer und hat nur eine geringe Reichweite. Deshalb ist es besonders für mittelständische Unternehmen mit kleinem Budget wichtig, modernes E-Recruiting zu betreiben und eine authentische Arbeitgebermarke zu kommunizieren. Für den idealen Personalmarketing-Mix gibt es kein Patentrezept, dennoch lassen sich mit einer klaren Fokussierung auf die Zielgruppe und auf relevante Kommunikationskanäle bereits beachtliche Erfolge erzielen.

So ist es einigen mittelständischen Unternehmen bereits gelungen, sich mit effizientem Employer Branding im Kampf gegen starke Konkurrenten zu behaupten. Dies zeigen auch aktuelle Rankings wie die jährliche Studie „Deutschlands beste Arbeitgeber“, bei der vermehrt Hidden Champions auf den ersten Plätzen auftauchen.

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