PodcastingJeder macht sein Internet-Radio

Längst haben Bild und Ton auch das Internet erfasst. Podcasting heißt der neueste Schrei. Die Technologie wurde sogar zum Wort des Jahres 2005 in Großbritannien gewählt.

Gastbeitrag von Gerd Huss, Grävenwiesbach *

Die Sinne spielen mit bei der schnellen Vermittlung von Informationen. Schnellere Datenströme, bessere Technologien und anwendungsfreundliche Dateiformate ermöglichen es, neben dem Bild auch das gesprochene Wort mehr zur Geltung kommen zu lassen. Podcasting steht für einen aktuellen Trend, der einfach funktioniert: praktisch jeder kann das gesprochene Wort aufnehmen und im Internet veröffentlichen.

Podcast

Bei Podcasts handelt es sich um aus dem Internet herunterladbare Audiodateien. Der Begriff ist dem MP3-Player "iPod" von Apple sowie der englischen Bezeichnung für "Sendung" (Broadcast) entlehnt.

Podcasts enthalten in der Regel keine Musik, sondern gesprochene Kommentare oder Interviews. Möglich sind aber auch Reportagen oder Vorträge sowie Anleitungen zum Beispiel für PC-Anwender oder Servicetechniker. Kurzum: Grundsätzlich alles, was sich mit dem Mikrofon aufnehmen lässt. Die schnell produzierten Audiodateien, in der Regel sparsame MP3-Formate mit ausreichend guter Qualität, werden ins Firmennetz oder ins Internet gestellt, wo andere sie abhören oder auch herunter laden können.

Der Nutzen von Podcasts

Eine Nutzung ist auch für größere Unternehmen interessant, insbesondere dort, wo es um die Verbreitung von Informationen in dezentrale Einheiten oder Zielgruppen geht. Vertrieb und Service sind dabei als Nutznießer im Fokus, aber auch die Bereiche Schulung und interne Kommunikation. Warum aber sollte das gesprochene Wort genutzt werden, wenn die Verbreitung von Informationen auch auf schriftlichem Wege, per E-Mail, funktioniert?

Diese Frage sollte bei aller Liebe zur innovativen Technologie jedes Mal vor der Anwendung gestellt und beantwortet werden. Sie fokussiert im Einzelfall, ob es sinnvoll und ökonomisch vertretbar ist, eine vertonte Sprachsequenz zu produzieren. Immerhin benötigt man für einen Text von einer DIN-A4 Seite etwa eine Stunde, die Tondatei sauber und anhörbar zu realisieren. Ist die Zweckmäßigkeit geprüft und bestätigt, können die Vorteile genutzt werden, die in der Kommunikation physisch und psychisch angelegt sind.

Die Mehrzahl der Menschen bedienen sich zur Orientierung in erster Linie des visuellen, und erst dann des auditiven Sinneskanals. Eine auditive Ansprache wirkt persönlicher, ist weniger abstrakt und erfordert weniger Konzentration als Lesen. Zumal ein gut verständlicher Inhalt auch neben der Durchführung von Routinetätigkeiten wahrgenommen werden kann.

Das bedeutet: Ein gesprochenes Wort erzielt mehr Aufmerksamkeit und Wirkung als ein geschriebener Text. Details können besser erklärt, Nuancen und Zwischentöne vermittelt werden. Die Akzeptanz ist bei gleichem Inhalt potenziell höher.

Podcasts im Vergleich mit anderen Medien

Natürlich erzielt das Medium „Bild und Ton“ in Form von Videosequenzen noch bessere Ergebnisse, aber das beinhaltet auch einen erheblichen Mehraufwand. Bei einer Zweckmäßigkeitsprüfung reduziert dies die Anwendungsfelder deutlich. Eine in diesem Zusammenhang nennenswerte Form moderner Kommunikation stellt die Nutzung von „collaboration platforms“ dar. Diese Technologie schafft die Basis für dezentrale Meetings im Web. Hier sind die Teilnehmer an ihre zeitliche Verabredung gebunden, wann sie sich zur Webkonferenz treffen.

Mehr als in einer klassischen Telefonkonferenz können im virtuellen Meetingraum über Distanzen hinweg Bild und Ton zur Veranschaulichung genutzt werden, um dabei Fragen zu klären und um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Es handelt sich also um eine Kommunikationsplattform, die einen unmittelbaren interaktiven Austausch ermöglicht. Immer mehr Vertriebsorganisationen verlegen einen Teil Ihrer Kommunikation in Webkonferenzen, um damit Zeit und Reisekosten einzusparen.

Podcasts bilden hierzu eine vorteilhafte Ergänzung, insofern kein interaktiver Austausch erforderlich ist. Die Audiodateien werden ins Netz gestellt und können zu einem beliebigen Zeitpunkt von Anwendern einer befugten Zielgruppe heruntergeladen werden. Die selbst bestimmte Zeiteinteilung, wann der Empfänger die Audiosequenz abhört, ist ein Vorteil dabei.

Mögliche Anwender in Unternehmen

Ein Außendienstler ruft zusätzlich zu seinen schriftlichen Unterlagen über ein neues Produkt die vertonten Instruktionen seines Vertriebsleiters ab. Dieser erklärt in wenigen Minuten, worauf es ihm jetzt besonders ankommt.

Ein SAP–Anwender lädt die vertonten Instruktionen von seinem Help – Desk herunter, die er für die Integration seiner Schnittstelle benötigt.

In Lernprogrammen auf e-Learning-Basis ist bereits häufig „das gesprochene Wort“ insbesondere in Anwenderführungen realisiert. Darüber hinaus sind Podcasts einsetzbar, um eine zielgruppenspezifische und kontinuierliche Begleitung von Lerngruppen im Sinne von Blended Learning zu unterstützen. Die Tutoren können so zum Beispiel Aufträge zur Vorbereitung auf das nächste Seminar oder für das nächste Web-Meeting erläutern und in das Forum der Lerngruppe stellen.

Technische Hürden sind letztlich mentale Hürden

Zum Abspielen von vertonten Instruktionen benötigt der Anwender einen „Player“. Standen diesen lange Zeit die IT-Administratoren mit ihrem vitalen Sicherheitsinteresse skeptisch gegenüber und verweigerten auf diesem Hintergrund die Installation im Firmennetz, setzen sich in letzter Zeit zunehmend die Flash-Player durch. Sie halten das Risiko eines Fremdeingriffs auf das Firmennetz überschaubar.

Allerdings scheuen sich noch so manche Unternehmen unter dem Vorwand eines Sicherheitsinteresses, die Kommunikationsmöglichkeiten für Ihre Mitarbeiter frei zu geben. Die Sorge, hier könnte das Internet und ein Multimedia-Player für nicht-geschäftliche Zwecke missbraucht und Arbeitszeit entfremdet werden, blockiert dort einen Schritt in die Zukunft der Kommunikation.

Als Führungstrainer kann man daraus ableiten, dass in diesen Unternehmen nicht hinreichend ergebnisorientiert kommuniziert und gearbeitet wird. Innerhalb eines funktionierenden Systems von Vertrauen und Zielvereinbarungen spielt es nämlich keine Rolle, ob ein Mitarbeiter eine halbe Stunde mit einem neuen Spiel verbringt – das einzig Relevante dabei ist, inwieweit er oder sie die vereinbarten Leistungsziele erreicht.

Einen ganz anderer Geist ist zu erkennen, wenn man nach einem „Gerät“ sucht, das die Tondateien produziert. Die Software zur Erstellung von vertonten Dateien kann als Freeware bezogen werden, die sich aus ihrem Selbstverständnis heraus für eine freie Kommunikation weltweit engagieren. Zahlungen werden für Nutzungen in Form von „free fees“ entgegengenommen, sind aber nicht obligatorisch. Diese Software ist absolut professionell und funktioniert einwandfrei auf allen Betriebssystemen. Linux inklusive.

Was wird noch für Podcasting benötigt?

Der Produzent benötigt ebenso wie der Anwender einen PC mit Soundkarte. Natürlich ist für den Produzenten auch ein Mikrofon notwendig. Ein gutes Headset für Internet-Telefonie reicht für normale Sprachaufnahmen aus und erzeugt eine sehr gute und rauscharme Tonqualität.

Wichtiger ist die Persona des Sprechers. Je nach Zielgruppe und Grad an Außenwirkung spielt die Auswahl eine Rolle. Grundsätzlich hört man sich eine gute Rhetorik und eine sympathische Stimme natürlich lieber an als ein unverständliches oder hektisches Gestammel. Denn es geht auch darum, Akzeptanz zu erzeugen. Und das gelingt besser, wenn die Person in der Sprecherfunktion flüssig und akzentuiert spricht. Für eine breite und zielgruppen- beziehungsweise firmeninterne Nutzung gilt jedoch: form follows function

Eine originale Ansprache der Belegschaft durch den Geschäftsführer erzielt trotz eines urigen Dialekts mehr Authentizität und Wirkung als die eines professionellen Radiosprechers. Das fertige Podcast kann einfach per E-Mailverteiler verschickt und muss zum Download auf einen Internet/Intranet-Server übertragen werden. Die Aufnahme kann dann auf Ihrer Homepage abgerufen – oder automatisch an bestimmte Verteiler gerichtet werden.

Will man mit Podcasts eine potenzielle Kundengruppe erreichen, also den vertonten Beitrag zu Informations- und Werbezwecken ins Internet stellen, werden diese über so genannte RSS-Feeds im üblichen XML-Format codiert und auf einen Podcast-Server übertragen. Interessenten abonnieren sich das ganze dann wie einen Newsletter und erhalten den Podcast automatisch frei Haus geliefert.

Gerd Huss ist Autor des online-Führungsinstruments „intraVox-Leadership“.

Kontakt:
Gerd Huss, Diplom Psychologe, Leadershiptraining/ Coaching
IntraVox-Consulting
Am Schlagbaum 22
D-61279 Grävenwiesbach/Hochtaunuskreis
Tel: 06086- 96 94 37
Fax 0721-151538127
Huss@intraVox-Consulting.de
www.intraVox-Consulting.de

[Bild: photocase]

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