PRFachartikel, Anwenderbericht und Success Story im Vergleich

Ein Werkzeug der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind Berichte in Medien. Was ist der Unterschied zwischen Fachartikel, Anwenderbericht und Success Story?

Public Relations (PR) versucht, mit einer Berichterstattung in den Medien auf ein Unternehmen oder Produkt aufmerksam zu machen. Eine professionelle Pressearbeit orientiert sich an den Bedürfnissen der Medien und weiß, welche Arten redaktioneller Beiträge für welche Medien infrage kommen. In Fachmagazinen sind die gängigen Formate Fachartikel, Anwenderbericht und Success Story. Was sind die Merkmale, wo liegen die Unterschiede?

 

Fachartikel und Anwenderberichte enthalten Nutzwert

Fachartikel und Anwenderbericht gehören idealtypisch zu den Sonderfällen des journalistischen Berichts. Es überwiegen der Nachrichtencharakter und die Objektivität der aufbereiteten Inhalte. Eigene geäußerte Ansichten beziehungsweise Meinungen der Autoren („Ich finde, dass ...“) sollten weder im Fachartikel noch im Anwenderbericht auftauchen. Fachartikel und Anwenderbericht sollten die typischen W-Fragen eines Berichts beantworten: Wer? Was? Warum? Wie? Wann? Wo?

Im Gegensatz zur Nachricht sind die Inhalte von Fachartikel und Anwenderbericht weiter gefasst. Die Autoren beleuchten Zusammenhänge und Hintergründe und schildern allgemeine oder – wie beim Anwenderbericht – auch konkrete Problemstellungen. Fachartikel und Anwenderbericht lassen sich außerdem dem sogenannten Nutzwertjournalismus zuordnen. Leser – und damit auch potenzielle Kunden – bekommen Hintergrundinformationen und Entscheidungshilfen sowie Ursachen von Problemen und mögliche Lösungen aufgezeigt. Dies verbindet Fachartikel und Anwenderbericht.

Fachartikel als Königsdisziplin der Pressearbeit

Doch worin unterscheiden sich Fachartikel und Anwenderbericht? In der redaktionellen Praxis gibt es Mischformen, sodass eine Abgrenzung notwendig erscheint. Dabei kommt dem Fachartikel eine prominente Sonderstellung zu. Der Fachartikel ist nicht einfach zu platzieren und schwierig zu schreiben. Sprachlich bewegt er sich auf dem Niveau des Fachjournalisten und seines Mediums.

Oft werden Beiträge unter dem Label „Fachartikel“ angeboten, obwohl sie es gar nicht sind. Zwar gibt es keine einheitliche Definition, was ein Fachartikel ist. Trotzdem lassen sich dem Fachartikel zentrale Merkmale zuordnen:

  • Mehrere DIN-A4-Seiten lang
  • Neutrale, objektive Darstellungsform
  • Hohes fachliches Niveau
  • Behandlung einer Fragestellung aus problemorientierter Perspektive
  • Auseinandersetzung mit einer generellen Fachthematik
  • Favorisiert kein einzelnes, herstellergebundenes Produkt
  • Geht nicht von einer kundenspezifischen Implementierung aus
  • Kann auch ein Grundlagen- oder Übersichtsartikel sein
  • Relativ hoher Nutzen für den Leser

Anwenderbericht aus der Sicht des Kunden

Ein Anwenderbericht wird aus der Sicht des Anwenders geschrieben. Nicht das Produkt mit seinen tollen Eigenschaften steht im Mittelpunkt, sondern der Anwender, der mit dem Produkt einen Nutzen erzielt. Ein Anwenderbericht gliedert sich in drei Bereiche:

  • Ausgangslage beziehungsweise Problemstellung
  • Problemlösung
  • Erfolge

Folgendes Beispiel zeigt, worauf es beim Erstellen eines Anwenderberichts ankommt.

Beispiel für den Aufbau eines Anwenderberichts

Ausgangslage und Problemstellung

Ein Unternehmen hatte im Rahmen eines Lizenzvertrages für Lohnbuchhaltungssoftware hohe Zusatzkosten durch Updates und Beratungsleistungen. Außerdem bereitete die bisherige Software Probleme bei der elektronischen Entgeltabrechnung. Das Unternehmen strebte einen Wechsel der Lohnbuchhaltungssoftware an.

Problemlösung

Das Unternehmen beauftragte einen Dienstleister mit der Implementierung einer neuen Software mit selbsterklärenden Menüs sowie ein Feature, durch das Support-Mitarbeiter direkt übers Telefon erreicht werden konnten.

Erfolge

Bei der neuen Software handeltet es sich laut Aussage des Unternehmens um eine anwenderfreundliche Lösung, die zudem ein Einsparpotenzial bei den Wartungskosten von mehreren Tausend Euro pro Jahr erzielte.

Bei diesem Beispiel wird der Blickwinkel des Anwenders deutlich. Die Problemstellung bestand in einem nicht optimalen Handling der bisherigen Lohnbuchhaltungssoftware. Um dies zu lösen, entschied sich das Unternehmen für einen neuen Anbieter, der den Auftrag zufriedenstellend umsetzte. Die Vorzüge und der Nutzen dieser Lösung werden dem Leser anschließend aufgezeigt. Der Sinn besteht darin, den Lesern zu zeigen, dass es sich lohnen kann, die Lohnbuchhaltungssoftware auf den Prüfstand zu stellen und eventuell auch den Anbieter zu wechseln.

Success Story ist vor allem ein Werbetext

Während Fachartikel und Anwenderbericht fachjournalistische Textsorten sind, trifft das auf eine Success Story nicht zu. Zwar beschreibt auch eine Success Story die erfolgreiche Anwendung eines Produkt oder den erfolgreichen Verlauf eines Projekts und geht, so wie der Anwenderbericht, von einer konkreten Implementierung aus. Im Mittelpunkt steht aber die Sicht des Herstellers beziehungsweise Anbieters auf seine eigenen Produkte und Dienstleistungen. Die Sicht des Herstellers auf sein Produkt ist ein Kennzeichen für einen Werbetext. Folgende Merkmale bringt die Success Story mit:

  • Selten länger als zwei oder drei DIN-A4-Seiten
  • Ein-Quellen-Text und damit keine journalistische Darstellungsform
  • Fehlende Objektivität und Unparteilichkeit

Manchmal wird versucht, aus einer Success Story einen Fachartikel zu machen, indem im Pressetext Zitate von Anwendern oder Spezialisten eingestreut werden, die das Produkt loben. Selbst wenn das die Einstufung des Textes als ein Mehr-Quellen-Text rechtfertigen würde. Aus der Success Story wird kein Fachartikel. Es fehlt die Objektivität und Unparteilichkeit.

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