ProfilUnternehmen suchen Mitarbeiter mit Auslandserfahrung

Die Internationalisierung an deutschen Universitäten eröffnet neue Potenziale für die Personalrekrutierung im deutschen Mittelstand.

Auch für große mittelständische Unternehmen stellt die Personalfrage im Auslandsgeschäft eine beständige und zuweilen unterschätzte Herausforderung dar. Die richtige fachliche Qualifikation, Kenntnisse der Sprache und Kultur Deutschlands und vor Ort, interkulturelle Kompetenz, geographische Mobilität sowie ein vertiefter Einblick sowohl in das Stammhaus als auch in den Zielmarkt heißen die Desiderate bei der Rekrutierung. Solche Mitarbeiter sind schwer zu finden (und zu halten)!

Die in den letzten drei Jahren energisch vorangebrachte Internationalisierung an deutschen Hochschulen eröffnet hier enorme Potenziale für Unternehmen, die eine längerfristige internationale Personalplanung betreiben.

Bewegung im deutschen Hochschulwesen

Unter dem Titel Hi! Potentials. International Careers Made in Germany haben sich im Jahr 2000 eine Vielzahl von Akteuren (wie Bund, Länder, DAAD, Hochschulen u.v.w.m.) in einer konzertierten Aktion zusammengetan, um die internationale Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Deutschland zu steigern.

Mit Erfolg. Begünstigt durch rund 110 Mio EURO, die hierfür aus den Zinserlösen der UMTS-Versteigerung zur Verfügung standen, haben sich eine Vielzahl von Parametern der Internationalität an deutschen Hochschulen in den letzten drei Jahren erheblich verbessert:

  • die Zahl der ausländischen Studierenden in Deutschland (ohne die sog. Bildungsinländer) ist von etwa 113.000 im Wintersemester 1999/2000 auf ca. 166.000 im Wintersemester 2002/2003 um über 44 Prozent gestiegen, mit steigender Tendenz;
  • mittlerweile über 1.600 Bachelor- und Masterstudiengänge, davon über 500 mit englischsprachigen Lehrinhalten, erhöhen die Akzeptanz deutscher Studienangebote im Ausland;
  • im Rahmen bilateraler Hochschulverträge sowie des europäischen ERASMUSProgramms verbringen inzwischen über 13.000 ausländische Studierende jährlich ein Austauschjahr an einer deutschen Hochschule;
  • schließlich konnten über 28 Studiengänge deutscher Hochschulen im Ausland aufgebaut werden, die prominentesten davon die kürzlich eröffnete German University Cairo, in Singapur das German Institute for Science and Technology oder in Bangkok die Thai-German Graduate School of Engineering.

In Ermangelung effizienter Auswahl- und Betreuungssysteme für den so generierten Bewerberandrang haben die deutschen Hochschulen nun zwar vereinzelt mit Kapazitäts- und Qualitätsproblemen zu kämpfen. Trotzdem kann man ohne Übertreibung feststellen: der Hochschulstandort Deutschland ist gefragter denn je.

Potenziale für das internationale Personalmanagement

Inwiefern können nun deutsche Unternehmen von diesem wachsenden Angebot internationaler Hochschulabsolventen in Deutschland profitieren? Die Vorteile dieser Kandidatengruppe liegen auf der Hand: eine gute fachliche Ausbildung, in der Regel solide deutsche Sprachkenntnisse und Vertrautheit mit der deutschen Kultur, interkulturell erprobt, mobil, preiswert und mit besonderem Potenzial für die Entwicklung internationaler Märkte einsetzbar.

Und doch bedeutet ein spürbarer Zuwachs an Praktikums- und Jobanfragen junger Chinesen oder Russen zunächst einmal noch keinen Mehrwert, da der Aufwand für die Prüfung, Auswahl und Einsatzplanung dieser Bewerber als sehr hoch eingeschätzt wird. So wurden in einer Umfrage unter 78 international ausgerichteten mittelständischen Unternehmen - einen generellen Personalbedarf vorausgesetzt - folgende Hindernisse für die Rekrutierung internationaler Nachwuchskräfte genannt (Mehrfachnennungen möglich):

hoher Aufwand für Arbeitsgenehmigung67 Prozent
Kompetenzverteilung mit den Auslandstöchtern59 Prozent
unzureichende Deutschkenntnisse52 Prozent
unzureichende Deutschkenntnisse47 Prozent
interkulturell bedingte Missverständnisse39 Prozent
mangelnde Berufserfahrung33 Prozent
Fehlende Rückkehrbereitschaft29 Prozent
überzogene Gehaltsforderungen27 Prozent
Berührungsängste in der Belegschaft18 Prozent

Neuausrichtung im internationalen Rekrutierungsprozess

Diese von Unternehmen wahrgenommenen Hürden lassen sich mit gar nicht so großem Aufwand bewältigen, erfordern jedoch an einigen Punkten eine gewisse Neuausrichtung im internationalen Rekrutierungsprozess.

  • Am Anfang sollte eine strategische Betrachtung der aktuellen Rekrutierungsprozesse stehen: wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Stammhaus und Auslandstöchtern, welcher internationale Personalbedarf im Leitungsbereich ist in den nächsten Jahren absehbar, welche Kenntnisse von Produkten, Märkten und Ansprechpartnern sind erforderlich, in welchen (inter- )kulturellen Kontext werden neue Mitarbeiter integriert?
  • Aufbauend auf diese Analyse lassen sich längerfristige (und preiswerte!) Personalmaßnahmen in die Wege leiten, welche internationale Absolventen von deutschen Hochschulen sinnvoll integrieren: strukturierte Praktikantenprogramme, internationale Traineeprogramme oder auch personelle Einzelmaßnahmen. Auch in die umgekehrte Richtung kann eine international ausgerichtete deutsche Hochschule involviert werden, z.B. indem sie ein Weiterbildungsangebot für eine internationale Mitarbeitergruppe erarbeitet und durchführt.
  • Um Reibungsverluste bei diesen Maßnahmen gering zu halten, sollten schließlich die jeweiligen Prozesse in ihrer (inter-)kulturellen Dimension bewusst beobachtet und ggf. durch Trainingsangebote begleitet werden. Auf der administrativen Ebene empfiehlt es sich, mit der zuständigen Arbeits- und Ausländerbehörde die geplanten Maßnahmen frühzeitig und kontinuierlich abzustimmen.

All diese Maßnahmen klingen nach großen Investitionen, liegen in der Summe aber klar im fünfstelligen Bereich. Vergleicht man die Kosten, die schon eine einzelne Auslandsentsendung oder eine internationale Rekrutierung über eine Personalberatung verursacht, so sind diese Aufwendungen schnell wieder eingespielt.

Dieser Gastbeitrag wurde uns freundlicher Weise von Tim Riedel zur Verfügung gestellt.
interpool Internationale Personaldienstleistungen
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Profil:

interpool ist eine auf internationale Hochschulabsolventen spezialisierte Personalberatung, die u.a. eine für Unternehmen und Absolventen kostenfreie internationale Praktikantenbörse betreibt. Neben seinem internationalen Personalpool bietet interpool vor allem konzeptionelle Beratung an, wie in der internationalen Personalplanung nachhaltig und preiswert internationale Führungskräfte aufgebaut werden können.

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