ProjektmanagementWie Sie mit Rangordnungen im Projektteam umgehen

In Projektteams bilden sich mit der Zeit Koalitionen und soziale Rangordnungen. Es entsteht ein Kräftefeld, das Projektleiter erkennen und beherrschen sollten.

Natascha K. ist aufgebracht. Hartmut ist der älteste und erfahrenste Mitarbeiter ihres Projektteams. Um frische Ideen ins Projekt zu bekommen, hatte sie bewusst einige jüngere Mitarbeiter in ihr Team berufen. Doch in Diskussionen, bei Planungen und Entscheidungen setzt sich Hartmut nahezu immer durch. Das innovative Potenzial der Jüngeren kommt deshalb nicht zum Tragen. Gleichzeitig nehmen die Spannungen zu: Zwischen Hartmut und den jüngeren Teamkollegen wurde bereits einige Male heftig gestritten.

Konfliktpotenzial durch Rangordnungen im Projektteam

Die Zusammensetzung eines Teams löst oft Konflikte aus, die dazu dienen, die Teamkonstellation zu klären: Wer im Team hat das Sagen? Wer ist neben der Projektleitung das Alpha-Tier, wer hingegen eher nachrangig? Es bildet sich eine soziale Rangordnung im Team heraus. Zudem entstehen verschiedene Koalitionen und Cliquen. Wie im Falle von Natascha K. brechen die Machtkämpfe früher oder später offen aus und können die Projektarbeit lähmen.

Die Projektleitung muss mit Spannungen im sozialen Gefüge ihres Teams rechnen und sollte deshalb von Anfang an für klare Machtverhältnisse sorgen. Andernfalls riskiert sie Reibereien, Cliquenbildung und Machtkämpfe.

Teammitglieder können unterschiedlichen Rangordnungen folgen

In einem produktiven sozialen System gibt es neun Rangordnungen, die sich überlagern und zusammenwirken; sechs von ihnen spielen in Projekten eine wichtige Rolle. Jede Ordnung folgt einem klaren Kriterium wie Hierarchie, Lebensalter oder Kompetenz und führt für sich genommen noch zu keinen Problemen.

Schwierigkeiten entstehen jedoch, wenn es in einem Team mehrere Rangordnungen gibt, die gleichzeitig Gültigkeit beanspruchen. Wenn die einen Teammitglieder dem Kriterium Kompetenz Vorrang geben, andere dem Kriterium Lebensalter folgen, wieder andere sich der hierarchischen Ordnung verpflichtet fühlen, sind Rangeleien und Statuskämpfe vorprogrammiert. Es kommt zu offenen, häufiger noch zu verdeckten Konflikten, in denen die Teammitglieder um ihre Position in der Gruppe kämpfen.

Rangordnungskriterien, die es in Projektteams geben kann

In Projektteams spielen die folgenden sechs Rangordnungen eine Rolle.

Ordnung gemäß Hierarchie

Hier wirkt die Hierarchie der Aufgabenbereiche. Wer einen größeren oder wichtigeren Aufgabenbereich verantwortet, der rangiert vor jenen, die einen kleineren oder unwichtigeren Bereich im Projekt verantworten.

Ordnung gemäß Dienstalter

Wer länger im Unternehmen arbeitet, hat Vorrang vor denen, die später angefangen haben. In langlaufenden Projekten bildet sich mitunter auch eine Rangordnung gemäß der Zugehörigkeit zum Projektteam. Wer bereits länger im Projekt mitarbeitet, genießt Vorrang vor den Neuankömmlingen. 

Ordnung gemäß Lebensalter

Die Älteren haben Vorrang vor den Jüngeren. Das Lebensalter steht hierbei oft für Wissen und Erfahrung, die mit zunehmendem Alter mehr werden.

Ordnung gemäß Kompetenz

Hier hat derjenige das größere Gewicht, der bei der fachlichen Arbeit die größere Kompetenz hat – selbst wenn der andere eine höhere Position innehat.

Ordnung gemäß Einsatz

Wer sich im Projekt mehr einbringt, wer mehr beiträgt, mehr Zeit, mehr Energie, mehr Wissen oder mehr Können einsetzt, hat Vorrang vor dem, der weniger investiert.

Ordnung gemäß Leistung

In Projekten spielt die Leistung des einzelnen Teammitglieds eine wichtige Rolle. Entscheidend ist dabei weniger der Einsatz an Zeit oder Energie als der Beitrag zum Projekterfolg. Wer in diesem Sinne der Leistungsstärkere ist, blickt auf leistungsschwächere Kollegen herab, die er eher als Trittbrettfahrer sieht.

Der Vollständigkeit wegen sei erwähnt: Neben den genannten Ordnungskriterien gibt es mit Eigentum, familiärer Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit noch drei weitere Kriterien, die allerdings in Projektteams keine Rolle spielen (sollten).

Rangordnungen sind nicht unbedingt schlecht

Die informelle Hierarchie der Teammitglieder spielt in Projekten eine wichtige Rolle. Ein gutes Arbeitsklima entsteht immer dann, wenn sich die Teammitglieder der verschiedenen Rangfolgen bewusst sind und diese auch anerkennen.

Denken wir an Hartmut im Projekt von Natascha K.: Er arbeitet schon sehr lange im Unternehmen und hat sich viele Verdienste und viel Anerkennung erworben. Ihm billigen die anderen Teammitglieder typischerweise mehr Einfluss zu als einem Kollegen, der gerade erst im Unternehmen angefangen hat. Doch auch ein Neuling kann vom ersten Tag an bei bestimmten Themen großen Einfluss haben, wenn die anderen ihn als herausragenden Experten anerkennen.

Konflikte zwischen den Ordnungsprinzipien lassen sich am ehesten ausgleichen, wenn die Teammitglieder einander ihre Potenziale anerkennen und den unterschiedlichen Rangordnungen Respekt erweisen. So fühlt sich Hartmut in seiner Rolle des erfahrenen, dienstältesten Mitglieds respektiert – und der neue Mitarbeiter erhält Wertschätzung für seine besondere Expertise.

Survival-Tipps für Hierarchie und Anerkennung in Projektteams

  • Rangordnungen entstehen, ob Sie das wollen oder nicht. Achten Sie aber darauf, dass diese Rangordnungen die Zusammenarbeit nicht behindern.
  • Sorgen Sie dafür, dass jede Rangordnung Beachtung findet und der Vorrangige die entsprechende Achtung erfährt.
  • Übertragen Sie wichtige Aufgaben und die Verantwortung dafür im Projekt klar und transparent an eine Person und schützen Sie deren Führungsanspruch.
  • Sprechen Sie Störungen sofort an, wenn sie die Zusammenarbeit im Team behindern. So beugen Sie schwelenden Konflikten vor, die das Klima im Team vergiften.
  • Geben Sie eindeutig dem Mitarbeiter Vorrang, der aufgrund seiner Kompetenz und seines Einsatzes eine gute Leistung bringt.
  • Denken Sie daran: Kompetenz muss anerkannt werden. Einsatz muss gewürdigt werden. Und Leistung muss belohnt werden.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Gesundheitstipps