QualifizierungWie Mitarbeiter Fremdsprachen lernen

Wie kann die Sprachkompetenz der Beschäftigten erweitert werden, um besser mit internationalen Kunden zu kommunizieren? Mit ausreichend Freiraum, geeigneten Lernformen und Anreizen lernen Mitarbeitende Fremdsprachen leichter.
Von Michael Blazek

Weiterbildung und Qualifizierung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen hoch im Kurs, sind ein geschätzter Anreiz und tragen zur Mitarbeiterbindung bei. Besonders wichtig dabei ist, dass man Gelerntes direkt im Job anwenden kann. Digitale Sprachkurse zählen zu den beliebtesten Weiterbildungsangeboten – egal in welcher Branche man tätig ist. Wie kann die Sprachkompetenz der Belegschaft erweitert werden, um besser mit internationalen Kunden zu kommunizieren?

Kommunikation und Sprachkompetenz sind in allen Funktionsbereichen wichtig

Viele Unternehmensbereiche zeichnen sich durch den engen Kontakt zu Kunden aus. Kundenkommunikation – auch in einer Fremdsprache – gehört zum Berufsalltag. Denn viele Unternehmen sind global aktiv. Studien zeigen, dass 75 Prozent aller Menschen Produkte wahrscheinlicher kaufen, wenn ihnen diese in der jeweiligen Muttersprache angeboten werden.

Auch bei der Kommunikation mit Geschäftspartnern helfen fundierte Sprachkenntnisse, um selbstbewusst in einer anderen Sprache zu diskutieren und zu verhandeln. Der erste Schritt zu einer mehrsprachigen Belegschaft ist es, die richtige Form der Qualifizierung und das passende Lernprogramm zu wählen. Außerdem müssen Mitarbeitende motiviert werden, das Angebot wahrzunehmen. Mit den folgenden Strategien wird Sprachenlernen in Ihrem Unternehmen erfolgreich umgesetzt.

Raum zum Lernen schaffen

Flexible Arbeitsmodelle sind gefragter denn je und auch Weiterbildung sollte zum Arbeitszeitplan der Mitarbeitenden passen. Nicht nur für die jeweiligen Aufgaben am Arbeitsplatz sollte eine geeignete digitale Infrastruktur verfügbar sein, sondern auch für Qualifizierung und Weiterbildung.

Gerade das Sprachenlernen braucht Zeit. Deshalb sollten zunächst die Rahmenbedingungen festgelegt werden, um zu bestimmen, wie das Lernen am besten in den Berufsalltag integriert wird. Wenn Mitarbeitenden die Option geboten wird, sich während der Arbeitszeit weiterzubilden, wird signalisiert, dass Lernzeit als Arbeitszeit anerkannt wird. Angestellte sollten nicht ihre Freizeit opfern müssen, um Weiterbildungsangebote wahrnehmen zu können. Um Arbeitszeit und Lernzeit erfolgreich zu vereinen, sollte darauf geachtet werden, dass sich Teams ihre Lernzeit flexibel einteilen und selbst entscheiden können, wann sie lernen wollen.

Um Raum für diese Flexibilität zu schaffen, können Sprachkurse digital angeboten werden, sodass Mitarbeitende passend zu ihrem Terminkalender entweder an Live-Kursen teilnehmen können oder etwa per App eigenständig lernen können. Teams untereinander zu vernetzen, kann außerdem hilfreich sein. Hier können digitale Kommunikationstools verwendet werden, um so zusätzlich den Austausch zu fördern.

Gemeinsames Lernen ermöglichen

Sprachenlernen funktioniert besser in einer Gruppe. Für solche Lernteams müssen die richtigen Bedingungen geschaffen werden. Durch Formate wie Lerngemeinschaften, Learning Lunches oder andere Meeting-Formate wird signalisiert: Wir wissen, was gut funktioniert, um die Lernkultur zu fördern, und unterstützen Mitarbeitende durch passende Gelegenheiten, das Gelernte miteinander und dann „on the job“ anzuwenden.

Mitarbeitende sollten nicht einfach allein vor sich hin lernen, sondern sie sollten den Gemeinschaftscharakter des Sprachenlernens spüren – auch wenn man nicht zusammen in einem Klassenzimmer sitzt.

Lernergebnisse prüfen

Aus der Forschung ist bekannt, dass es etwa zwei Monate dauert, bis aus Gelerntem eine Routine wird. Es lohnt sich, zwischendurch eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und sich zu fragen:

  • Was hat beim Lernen gut funktioniert?
  • Welche Rahmenbedingungen müssen angepasst werden?
  • Wo gibt es noch Lücken beim Lernstoff?
  • Welche Lerninhalte brauchen noch (mehr) Routine?

Lernfortschritte zelebrieren

Motivation spielt beim Lernerfolg eine wichtige Rolle. Es kann hilfreich sein, Mitarbeitende mittels wöchentlicher Erinnerungen zu motivieren, Lerneinheiten zu absolvieren oder ihren Fortschritt durch eine Reporting-Funktion zu visualisieren. Ebenso können Rankings oder Wettbewerbe anspornen: Wer wird „Learner of the Week“?

Merchandise, wie Notizbücher, Trinkflaschen oder Sweatshirts, ob mit oder ohne Firmenlogo, oder auch zusätzliche Lerneinheiten sind ein guter Weg, Erfolge zu feiern. Damit wird gleichzeitig der Einsatz der Mitarbeitenden gewürdigt.

Welche Fremdsprachenkenntnisse werden im Beruf gebraucht?

Wie gut sollte man eine Fremdsprache für die Kommunikation mit Kunden überhaupt beherrschen? Wenn Fremdsprachenkenntnisse für den Beruf verlangt werden, setzt dies meist voraus, dass die Sprache verhandlungssicher gesprochen wird. Im Detail bedeutet das:

  • Smalltalk sollte in der Fremdsprache ohne Probleme geführt werden können.
  • Branchenspezifisches Fachvokabular in der jeweiligen Sprache sollte vorhanden sein.
  • Das Hörverstehen in geschäftlichen Telefonaten oder Meetings ist so gut ausgeprägt, dass Missverständnisse vermieden werden können.
  • Verhandlungen und Diskussionen können sicher geführt werden.

Gemäß dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen empfiehlt es sich, ein Sprachlernprogramm zu wählen, das Mitarbeitende von der elementaren Sprachanwendung A1 bis hin zu einem fortgeschritteneren Level, etwa B2, begleitet.

Welche Sprachen sollten abgedeckt werden?

Welche Sprachen innerhalb eines Unternehmens beherrscht werden sollten, ist oft branchenabhängig. Englisch ist für weltweit mehr als 350 Millionen Menschen die Muttersprache und hat sich durch die Vielzahl britischer Kolonien als Weltsprache durchgesetzt. Als zuverlässige Transmittersprache ist Englisch unabdingbar für die interkulturelle Kommunikation und somit auch für die Verständigung mit geschäftlichen Kontakten.

Wer in der Tourismus- und Reisebranche oder in einem Hotel tätig ist, kommt in vielen Fällen um Spanisch nicht herum. Als Landessprache in mehr als 20 Ländern und mit über 400 Millionen Menschen, für die Spanisch ihre Muttersprache ist, wird deutlich, welches Potenzial im Spanischlernen steckt.

Französisch ist wiederum relevant für Personen, die beispielsweise der Pharmaindustrie oder im Telekommunikations-, Luftfahrt- und Energiesektor tätig sind, denn hier sind französische Unternehmen führend. Mit über 200 Millionen Muttersprachlern und Muttersprachlerinnen weltweit lohnt es sich, die Sprache wichtiger Handelspartner zu lernen.

Fazit

Um in einem zunehmend internationalen Umfeld bestehen zu können, sollten Unternehmen in Qualifizierung für mehrere Sprachen und in ein flexibles Sprachlernprogramm für die Belegschaft investieren. Sprachtrainings helfen nicht nur dabei, Unternehmen besser für die Zukunft zu wappnen. Sprachkenntnisse sind unabdingbar, wenn es darum geht, erfolgreich neue Geschäftsfelder zu erschließen.

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