RekrutierungWie Sie Praktikanten testen

In vielen Schulen werden Praktikumswochen angeboten. Damit erhalten Schüler, die im Herbst die Schule verlassen, die Möglichkeit, in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern. Für Sie ist das eine gute Gelegenheit, Abgänger zu testen. Aber auf welche Kriterien sollten Sie achten, wenn Sie entscheiden, wer für eine Ausbildungsstelle in Ihrem Unternehmen in Frage kommt?

Befähigung zum Umgang mit Menschen

Beobachten Sie Ihren Praktikanten, wie er sich zu anderen Menschen verhält. Nimmt er Anweisungen seiner Vorgesetzten willig an? Beweist er grundsätzlich Freundlichkeit zu den Kunden? Ist er kollegial zu Mitarbeitern? Wie kommuniziert er und bringt sich selbst ein? Vorsicht: Wenn jemand sehr schüchtern erscheint, sollten Sie das zunächst nicht überbewerten. Denn erfahrungsgemäß tauen junge Mitarbeiter im Laufe der Ausbildung auf. Allerdings sollten Sie aufpassen, ob jemand einen grundsätzlich verschlossenen Eindruck macht. Beobachten Sie, ob der Praktikant allmählich mehr Sicherheit gewinnt, und wie er seine kommunikativen Fähigkeiten entwickelt.

Sprachfähigkeit und Rechnen

Die Beherrschung der deutschen Sprache ist ein Muss. Ein dialektaler Einschlag muss kein Nachteil sein, wenn ein großer Teil Ihrer Kundschaft ebenfalls Dialekt spricht. Geben Sie dem Praktikanten gleich zu Anfang ein paar Tipps (zum Beispiel „kurze Sätze bilden“) und beobachten Sie, wie er Ihre Anweisungen umsetzt.

An Ausdrücken der Jugendsprache („fett“, „krass“) sollten Sie sich persönlich nicht stören - bitten Sie den Praktikanten aber darum, vor allem Kunden gegenüber nicht in dieser Weise zu sprechen. Beobachten Sie, ob die Sprache im Kundenkontakt höflich und angemessen ist - und der Praktikant auch hier lernfähig ist.

Rechnen gehört natürlich zu den Grundfertigkeiten eines Kaufmanns. Bei Gelegenheit sollte der Praktikant im Lager oder an den Regalen Waren zählen, unter Aufsicht an der Kasse arbeiten oder kleinere, vorbereitende Buchhaltungsaufgaben übernehmen. Bei diesen Arbeiten sehen Sie schnell, ob er die Grundrechenarten beherrscht.  

Einhaltung von Formalien

Ob der Praktikant Formalien einzuhalten bereit ist oder nicht, zeigt, wie interessiert er an einer eventuell späteren Berufsausbildung ist und ob er die nötige Disziplin dafür aufbringt. Vereinbaren Sie daher feste Arbeitszeiten (Beginn und Ende der Arbeitszeit, Pausen). Gerade die ungewohnt langen und anstrengenden Tage sind ein erster Härtetest, ob der Schüler genügend „Biss“ für die Ausbildung hat. Zu den Formalien gehört auch, dass er sich mit einem gepflegten Äußeren auf die Kundschaft einstellen kann.

Denken in Zusammenhängen

Natürlich können Sie von Ihrem Praktikanten nicht verlangen, dass er in der kurzen Zeit alle Abläufe Ihres Geschäfts versteht. Aber einfache Zusammenhänge sollte er möglichst selbständig erkennen können: Wenn Ware angeliefert wird, muss sie ausgepackt und im Lager verstaut oder in die Regale gestellt und mit Preisetiketten versehen werden. Die Ladeneingänge müssen morgens pünktlich geöffnet werden, weil sonst die Kunden vor verschlossenen Türen stehen. Ohne Beleg kann kein Umtausch gewährt werden etc. Mangelt es dem Praktikanten schon bei einfachen Vorgängen an dem nötigen intuitiven Verständnis, ist er in der Regel für eine Ausbildung im Verkauf nicht geeignet.

Geeignet?

Kommen Sie zu dem Ergebnis, dass der Praktikant ein guter „Griff“ wäre, sollten Sie ihn zum Schluss des Praktikums ansprechen und ihm den Ausbildungsplatz in Aussicht stellen. Zeigt er sich interessiert, bitten Sie seine Eltern zu einem Termin, damit Sie etwas mehr über seine Hintergründe erfahren.

So finden Sie Praktikanten

Gute Auszubildende werden wieder stärker gesucht. Sichern Sie sich jetzt die besten Abgänger und bemühen Sie sich aktiv um Praktikanten und potenzielle Auszubildende.

 

  • Nehmen Sie Kontakt zu naheliegenden Schulen, deren Abgänger als Auszubildende in Frage kommen, auf.
  • Ansprechpartner ist zunächst der Schulleiter, die Sie an entsprechende Beauftragte an den Schulen verweisen werden.
  • Bieten Sie einen Tag der offenen Tür an und verbinden Sie diesen mit einem kleinen Programm. Die Jugendlichen sollten dabei sinnliche Erfahrungen machen (hören, sehen, fühlen, tasten) oder vielleicht selbst etwas durchführen oder herstellen können.
  • Die Nachricht, dass Sie Auszubildende suchen, sollte in den Schulen am Schwarzen Brett oder anderen Informationstafeln zu finden sein.
  • Bieten Sie für die Ferien auch die Möglichkeit, gegen Entgelt zu arbeiten. Auch das ist eine gute Möglichkeit, junge Menschen zu testen.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel