ResilienzWie Unternehmen in 7 Schritten krisenfester werden

Wie werden Unternehmen resilienter? Welche Maßnahmen innerhalb und außerhalb können Sie treffen? Inwiefern trägt die Unternehmenskultur zur Krisensicherheit bei? Wie Sie sich Schritt für Schritt auf potenzielle Krisenfälle vorbereiten.
Von Alois Schrems

Resiliente Systeme sind flexible Systeme. Sie schaffen es, sich immer zwischen Erhaltung, Reorganisation und Wachstumsphase zu bewegen. Das gelingt, wenn durch Innovation die kreative Zerstörung rechtzeitig und in ausreichendem Maß vorweggenommen wird. Erfolgt die antizipierte Innovation zu langsam, bricht das System zusammen. Das gilt für Unternehmen genauso wie in der Biologie.

Unternehmen müssen rechtzeitig erkennen, wann von außen oder von innen Veränderungen eintreten, um rechtzeitig handeln zu können. Letztlich soll die Widerstandskraft von Unternehmen gestärkt werden, um die Verletzlichkeit gegenüber Schocks zu verringern. An diesem Punkt legen wir nun den Resilienzgedanken auf strategisches Management um und stellen die Fragen:

  • Was unterscheidet wachsende, krisensichere Unternehmen von jenen, die im Krisenfall wie gelähmt sind und schlicht untergehen?
  • Wie können Unternehmen resilienter werden?

In 7 Schritte zum resilienten Unternehmen

Welche Wege müssen eingeschlagen werden, um die Resilienz von Unternehmen zu erhöhen? Welche aktiven Handlungsfelder vergrößern die Widerstandskraft eines Unternehmens? Ausgangsbasis für die sieben Schritte zur Resilienz bildet die Tatsache, dass es zur Schaffung von Unternehmenswerten strategische Initiativen benötigt, deren konkrete Umsetzung zu positiven Ergebnisse führt. 

1. Lebende Strategie entwickeln

Eine Strategie ist nur so gut wie ihre Umsetzung. Beachten Sie deshalb, dass eine strategische Initiative sich in den Prozessen in der Organisation und im Verhalten der Mitarbeitenden wiederfinden muss. Ansonsten bleibt sie wirkungslos.

2. Diversifikation umsetzen

Setzen Sie nicht alles auf ein Pferd, sondern diversifizieren Sie! Unternehmen müssen ihr Portfolio ständig auf den Prüfstand stellen, denn schnell können auf Grund externer Veränderungen innerhalb des Produktportfolios „Cash Cows“ zu „Poor Dogs“ werden.

Die neu entwickelten „Stars“ fangen gar nicht an zu leuchten, weil es für diese Produkte keine effektive Vertriebsstrategie gibt. Die ständige Überprüfung neuer Märkte und Produkte hält ein Unternehmen wach und lässt es auf unerwartete Entwicklungen schnell reagieren.

3. Außensicht berücksichtigen

Unternehmen müssen aktiv ihre Ökosysteme, die sie umgeben, beobachten. Instrumente wie Umfeld- oder Stakeholderanalysen erleichtern Innovations- und Investitionsentscheidungen und bieten eine Art Frühwarnsystem, damit Veränderungen rascher wahrgenommen werden können. Gerade in schwierigen Zeiten ist es ein entscheidender Vorteil, einen Außenradar zu haben und auch darauf zu reagieren.

Experten gehen davon aus, dass Auswirkungen des Alterns zwar die Politik zunehmend beschäftigen, jedoch das Problembewusstsein für die Konsequenzen des demografischen Wandels in den meisten Unternehmen noch gering verbreitet ist. Als eine der möglichen Ursachen werden die immer kürzer werdenden Planungshorizonte der Betriebe angeführt. Zwar möchten viele Personalverantwortlichen dem demografischen Wandel mehr Aufmerksamkeit schenken, doch bis zur Umsetzung in konkrete Schritte ist es oftmals ein weiter Weg.

4. Unternehmen von innen stärken

Mitarbeiter sind die (knappe) Ressource der Zukunft. Unter der Annahme, dass weltweit technische Optimierungstechnologien gleich angewendet werden können, liegen die strategischen Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens in der Innovationskraft der Mitarbeiter.

5. Offene Unternehmenskultur etablieren

Nur mit einer aktiv gestalteten Unternehmenskultur, die auf Offenheit und Dialog setzt, können intern die besten Ideen entstehen und so Wachstumspotenziale geschaffen werden. In Zeiten von Social Media ist offene Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen ein Muss. Unternehmen sind nicht mehr nur Sender von Informationen, im Social Web sind sie Gesprächsthema, Dialogpartner auf Augenhöhe und Experte.

Durch Social Media können alte Strukturen aufbrechen und Einfluss und Macht werden neu verteilt. Unternehmen sollten daher regelmäßig ihre Unternehmenskultur hinterfragen und neu ausrichten.

6. Einfache Lösungen bevorzugen

Gerade in schwierigen Zeiten kommt es dazu, dass Unternehmen Komplexität unnötigerweise erhöhen. Wenn Umsätze und Gewinne einbrechen, sucht das Management nach raschen Lösungen und macht damit alles meist noch schwieriger.

Resiliente Unternehmen bauen Komplexität ab. In jeder Organisation gibt es überlieferte und nicht mehr zeitgemäße Prozesse und bürokratischen Ballast. Unternehmen fahren besser, wenn sie ihre Innen- und Außenwelt einfacher gestalten. 

7. Das Ganze sehen

Management in schwierigen Zeiten erfordert Weitblick. Detailfragen verstellen oft die Sicht aufs Ganze. Das Management muss sich die generische Sicht auf das Geschehen in einem Unternehmen bewahren. Einen Lösungsansatz aus der Managementlehre bietet dazu das St. Galler Management-Modell an, da es eine ausgewogene analytische Sicht von innen aber auch von außen bietet.

Hinter den sieben Schritten stehen Methoden und Tools, die wir aus der aktuellen Unternehmensberatung und Organisationsentwicklung kennen. Neu ist, diese in der Systematik und im Verständnis der Resilienz anzuwenden und daraus auch die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Zum Schluss sei Managerinnen und Managern in Unternehmen eine Art Leitsatz ans Herz gelegt: Unternehmen und Organisationen mit hoher Resilienz sind besser für die Zukunft gerüstet.

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