Roboter kommen, Mitarbeiter gehen

Durch Roboter fallen immer mehr Jobs weg. Doch welche Folgen die Digitalisierung wirklich mit sich bringt, kann heute (noch) niemand sagen. Zahlen und Fakten zur Entwicklung des Digitalen.

In den 1980er-Jahren, noch vor Apple und dem Internet, fragten die Menschen nach den Gefahren, die von Computern ausgehen. Das Gespenst der Massenarbeitslosigkeit wurde beschworen. Die Angst war unbegründet. Seit immer mehr Roboter in Fabrikhallen rotieren, steht das Thema erneut auf der Tagesordnung von Gewerkschaften, Wissenschaftlern und Journalisten. Im Dezember 2017 schockte das McKinsey Global Institute mit der Aussage, dass bis 2030 fast ein Viertel aller Arbeitsstunden durch Automatisierung wegfallen. Frauen sind besonders betroffen, heißt es in einer Studie des Weltwirtschaftsforums aus Davos. Das hohe Lohngefüge befördert diese Entwicklung, und das selbst in China, wo die Löhne für Fabrikarbeiter jährlich um 20 Prozent steigen. Von dort kehren die abgewanderten 1,2 Millionen Jobs der amerikanischen Textilindustrie jetzt zurück, da China und auch Indien dank roboterisierter Fertigung in den USA keinen Kostenvorteil mehr bieten.

Der deutsche Arbeitsmarktforscher Holger Bonin hat errechnet, dass sich die Arbeitsplätze von fünf Millionen Erwerbstätigen automatisieren lassen. Etwa ein Viertel der Hochschulabsolventen ist betroffen, aber 80 Prozent der Geringqualifizierten müssen sich sorgen. Es werden sich auch neue Aufgaben ergeben, die aber nichts mit den alten gemein haben.

Software frisst die Welt

Auch die Arbeitsplätze im klassischen Einzelhandel sind durch die Digitalisierung betroffen. Der Onlinehandel tritt an die Stelle der Ladentheke. In den Versandzentren von Amazon packen immer mehr Roboter die bestellten Artikel in Kartons. Onlinehandel reduziert drei Kostenfaktoren drastisch: Mieten, Arbeitskosten und Diebstahl. Viele, ja fast alle Tätigkeiten werden von der Digitalisierung erfasst. IT ist eine echte Allzwecktechnologie. Sie wird alle Branchen einschließlich der Jobs umpflügen. Software frisst die Welt, so Netscape-Gründer Marc Andreessen.

Wie die Prognosen auch immer ausfallen, noch sind die Einflüsse der Robotik auf die Arbeitswelt schwer einschätzbar. Die Künstliche Intelligenz kann bestimmte Aufgaben übernehmen, wird aber nicht allzu schnell ganze Berufe ersetzen. Der Strukturwandel von der Industriegesellschaft in die Digitalwelt hat alte Jobs vernichtet, aber auch neue geschaffen. Geht das so weiter? Renommierte Wissenschaftler diesseits und jenseits des Atlantiks melden Zweifel an und begründen dies mit der Entwicklung Künstlicher Intelligenz und dazugehöriger Roboter.

Einzelbeispiele des Robotereinsatzes lösen Vermutungen und Ängste aus. Die Arbeitsmarktstatistik bietet aber keine eindeutigen Belege für die jobkillende Wirkung von Robotern. Japan und Südkorea, Länder mit dem höchsten Robotereinsatz Asiens, beweisen dies mit ihrer geringen Arbeitslosigkeit.

Immer höhere Produktivität bei immer weniger Arbeitskräften

Wie sehr die Roboterisierung die Beschäftigten benachteiligt, zeigt die ungleiche Entwicklung von Produktivitätszuwachs und Lohnquote seit 1980. Die Produktivität steigt, Wachstum ist gegeben, doch die Lohnquote bleibt zurück und die Anträge auf Sozialhilfe steigen. Es werden mehr Dinge hergestellt, aber das mit immer weniger Arbeitskräften. Man spricht von „jobless recovery“, beschäftigungsfreiem Wachstum.

Als Therapie gegen die Roboterinfektion wird Höherqualifizierung empfohlen. Aber Vorsicht: Die Roboter haben es auch auf anspruchsvolle und gut bezahlte Tätigkeiten abgesehen. IT-Vordenker empfehlen, mit Robotern zu kollaborieren, beziehungsweise „mit den Maschinen zu laufen“ und nicht gegen sie. Dieses Rezept mindert vielleicht den von den Robotern verursachten Schmerz, aber heilt nicht die Infektion.

Die deutsche IT-Forscherin Jeschke meint: „Wir müssen uns fragen, ob Menschen nur dann vernünftig existieren können, wenn sie von Erwerbsarbeit leben.“ Das ist für viele die Schlüsselfrage der digitalen Zukunft. Es mag vielleicht trösten, dass das deutsche Arbeitskräftepotenzial als Folge des demografischen Wandels bis 2030 um drei Millionen sinken wird.

Dazu im Management-Handbuch

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