RückblickTrends für die Wirtschaft und ihre Bedeutung

Zum Jahreswechsel: Immer wieder werden neue Trends für Wirtschaft und Unternehmen herausgestellt. Doch gerade, wenn die alten Trends noch einmal betrachtet werden, zeigt sich, wie nachhaltig diese sind.

Viele Experten für Wirtschaft und Management betätigen sich gerade zum Jahreswechsel gerne als Vordenker für Trends, Chancen und Risiken, denen sich alle Unternehmen gegenüber sehen. Zum Jahreswechsel 2005/2006 haben die Experten der Unternehmensberatung McKinsey, Ian Davis und Elizabeth Stephenson, zehn globale Trends identifiziert, die das Wirtschaftsleben im Allgemeinen und die Chancen und Risiken für Unternehmen im Besonderen prägen werden.

Auch wenn sich nach nur einem Jahr noch nicht sagen lässt, ob diese Vorhersagen stimmen, machen einige Ereignisse des Jahres 2006 doch deutlich, wie sie einzuschätzen sind. Die meisten zeigen: Die zentralen Herausforderungen sind immer noch die alten. Doch einiges wird heute klarer gesehen.

Einige Vorhersagen aus dem Jahr 2006 für die folgenden zehn Jahre:

Makroökonomische Trends

Die Zentren der ökonomischen Entwicklung werden sich grundlegend verlagern, nicht nur global, sondern auch regional. Die Wirtschaftskraft Chinas oder Indiens wird weiter wachsen und die vieler anderer Länder übertreffen. Das sind nicht nur die Absatzmärkte von heute, sondern auch die Produktions- und Forschungsstandorte von morgen. Global Player wie die Allianz zeigen mit ihren Beteiligungen an chinesischen Versicherungs- oder Bankenunternehmen, dass sie diese Herausforderung angehen.

Die Aktivitäten des öffentlichen Sektors werden weiter ansteigen. Er ist für die Versorgung seiner vielen Beschäftigten und Pensionäre verantwortlich, was eine zentrale Herausforderung sein wird. Eine Lösung: Die Prozesse und Dienstleistungen müssen weiter verschlankt werden; der Staat muss kreativ und innovativ agieren. Einige modern gemanagte Krankenhäuser zeigen, welche Potenziale hier freigesetzt werden können.

Die Ausgaben der Konsumenten werden weltweit stark ansteigen. Das gilt insbesondere für die Länder und Märkte, die sich gerade erst entwickeln. Nicht nur in China und Indien erzielen die Menschen nach und nach ein Haushaltseinkommen, das sie als Konsumenten für Unternehmen attraktiv macht. In den so genannten „Emerging Markets“ werden die Verbraucher in den nächsten acht Jahren mehr als doppelt so viel ausgeben, wie heute. In den Industrieländern wird es vor allem Verschiebungen der Verbrauchergewohnheiten geben. Die 50plus-Generation wird an Bedeutung gewinnen.

Soziale und Umwelt-Trends

Die technologische Entwicklung wird die Art und Weise, wie Menschen leben und miteinander umgehen, grundlegend verändern. Gerade die Informationstechnologie und das Internet, werden dazu beitragen, dass räumliche Grenzen an Bedeutung verlieren. Schon jetzt finden sich viele Paare übers Internet. Informationen werden zu einem allgemein zugänglichen Gut. Unternehmen wie Google werden dabei die zentrale Rolle spielen.

Der Kampf um talentierte und kompetente Mitarbeiter wird sich verschärfen. Dabei werden die Industrieländer auch auf Mitarbeiter aus anderen Ländern zurückgreifen müssen, um ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften und Ingenieuren zu decken. Sie rekrutieren weltweit – so wie sie heute schon Rohstoffe und Produkte global beschaffen.

Nachdem sich in Deutschland die Lage am Arbeitsmarkt positiv entwickelt hat, wird der Mangel an Fachkräften schon sichtbar. Das wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken, auch wenn viele Unternehmen dieses Problem verdrängen. Employer Branding wird ein Erfolgsfaktor.

Das Verhalten der großen Unternehmen wird mit immer kritischeren Augen betrachtet. Konsumenten, Bürgerrechts-, Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen werden streng prüfen, wie sich diese Unternehmen auf den unterschiedlichen Märkten verhalten. Und mancher Staat wird dem Druck der öffentlichen Meinung nachgeben und entsprechende Vorschriften erlassen. Ob Energiekonzerne Monopolgewinne einstreichen, Elektronikriesen Korruption pflegen oder Sportartikelhersteller Kinder für sich arbeiten lassen – immer mehr davon wird öffentlich sichtbar und dem Image dieser Unternehmen schaden.

Der Verbrauch an natürlichen Ressourcen wird weiter zunehmen. Das bedeutet, knappe Rohstoffe wie Erdöl werden immer teuerer und die Emissionen werden weiter steigen. Schon jetzt sind die Rohstoffpreise für viele Produktionsbetriebe beträchtlich gestiegen. Die Anzeichen für einen Klimawandel durch CO2-Emissionen verstärken sich. Das wird für viele Branchen und Unternehmen zum unkalkulierbaren Risiko – nicht nur für Rückversicherer.

Wirtschafts- und Branchen-Trends

Mit der technologischen Entwicklung und sich veränderndem Verbraucherverhalten werden sich auch die Strukturen vieler Branchen stark verändern. In einigen werden sich wenige große Giganten weltweit durchsetzen und zahlreiche kleine in Nischen ein gutes Auskommen haben; doch das mittlere Segment wird wegbrechen. Entwicklungen, die unter dem Schlagwort „Web 2.0“ diskutiert werden, werden der Medienindustrie zu schaffen machen. Die Open Source-Bewegung verändert die Softwarebranche in ähnlicher Weise. Urheberrecht und Software-Patentierung dürften dieser Entwicklung kaum Einhalt gebieten. Entscheidend ist deshalb nicht mehr, wie sich ein einzelnes Unternehmen entwickelt, sondern wie erfolgreich das jeweilige „Öko-System“ ist, in dem es agiert.

Das Management wird immer weniger eine Kunst und immer mehr eine Wissenschaft. Das komplexe Umfeld und kaum noch überschaubare Organisationsstrukturen lassen sich nur mit ausgeklügelten Methoden und Werkzeugen beherrschen. Deshalb müssen sich Manager auf diese verlassen. Entscheidungen aus dem Bauch heraus führen nicht mehr zum Erfolg. Business-Intelligence und Management-Informations-Systeme tragen zur „Verwissenschaftlichung“ bei.

Informationen sind überall und massenhaft verfügbar. Deshalb wird sich der Umgang mit Wissen verändern. Denn wer nicht in der Flut von Informationen ertrinken will, muss neue Wege der Informationsbeschaffung, Informationsverarbeitung und der Informationsweitergabe finden. Aus Wissen entspringen Innovationen. Diese sind immer weniger das Ergebnis der Überlegung einzelner Mitarbeiter als vielmehr des Zusammenwirkens von Knowledge-Communities.

Hinweis

Hier finden Sie die zehn Thesen der McKinsey-Experten und zahlreiche Fachbeiträge der Unternehmensberatung zur Vertiefung:

http://www.mckinseyquarterly.com/...

[jf; Bilder: Photocase.com]

Dazu im Management-Handbuch

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