Sale and Lease BackStille Reserven heben und Liquidität sichern

Wenn Firmen Anlagevermögen verkaufen und zurückleasen, wird Kapital frei. Dieses kann etwa für Restrukturierungen genutzt werden.

In einer wirtschaftlichen Schieflage müssen mittelständische Unternehmen frühzeitig reagieren, da sich die Handlungsoptionen mit fortschreitendem Krisenprozess deutlich verringern. Obwohl eine Insolvenz oft mit unternehmerischem Scheitern gleichgesetzt wird, kann sie, bei einer geregelten Durchführung des Insolvenzverfahrens, die Chance für eine Neuausrichtung sein. Besonders gilt dies bezüglich des „Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“ (ESUG).

Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung oder in der speziellen Form des Schutzschirmverfahrens darf von vornherein nicht aussichtslos sein. Viele Firmen, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, verfügen über einen gesunden operativen Kern und wirtschaftliches Potenzial, das nicht erkannt oder nicht genutzt wurde. Oft spielt Zeit bei Anzeichen einer Krise eine entscheidende Rolle, um mögliche Optionen einer Sanierung zu prüfen. Je nach aktueller Situation und den entsprechenden Gegebenheiten kann eine gerichtliche oder außergerichtliche Sanierung der passende Ansatz sein.

Ohne genügend Liquidität keine strategische Neuausrichtung

Zunächst sollten die Ursachen analysiert und entsprechende Maßnahmen betreffend der strategischen Ausrichtung sowie der Optimierung der Prozesse und Strukturen des Unternehmens eingeleitet werden. Dazu wird jedoch genügend Liquidität für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs sowie die Realisierung der wirtschaftlichen Gesundung des Unternehmens benötigt. Fast jedes dritte Eigenverwaltungs- und Schutzschirmverfahren endet in einer geregelten Insolvenz, da durch zu spätes Handeln notwendige Ressourcen wie Mitarbeiter oder Kapital nicht mehr zur Verfügung stehen. Spätestens bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens schneiden Gläubiger das Unternehmen von der Zufuhr finanzieller Mittel ab.

Auch bei außergerichtlichen Sanierungen ist die Sicherung der Liquidität eine Herausforderung. Banken bewilligen in Krisenphasen kaum zusätzliche Kredite oder begleiten Restrukturierungsprozesse. Daher müssen andere Finanzierungsmodelle gefunden werden, um neue Liquidität zu generieren. Gerade Produktionsunternehmen können im Rahmen einer Sale-and-Lease-Back-Finanzierung stille Reserven im Unternehmen heben und frische Liquidität schaffen. Viele Unternehmen verfügen über ausreichend gebundenes Kapital, zum Beispiel in Form gebrauchter Maschinenparks. Diese Maschinen werden mittels Sale and Lease Back verkauft und direkt zurückgeleast. So wird gebundenes Kapital freigesetzt und die für Restrukturierungsmaßnahmen notwendige Liquidität verfügbar gemacht.

Ablauf einer Finanzierung mittels Sale and Lease Back

Für eine erste Einschätzung genügt ein detaillierter Anlagespiegel, der zeigt, über welche Reserven ein Unternehmen verfügt. Sind ausreichend werthaltige Maschinen oder Anlagen für eine Sale-and-Lease-Back-Finanzierung vorhanden, erfolgt eine vorläufige Bewertung des Anlagevermögens. Nach Abgabe eines indikativen Angebots durch den Finanzierungspartner und dessen Annahme, wird der Maschinenpark zu Zeitwerten vor Ort in der Firma gutachterlich bewertet. Dies ist die Basis des Sale-and- Lease-Back-Vertrags.

Anschließend müssen seitens des Unternehmens verschiedene Unterlagen eingereicht werden. Bei einem Insolvenzverfahren sind zusätzliche Absprachen mit dem Insolvenzverwalter nötig. Hinzu kommen entsprechende Sicherheitenfreigaben durch so genannte absonderungsberechtigte Gläubiger aus Raum- oder Einzelsicherungsübereignungsverträgen, Zubehörhaftung oder Vermieterpfandrecht.

Absonderung

Der Begriff Absonderung entstammt dem deutschen Insolvenzrecht. Dabei geht es um die gesonderte Befriedigung von Gläubigern außerhalb des eigentlichen Insolvenzverfahrens aufgrund ihnen zustehender Sicherungsrechte.

Nach Eingang aller Unterlagen sowie der Zustimmung zum Abschluss des Kaufvertrags seitens Sachwalter, eigenverwaltenden Schuldnern oder einem Gläubigerausschuss, steht einer schnellen Abwicklung nichts mehr im Wege. Das Unternehmen verkauft seinen gebrauchten Maschinen- und Anlagenpark und least die Maschinen im gleichen Zug wieder zurück. Dabei können die Maschinen während des ganzen Prozesses direkt und ohne Unterbrechung weiter genutzt werden. Durchschnittlich dauert der Vorgang von Erstansprache bis zur Valutierung etwa sechs bis acht Wochen.

Leasingraten sind abzugsfähige Betriebsausgaben

Durch den Verkauf der Maschinen und Anlagen wird frische Liquidität für das Unternehmen geschaffen, zum Beispiel für die Umsetzung von Sanierungsprozessen. Durch die Leasingverpflichtungen erfolgt zudem keine Bilanzverlängerung. Die Leasingraten stellen zu wesentlichen Teilen abzugsfähige Betriebsausgaben dar und können in der Regel fortlaufend aus den erwirtschafteten Umsätzen finanziert werden.

Während bei den meisten Banken und vielen alternativen Anbietern die Bonität des Unternehmens für eine Finanzierungszusage eine zentrale Rolle spielt, steht diese beim Sale and Lease Back nicht im Vordergrund und kann deshalb auch in der Restrukturierung angewendet werden. Im Fokus stehen die Werthaltigkeit und Fungibilität der anzukaufenden Maschinen und Anlagen.

Fungibilität

Fungibilität bedeutet, dass eine Ware oder ein handelbarer Gegenstand gegen ein anderes Stück der gleichen Ware ausgetauscht werden kann. Beide sind von ihrer Beschaffenheit her identisch.

Dazu im Management-Handbuch

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