SAPGlobal Player im Softwaremarkt

Der Arbeitsmarkt bietet gute Chancen für SAP-Experten. Die Unternehmenssoftware hat sich inzwischen auf die Hälfte aller deutschen Firmencomputer ausgebreitet und auf ein Viertel weltweit. Hinter diesem Erfolg steckt ein deutsches 5-Mann-Start-up aus Walldorf.

Manche Unternehmen legen extra Programme auf, um Hochschulabgänger intern in SAP auszubilden. Seit Jahren sind auf Jobpilot.de mehrere tausend Stellenausschreibungen zu finden, die SAP-Kenntnisse wünschen. Auch die jüngste Analyse des Personaldienstleisters Adecco (er wertet IT-Jobangebote in 40 Tageszeitungen und der COMPUTERWOCHE aus) verzeichnet erneut eine steigende Nachfrage. Manchmal möchte ein einzelner Arbeitgeber gleich dutzende SAP-Experten einstellen; besonders gefragt sind die Experten für das Programm Netweaver, das die einzelnen betriebswirtschaftlichen Anwendungen systemübergreifend zusammenführen soll (in Fachkreisen spricht man von service-orientierten Architekturen, kurz SOA). Die Software ist so verbreitet, dass sie den Walldorfer Konzern zum weltweiten Marktführer bei Unternehmenssoftware gemacht hat.

Über die SAP AG

Die drei Buchstaben stehen für Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung. 1972 setzten fünf ehemalige IBM-Mitarbeiter in Walldorf den Grundstein für das Unternehmen. 35 Jahre später arbeiten 10 Millionen Anwender mit SAP-Software, die heute mehr als 41.000 Mitarbeiter programmieren, vertreiben, einführen und warten. Vor fünf Jahren waren es noch 12.000 Mitarbeiter weniger. Mit diesem Wachstum ist aus dem führenden Anbieter von ERP-Lösungen der Weltmeister im Gesamtbereich der E-Business-Software geworden.

Der Gesamtumsatz SAPs erhöhte sich 2006 um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 9,4 Milliarden Euro. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter, von denen rund 30 Prozent Frauen sind, liegt bei 37 Jahren. Die durchschnittliche Firmenzugehörigkeit beläuft sich auf 5,3 Jahre.

SAP gegen Oracle: Erbitterter Konkurrenzkampf

Der einzige ernstzunehmende Konkurrent von SAP heißt Oracle aus Kalifornien. Weit dahinter kommt laut SAP-Schätzungen „Microsoft business solutions“ mit rund drei Prozent Marktanteil.

Oracle ist inzwischen so gut positioniert, dass die SAP-Aktien denen von Oracle seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent hinterherhinken. In den letzten Jahren kauften die Kalifornier für 20 Milliarden Dollar mehr als 30 kleinere Konkurrenten auf; darunter Hyperion Solutions, Peoplesoft und Siebel Systems. Damit versucht Oracle bei einem weltweiten Marktanteil von momentan 15 Prozent zu SAPs 25 Prozent aufzuschließen. SAP ist entsprechend erpicht darauf, das zu verhindern. Immer, wenn Oracle ein Unternehmen kaufte, bot SAP-Chef Henning Kagerman den vermeintlich verunsicherten Kunden an, zu günstigen Konditionen zu SAP zu wechseln.

Oracle und SAP kämpfen auch vor Gericht. Seit einem Jahr streiten sich die Unternehmen über eine mögliche Copyrightverletzung. Inzwischen suspendierte Mitarbeiter der SAP-Tochter „Tomorrow Now“ hatten von passwortgeschützten Oracle-Internetseiten geheime Daten und Programme heruntergeladen. Die SAP-Mitarbeiter hätten so Ideenklau „im großen Stil“ betrieben und es sei auch versucht worden, mit Hilfe der Daten Oracle Kunden abzuwerben. Analysten gehen davon aus, dass diese Vergehen zu Imageschäden und einer hohen Geldstrafe für SAP führen - wenn sie zutreffen. SAP bestreitet, dass Oracle durch den Vorfall einen „signifikanten Schaden“ erlitten habe und drängt auf eine außergerichtliche Einigung.

"SAP ist toll"

SAP gilt als vorbildlicher Arbeitgeber und feilt gezielt an diesem Image. Das ging sogar so weit, dass der Konzern seinen Eintrag im Internet-Lexikon Wikipedia mit dem Satz „SAP ist toll" ergänzte. Der Satz wurde von den Wächtern der Wikipedia nach kurzem entfernt.

Davon abgesehen wurde SAP seit 2005 nun zum dritten mal in Folge zu „Deutschlands bestem Arbeitgeber“ (in der Kategorie über5.000 Mitarbeiter) gekürt. Den Ausschlag für die Prämierung gab 2005 die gute Kommunikation der Firmenleitung mit den Mitarbeitern über hauseigenes Fernsehen und Radio sowie im Intranet. 2006 gab es Sonderpreise in den Kategorien Chancengleichheit der Geschlechter sowie für die Vielfalt der im Unternehmen zusammenarbeitenden Kulturen (Diversität). Laut SAP ist der Umgang im Unternehmen leger und freundschaftlich. Einen Dresscode gibt es nicht und es arbeiten überwiegend junge Menschen in Teams, in denen neue Mitarbeiter intensiv eingearbeitet werden: Mit Einführungsveranstaltungen, Traineeprogrammen und Patenschaften oder Mentorenprogrammen von erfahreneren Mitarbeitern.

SAPs Gesundheitsmanagement

2007 wurde das umfassende Gesundheitsmanagement hervorgehoben. Ein Förderungskonzept der internen Gesundheitsabteilung umfasst die Bereiche:

  • Balance zwischen Beruf und Privatleben;
  • Eigen-Kompetenz, Eigen-Initiative und Eigen-Verantwortung;
  • die Mitarbeiter für Gesundheitsthemen und Leistungsfähigkeit sensibilisieren;
  • die Führungskräfte für ihr Führungsverhalten sensibilisieren.

Zur Führungskräfteausbildung gehört das „gesunde Führen“ in Form eines respektvollen Umgangs miteinander. Ergänzt wird das Gesundheitskonzept mit komfortablen Pausenräumen, ergonomischen Büro-Arbeitsplätzen, Sportgeräten und Sportplätzen sowie organisierten Lauf- oder Inline-Treffs. Ein „Health Coach“ gibt persönliche Beratung zum Beispiel in Ernährungsfragen, für seelische Nöte gibt es psychologische Beratung - auf Wunsch anonym per Telefon. Zahlreiche Weiterbildungsprogramme und eine aktienorientierte Vergütung sollen sicherstellen, dass die Arbeitsmoral stets auf hohem Niveau liegt.

2006 erhielt rund die Hälfte der Mitarbeiter sogenannte STARs. Das sind leistungsabhängig vergebene Stock Appreciation Rights (Wertsteigerungsrechte), deren Wert sich nach der Kursentwicklung der SAP-Aktie richtet. Über Aktienkaufprogramme in 32 Ländern können Mitarbeiter vergünstigt SAP-Aktien kaufen. Das unternehmerische Handeln soll so gefördert werden. Rund 2.000 Führungskräfte und Leistungsträger erhielten 1,84 Millionen Aktienoptionen mit einer Laufzeit von fünf Jahren.

Neue Zielgruppe Mittelstand

Bisher bediente SAP vor allem Großkunden, der Mittelstand erfordert ein neues Geschäftsmodell. Mitte September will SAP erste Details zu einer neuen Software namens A1S für kleinere Firmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern bekannt geben. Damit soll auf die steigende Nachfrage nach Miet-Software reagiert werden. Auf den Markt kommen soll die Software um die Jahreswende, Konkurrent Oracle bietet eine vergleichbare Lösung bereits an. Die Mietsoftware soll SAP bis Ende des Jahrzehnts zusätzlichen Umsatz, mehrere 10.000 neue Kunden und eine höhere Gewinnmarge einbringen. Bis Ende 2008 sollen bis zu 400 Millionen Euro in Vertrieb und Service für das neue System gesteckt werden.

Mit diesen Bemühungen will das Unternehmen endlich auch den Mittelstand erreichen. Hier sind die Walldorfer bislang immer gescheitert – trotz großer Anstrengung und angepasster Produkte. Es gelang nicht, einen signifikanten Marktanteil zu erringen. In diesem Markt dominieren zahlreiche kleinere Softwarehäuser, die ihre Produkte den spezifischen Kundenbedürfnissen angepasst haben und einen guten Kundenservice bieten.

Ein Kernproblem von SAP dabei ist, dass die Software im Laufe der Jahre so komplex geworden ist, dass sie kaum noch jemand beherrscht. Die meisten Unternehmen tun sich damit recht schwer. Bei manchen ist das SAP-Projekt eine jahrelange Dauerbaustelle, bis Prozesse abgebildet, Software angepasst und Anwender geschult sind. Kein Wunder ist der Bedarf an Experten so groß. Alle Jobsucher, die Spaß an SAP haben, freut es.

Hinweis

Das lernen Sie

  • In einer Branche, die unter Frachkräftemangel leidet, können Mitarbeiter mit attraktiven Arbeitsbedingungen umworben und erfolgreich rekrutiert werden.
  • Während Oracle beständig Firmen hinzukauft und aufwendig integrieren muss, setzt SAP wie zum Beispiel Toyota eher auf organisches Wachstum und hat damit – zumindest bis jetzt – die Nase vorn.
  • Wer in einem Marktsegment sehr erfolgreich ist, tut sich manchmal schwer, in andere einzusteigen.

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