Schlecht fürs BetriebsklimaVorgesetzte geben Druck häufig nach unten weiter

Viele Vorgesetzte erhöhen den Arbeitsdruck, wälzen die Verantwortung auf ihre eigenen Mitarbeiter ab und lassen diese bei der Bewältigung der wachsenden Aufgaben allein. Darunter leidet immer häufiger das Betriebsklima. Schuld an der schlechten Stimmung ist vor allem der ökonomische Druck, der zu psychischen Problemen bei den Beschäftigten führt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung der Frankfurter Goethe-Universität. Michael Lenert, Arbeitspsychologe bei der Arbeiterkammer Wien, meint:

"Den Trend können wir seit über 15 Jahren in der gesamten Europäischen Union beobachten. Zeit- und Termindruck nehmen unvermindert zu und können bei dauerhaften Belastungen bei Angestellten schwere Überlastungen auslösen, die nicht selten in der Invalidität enden."

Laut dem Fachmann sei dies jedoch weder im Interesse der Firmen selbst, noch in dem des Staates. Kosten für die Behandlungen oder im schlimmsten aller Fälle sogar für die komplette Arbeitsunfähigkeit müssten zwangsläufig die Gesellschaft aufbringen.

Dadurch bedingt, dass die zu bewältigenden Arbeitsmengen nicht geringer, sondern eher mehr werden, lassen sowohl Kollegialität als auch Solidarität nach. Der ökonomische Druck sowie der daraus resultierende, immer neu aufkeimende Reformzwang hätten den Forschern nach zu einer "höchst problematischen ,Blase' sich verdichtender Probleme" geführt. Die sei laut dem Sozialpsychologen und Studienautor Rolf Haubl lange Zeit nicht wahrgenommen worden. In Zeiten wie der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie einem drohenden Jobverlust wird es von den Wissenschaftlern für möglich gehalten, dass diese Blase bald platzen könnte.

Weil sich viele Unternehmen derzeit inmitten turbulenter Veränderungsprozesse befinden, ist es für die Beschäftigten kaum noch möglich, den permanenten Umbau noch nachzuvollziehen und sich anzupassen. Dies ist sehr oft ausschlaggebend dafür, warum sich die Angestellten in vielen Fällen kaum noch mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können. Laut der Studie müssen Arbeitnehmer auch professionelle Standards bewusst verletzen, um kurzfristige ökonomische Ziele zu erfüllen. Lenert:

"Hier müsste man auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Die Politik müsste Rahmenbedingungen schaffen, die Kontrollen ermöglichen."

Unternehmenslenker und leitende Angestellte entwickeln sich unter wachsendem Druck der Studie zufolge zu "hart drängelnden Change-Agents". Die Beschäftigten sind daher der Meinung, dass Chefs oft die notwendigen Führungskompetenzen nicht mitbringen, um den Wandel für die Mitarbeiter erträglich zu unterstützen. Ausgelöst wird dies dadurch, dass Manager vermeintlich profitable Veränderungen durchsetzen und dabei selbst kein Verständnis dafür haben, welche Ressourcen zu deren Erfüllung unentbehrlich sind. Unter den Beschäftigten bilden sich Gruppen und die Kollegialität leidet, so das Fazit der Studie.

[po; Quelle: pressetext; Bild: olly - Fotolia.com]

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