SelbstbewusstWir können mit den Jungen mithalten

„Wir müssen denjenigen finden, der Erfahrung für sein Unternehmen zu nutzen weiß“, sagt Paul M., langjähriger Personalleiter in der Kunststoffindustrie und Teilnehmer des Projektes „Brückenschlag“.

Sie haben vieles gemein: sie sind alle zwischen sechs Wochen und zwei Jahren arbeitslos und sie haben alle mit der gleichen Voreingenommenheit zu kämpfen: Fach- und Führungskräfte über fünfzig seien in der Wirtschaft nicht mehr zu gebrauchen.
Diesem festsitzenden Vorurteil möchten die Projektteilnehmer von „Brückenschlag“ entgegenwirken.

Finanziert vom Arbeitsmarktfonds im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen mit Sitz in München und vom Berufsbildungszentrum Augsburg ins Leben gerufen, verstehen sich die Mitarbeiter des Pilotprojektes als Mediatoren zwischen regionaler Wirtschaft, den freigesetzten Führungskräften und den Kooperationspartnern (etwa Arbeitsämter, Kammern, Verbände).

Der erste Schritt nach Start des Projektes im Oktober letzten Jahres – insgesamt ist das Projekt auf drei Jahre konzipiert - bestand in der Kontaktaufnahme zu Betrieben und Institutionen. Ziel ist die Installation eines gut funktionierenden Netzwerkes zwischen allen Beteiligten.

Die Freisetzung der einzelnen Projektteilnehmer basiert auf Gründen, die heute allgemein bekannt sind. Einige fielen Fusionen zum Opfer, andere wurden aufgrund Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb der Unternehmen überflüssig oder wurden wegen ganzer Standortschließungen nicht mehr gebraucht.

Die Branche ist dabei austauschbar. Im Projekt finden sich Betriebswirte mit Projektleitungskenntnissen ebenso, wie Bauingenieure oder Personalfachleute mit Führungserfahrung.

Nach jahrelanger erfolgreicher Karriere stehen diese kompetenten Fach- und Führungskräfte schlagartig vor einer neuen Situation. Die rein logistischen Anforderungen, wie Bewerbungen verfassen, den Arbeitsmarkt erforschen oder sich im Ämterdschungel zurechtzufinden, stellen hier noch die kleinsten Probleme dar. Schwieriger ist die Erfahrung, dass Kompetenzen, die bis zur Freisetzung wertvoll und gefragt waren, plötzlich nichts mehr wert sein sollen.

Ganz zu schweigen von der gesellschaftlichen Ausgrenzung, die Arbeitslose immer noch erfahren.

Die ehemaligen Fach- und Führungskräfte selbst sehen ihre Teilnahme pragmatisch, wie Hans F. betont: „Hier hat sich eine Gruppe Menschen in einem Projekt zusammengeschlossen, die eigeninitiativ handeln und nicht auf die Vermittlung von Dritten wartet.“ Gemeinsam wird eine Datenbank mit potentiellen Arbeitgebern aufgebaut und gegenseitig Kontakte zur Verfügung gestellt.

Hilfreich für alle ist der Austausch von Erfahrungen während der Bewerbungsrunden und das gegenseitige Feedback, auch seitens der Projektmitarbeiter.

Nach einigen Rückschlägen fordern die Projektteilnehmer heute vor allem eins:

„Lasst uns wenigstens zu Euch an den Tisch kommen und uns demonstrieren, dass wir Eure Vorurteile widerlegen können“.

[Gastbeitrag: Susanne Scholz, PR-Fachwirtin beim Berufsbildungszentrum (BBZ) Augsburg.]

Berufsbildungszentrum Augsburg

www.bbz-augsburg.de

Beitrag im Dossier:

Vorsicht, vergreiste Belegschaft

Dazu im Management-Handbuch

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