SelbstmanagementSelbstführung als Lebenskunst

Vor allem in einem disruptiven Umfeld ist Selbstmanagement eine Herausforderung. Und eine Kunst der Selbstführung zwischen Können und Wollen. Deren Erfolg manifestiert sich an konkreten, ermutigenden Ergebnissen.

Selbstmanagement ist ein „weites Land“. Zwar ein menschlich nicht so ab- und tiefgründiges Terrain wie in Schnitzlers gleichnamiger Tragikomödie von 1911. Aber jedenfalls eines, das sich nicht so simpel erkunden oder ganz nebenbei bestellen lässt. Es bedeutet Arbeit an sich selbst. Unentwegt.

Das Nebelwort „managen“

Es gibt kaum ein Wort, das so inflationär wie nebulös gebraucht wird wie „managen“. Nahezu alles wird „gemanagt“ oder zum/zur „Manager/in“ hochstilisiert. Der frühere Liegenschaftsverwalter alias Hausmeister wird zum Facility-Manager oder der Raumpfleger alias Reinigungskraft zum Room-Manager.

Das ist weder respektlos noch generalisierend gemeint. Aber Placebo-Titel scheinen wild in den Himmel der Stellenbeschreibungen zu wachsen. Und im skurrilen „Chief Mentalist“ alias Chef-Tagträumer zu gipfeln, so ein IT-Blogger ironisch in einem Online-Magazin.

Was macht nun ein/e Selbstmanager/in? Was heißt Selbstmanagement konkret? Im Englischen „to manage“ oder im Italienischen „maneggiare“ wird die lateinische Wurzel deutlich: „manus“ (die Hand) beziehungsweise „manus agere“ (an der Hand führen). Synonym für bewerkstelligen, führen, handhaben, leiten. Nicht zu verwechseln mit „alles in den Griff kriegen“. Denn das ist eine Illusion.

Selbstmanagement beruht auf drei Fähigkeiten

Selbstmanagement bedeutet also: sich selbst führen, Selbstverantwortung übernehmen, das eigene Leben in die Hand nehmen. Kurzum die Kompetenz, die persönliche wie berufliche Entwicklung aktiv und selbstbestimmt zu gestalten. „Geh deinen Weg und lass die Leute reden!“, ermutigte schon Dante Alighieri vor über 700 Jahren.

Profundes Selbstmanagement äußert sich in folgenden Fähigkeiten:

  1. Den Fokus auf ein selbstbestimmtes, attraktives Ziel zu legen.
  2. Die zur Verfügung stehende Zeit adäquat zu gestalten.
  3. Für einen gesunden Energiehaushalt zu sorgen.

Selbstmanagement ist auch vergleichbar mit einer (Lebens-)Reise, auf der sich uns unentwegt drei Kernfragen stellen: Wohin soll die Reise gehen beziehungsweise wann möchte ich wo ankommen? Wie gestalte ich meine Reisezeit? Was treibt mich an beziehungsweise woher beziehe ich den nötigen Treibstoff, das heißt die Energie?

Etwas ausdifferenzierter hieße das in Bezug auf die drei Ebenen:

  • Ziel-Ebene
  • Wohin möchte ich?
  • Was möchte ich erreichen?
  • Warum möchte ich das erreichen?
  • Ist das Ziel der Weg oder der Weg das Ziel?
  • Steht das Ziel im Weg?

Zeit-Ebene

  • Wann nehme ich mir wofür und wie lange Zeit?
  • Wie gestalte ich meine Zeit?
  • Verfüge ich über die richtigen „Transportmittel“ und Werkzeuge?

Energie-Ebene

  • Woraus schöpfe ich Energie?
  • Was ist mein „Treibstoff“?
  • Was treibt mich an?
  • Wie gehe ich mit Stress und Schwierigkeiten um?

Die immanente Wechselwirkung der drei Ebenen ist naheliegend. Ebenso plausibel ist, dass erst ein dynamisches Gleichgewicht zu einem starken und stimmigen Selbstmanagement führt.

Vier Faktoren für erfolgreiches Selbstmanagement

Erfolg bedeutet wohl für jeden etwas anderes. Somit auch erfolgreiches Selbstmanagement. Denn Maßstäbe und Wahrnehmungen sind höchst subjektiv. Aber es lassen sich relevante Faktoren objektivieren:

1. Sinn

Sinn bedeutet die subjektiv erlebte Sinnhaftigkeit dessen, was ich tue. Sinn ist mit der Verwirklichung von Werten verknüpft. Die Erfahrung von Sinn ist auch ein Spiegelbild der persönlichen Wertelandschaft. Umso mehr stellt sich die Frage: Was ist es mir wert, dafür Zeit, Liebe, Energie oder Geld „auszugeben“? Woraus beziehe ich meinen Selbstwert?

2. Anerkennung

Das heißt die Wertschätzung, die ich für mein Tun, meine Leistung erfahre. Menschen können ohne Wertschätzung langfristig nicht gedeihen. Sie brauchen Echo und Resonanz. Sie wollen wahrgenommen werden. Positive Rückkopplung ist ein vitaler Treibstoff für das menschliche Energiesystem. Fehlt dieser Treibstoff, bleiben wir sprichwörtlich auf der Strecke.

3. Selbstwirksamkeit

Dies bedeutet die Möglichkeit zu gestalten und Spuren zu hinterlassen. Menschen möchten etwas bewegen, in Bewegung setzen, schöpferisch sein. Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist essenziell für ein gesundes Selbstwertgefühl und für frische, (re-)kreative Kräfte. Konkrete Spuren hinterlassen heißt auch, sich selbst spüren, lebendig sein.

4. Verortung

Verortung heißt eine sichere Basis, die als Ruhepol und Kraftquelle wirkt. Eine solide Rückzugs- beziehungsweise Ausgangsbasis sorgt für Ausgleich und Kraftstoffzufuhr. Sie ist ein verlässlicher Haltegriff im Alltag, vor allem aber bei lebens- oder karrieregeschichtlichen Brüchen, wie Krankheit, Trennung oder Kündigung. Innerlich wie äußerlich, das heißt seelisch wie physisch gut verortet zu sein, bedeutet Stabilität.

Entscheidend ist, was und warum man etwas tut, nicht wie schnell

Und um Selbstmanagement wörtlich zu nehmen, fragen Sie sich einmal selbst:

  • Was will ich ändern?
  • Was bin ich bereit, dafür zu tun?
  • Wie sieht ein kleiner, aber konkreter Schritt aus?
  • Wann will ich etwas ändern?

Bleiben Sie dran, denn am Ende zählt nicht das, was wir ersehnt, sondern was und wie wir gelebt haben. Allerdings besteht für operative Hektik kein Anlass. „Entscheidend ist nicht, wie schnell man etwas macht, sondern was man macht und warum man es macht“, so Stephen R. Covey in seinem Bestseller „Der Weg zum Wesentlichen“. Wichtiger als blinde Schnelligkeit sind also Ziel und Weg. Auch, um sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Oder, um nicht enttäuscht festzustellen: Ich wurde vom Glück verfolgt – doch ich war schneller.

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