Seminare haltenSo meistern Sie den Einstieg

Ob Seminare erfolgreich sind, hängt auch vom richtigen Einstieg ab. Denn: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Weil es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt, werden zu Beginn einer Bildungsmaßnahme die Weichen für ihren weiteren Verlauf gestellt. Auf beiden Seiten – sowohl bei der Leitung als auch bei den Teilnehmenden – dominieren Gefühle wie Aufregung, Nervosität, Neugier und Interesse. Selbst wenn alle Beteiligten vorab über Inhalte und Ablauf informiert wurden und bei vielen Betroffenen Erfahrungsgepäck aus früheren Veranstaltungen vorliegt, bleibt die Situation eine Herausforderung. Fehler, die in diesem Seminarteil gemacht werden, ziehen sich im schlimmsten Fall durch den gesamten Lehr- beziehungsweise Lernprozess.

Übrigens: Auch die Umgebung wie Seminarraum oder Veranstaltungsort hat Einfluss auf die Atmosphäre. In dieser Ausnahmesituation ist insbesondere die Sozialkompetenz des Dozenten gefragt. Er muss seine eigenen Unsicherheiten und Ängste kontrollieren. Darüber hinaus sind Kenntnisse über das Konzept der Teilnehmerorientierung, den Zusammenhang zwischen positiven Emotionen und Lerneffekt hilfreich.

Vorkenntnisse der Teilnehmer beschleunigen den Lernprozess

Die biografische Ausrüstung, also zum Beispiel Erfahrungen, Erwartungen und Vorkenntnisse der Teilnehmenden, werden vom Lehrenden bei der Konzeption und Durchführung der Veranstaltung berücksichtigt, denn sie dienen als Impuls und Beschleuniger der Lernprozesse des Einzelnen. Sie zeigt sich darüber hinaus etwa durch Partizipations- und Steuerungsmöglichkeiten für die Lernenden, was Inhalte und Ablauf der Veranstaltung anbetrifft.

Im Seminar wird sowohl die kognitive als auch die emotionale Seite von Lernprozessen berücksichtigt. Gefühle ermöglichen Lernprozesse, sie können im Übermaß aber auch Lernblockaden verursachen. Positive Gefühle beschleunigen die Wissensaufnahme, während sich negative Affekte wie Versagensangst, Frustration und Langeweile hemmend auswirken. Gleich zu Beginn sollte die Seminarleitung deshalb Strukturierungs- und Orientierungsangebote unterbreiten, wie beispielsweise einen Ablaufplan und Regeln, nach denen sich das Zusammensein gestaltet, zum Beispiel Feedback und Handzeichen für Ja beziehungsweise Nein.

Dadurch entsteht bei den Teilnehmern mehr Sicherheit in Bezug auf das, was sie bei der Veranstaltung erwartet – und damit wird die Grundlage für eine gute Lernatmosphäre geschaffen. Dabei gilt folgende Einschränkung: Ein Skript für alle Bildungsveranstaltungen kann es nicht geben. Anfangssituationen müssen immer individuell und daher auch jedes Mal wieder neu geplant werden.

Kontakte unter den Teilnehmern fördern

Im nächsten Schritt geht es darum, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und die Kontaktaufnahme zwischen den Lernenden zu fördern. Hierfür sollte die Seminarleitung folgendes tun:

  • Anerkennung und Wertschätzung vermitteln
  • Selbstwertgefühl und Erfolgszuversicht der Teilnehmer stärken
  • Konkurrenzfreie Lernatmosphäre aufbauen
  • Zur Gruppe passende Kennenlernmethoden einsetzen
  • Zur Kleingruppenarbeit einladen
  • Kommunikationsförderliche Gesprächstechniken, Stil- und Umgangsformen wie zum Beispiel Rituale, Gesten oder Symbole einsetzen

Darüber hinaus müssen in der Anfangsphase unbedingt die Erwartungen und Lernziele der Teilnehmenden ermittelt und im weiteren Ablauf berücksichtigt werden. Denn dadurch wird die aktive Teilnahme am Seminar gefördert – es stellen sich Interesse und Lernmotivation ein. Sehr lernförderlich wirkt es auch, wenn der Dozent durch die Aufbereitung seiner Inhalte und seine Vermittlungsmethoden verschiedene Lernstile und Lerntypen anspricht. Viele Teilnehmer lassen sich gerne aktivieren, wenn Themen und Situationen aus ihrem (Arbeits-) Alltag oder aktuelle Ereignisse aufgegriffen werden. Beispielsweise kann der Dozent zu Beginn eines Rhetorik-Seminars eine gelungene politische Rede beziehungsweise einen Ausschnitt daraus als Podcast einspielen.

Trainer werden zu Begleitern von Lernprozessen

Damit Prozesse der Wissensübermittlung stattfinden können, sind nach heutigen Erkenntnissen mehr Eigenaktivitäten der Teilnehmer erforderlich. Viele Personen sind vom schulischen Frontalunterricht geprägt, deshalb gilt es darüber hinaus ihre eigenverantwortliche Lernmotivation zu stärken. Die Rolle des Lehrers beziehungsweise Trainers wandelt sich somit: Er wird zum Anbieter, Initiator und Begleiter von Lernprozessen. Ihm obliegt es, die Lernenden behutsam an die Verantwortung für ihr eigenes Lernen heranzuführen.

Für die methodische Ausgestaltung der Anfangssituation sind das Thema und die Teilnehmer ausschlaggebend. Nicht jede Technik ist emotional und thematisch zumutbar. Es gehört zur Leitungskompetenz zu erkennen, was möglich, sinnvoll und passend ist. Darüber hinaus gehört es zur Aufgabe der Leitung, den Teilnehmern den Sinn und Zweck der Methode zu erläutern. Vorsicht geboten ist bei zu viel „Bespielung“, denn ein Spiel kann auch den Verlust an Ernsthaftigkeit und das Abgleiten in Albernheit mit sich bringen. Teilnehmer sollten vielmehr als kompetente und (berufs-) erfahrene Erwachsene wahrgenommen und behandelt werden.

Dazu im Management-Handbuch

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