SprungbrettWeiterbildung zum MBA Architektur-Manager

Im Architekturstudium lernen Studierende zu wenig über Ökonomie, Betriebswirtschaft und Führungskompetenz. Dieses Know-how wird aber von Führungskräften großer Architektur- und Ingenieurbüros erwartet. Sie muss unternehmerisch denken und handeln. Hochschulen bieten deshalb nebenberufliche Weiterbildungen mit MBA-Abschluss an. Der Beitrag untersucht drei Angebote.

Das duale System ist bekannt durch die Ausbildungen in einem kaufmännischen oder handwerklichen Beruf: Egal ob Friseure, Köche oder Industriekaufleute, sie alle lernen in einem Betrieb und besuchen parallel eine Berufschule. Nach dem gleichen Prinzip sind auf akademischem Niveau Aufbaustudiengänge für Architektur-Management angelegt. In Süddeutschland bieten etwa in Stuttgart die Steinbeis-Hochschulen sowie die Fachhochschulen in Augsburg und die Bauakademie Biberach einen Master of Business Administration (MBA) für angehende Bau- und Projektmanager an.

Beispiel Steinbeis: In zwei Jahren erwerben die Studierenden Marketing- und Management-Kenntnisse und setzten diese in einem Architektur- oder Ingenieurbüro um. Hier betreuen sie ein Projekt, das das Büro nicht ohne externe Hilfe bewältigen könnte. Die Schüler arbeiten dort, wo in vielen Büros Verbesserungsbedarf besteht: in strategischer Unternehmensführung, Marktpositionierung und -forschung oder sie optimieren interne Prozesse und Abläufe.

Bei der Stuttgarter HWP-Planungsgesellschaft, die aktuell das Projektmanagement der Zusammenlegung von Olgahospital und Frauenklinik innehat, kümmert sich die MBA-Studentin Bettina Rebholz um das Corporate Design. Dabei koordiniert sie Grafiker, Werbeagentur samt Texterin und organisiert etwa den Webauftritt der Firma. Der kaufmännische HWP-Geschäftsführer, Dr. Norbert Leopold, der die Studierende betreut, sieht Vorteile:

„Während des MBA-Studiengangs können sich Unternehmen und Student gegenseitig beschnuppern.“

Als Projektverantwortliche wachse Bettina Rebholz mit dem Ausbau der Marketingaktivitäten. Und die Studentin:

„Ich wollte nach der Architektur kein zweites Studium hinterher schieben. Aber für die Arbeit in einer Schnittstellen-Abteilung ist das ökonomische Wissen enorm wichtig.“

Doch wie können die dafür notwendigen Kenntnisse sowohl jungen Architekten als auch bestehenden Architekturbüros praxisnah vermittelt werden? Werner Preißing, Gründer und Inhaber der Beratungsfirma Dr.-Ing. Preißing AG, Filderstadt, und sein Sohn Andreas, betreuen seit vier Jahren den postgradualen Aufbaustudiengang bei Steinbeis. Bisher wurden 60 Nachwuchskräfte ausgebildet. Werner Preißing:

„Für die Zeit des Studiums stellen die Architekturbüros die Studierenden fest an.“

Der Arbeitgeber, der auch ein Unternehmen mit Bauabteilung oder ein Ingenieurbüro sein kann, fungiert als Kooperationspartner und finanziert die Fortbildung. Der MBA-Student bearbeitet als Management-Assistent ein zuvor vom Unternehmen definiertes Projekt. In ihm soll eine Lösung gefunden werden, die dem Büro oder der Firma Wettbewerbsvorteile sichert. Andreas Preißing:

„Ein Frankfurter Architekturbüro ließ zum Beispiel von einem Studierenden die Marktchancen in Saudi-Arabien analysieren.“

Ein Büro, das bereits in China aktiv ist, habe eine Kundendatenbank aufgebaut. Mit deren Hilfe kann auf ähnlich gelagerte Referenzobjekte zugegriffen werden. Das mache sich in der Akquisition bezahlt, so der Projektleiter.

Bei allen drei Studiengängen verbringen die Studierenden den größten Teil der Ausbildungszeit am Arbeitsplatz. Rund 90 Tage verteilt auf zwei Jahre müssen sie bei Steinbeis die Schulbank drücken. In Augsburg sind es zehn mehrtägige Seminarblöcke und 15 Tagesseminare, die Regelstudienzeit beträgt fünf Semester. Die Bauakademie in Biberach bietet 18 Wochen Blockunterricht an, verteilt auf drei Jahre.

Die Studiengebühren differieren ebenso: In Biberach betragen die Gesamtkosten 9.495 Euro, die FH Augsburg berechnet 2.160 Euro pro Semester. Bei Steinbeis übernimmt die Studiengebühr von 1.500 Euro im Monat plus Reisekosten das kooperierende Unternehmen, das dem Studierenden obendrein noch 1.000 Euro Gehalt bezahlt. Allerdings muss der angehende Student sein Partnerbüro selbständig suchen. Oder er wird von den Partnerunternehmen der Hochschule geschickt.

Einen Auslandsaufenthalt sieht lediglich der Steinbeis-Studiengang vor. Vierzehn Tage lang besuchen die Studenten Unternehmen aber auch Sozialprojekte in China oder Brasilien.

Auch im Curriculum sind die Schwerpunkte unterschiedlich. In Biberach sind es drei Kompaktkurse à sechs Wochen: Betriebswirtschaft, Recht und Organisation. Augsburg setzt auf Kompetenzvermittlung in den Bereichen Projektmanagement, Recht, Technik, Soziales, Unternehmensführung und Internationales. Bei Steinbeis geht es um die Inhalte eines klassischen Businessplans: Strategie-, Projekt-, Finanzmanagement, Marketing und Persönlichkeitsbildung.

Fazit: Eine MBA-Weiterbildung liefert Anwärtern auf Führungspositionen in Architektur- oder Ingenieurbüros ein breites Querschnittswissen. Ein berufsbegleitender Studiengang, bei dem der Wissenstransfer direkt ins Unternehmen fließt, scheint für Studenten und Betriebe besonders reizvoll. Während Biberach und Augsburg klassische, langjährig erprobte Aufbaustudiengänge anbieten, die bereits von mehr als 300 Absolventen durchlaufen wurden, nimmt die Steinbeis-Hochschule die Unternehmen in die Pflicht. Eine kluge Idee, in Zeiten mangelnder Fachkräfte.

Fachhochschule Augsburg

Abschluss: Master of Engineering in Project Management (M.Eng.).

Ablauf: berufsbegleitend, 504 Seminarstunden mit 10 mehrtägigen Seminarblöcken und 15 Tagesseminaren.

Beginn: September, jeweils im Jahresturnus.

Kosten: 2.160 Euro pro Semester.

Dauer: 5 Semester.

Plätze: 28.

Voraussetzung: Abgeschlossenes Architektur- oder Bauingenieurstudium und zweijährige Berufserfahrung.

Unterrichtssprache: Deutsch, technisches Englisch und Französisch.

Auslandsaufenthalt: k.A.

www.fh-augsburg.de


Bauakademie Biberach

Abschluss: Master of Business Administration (MBA), verliehen durch die FH Biberach.

Ablauf: berufsbegleitend, je 6 Wochen Blockunterricht, 3 Jahre.

Beginn: Sommer- und Wintersemester.

Gesamtkosten: 9.495 Euro.

Dauer: 2 Semester.

Plätze: 30.

Voraussetzungen: Abgeschlossenes Studium als Bauingenieur oder Architekt sowie zwei Jahre Berufspraxis.

Unterrichtssprache: Deutsch, einzelne Vorlesungen in Englisch.

Auslandsaufenthalt: nicht möglich.

www.bauakademie-biberach.de


Steinbeis-Hochschulen

Abschluss: Master of Business Administration (MBA) in Architektur-Management.

Ablauf: berufsbegleitend, 30 Seminare á 3 Tage, verteilt auf 2 Jahre.

Beginn: Herbst 2008.

Kosten für das Unternehmen: 2.500 Euro pro Monat, inklusive 1.000 Euro Gehalt.

Dauer: 2 Jahre.

Plätze: 15.

Voraussetzung: Hochschulabschluss besser als 2,5; zwei Jahre einschlägige Berufsausübung.

Unterrichtssprache: 70 Prozent Deutsch, 30 Prozent Englisch.

Auslandsaufenthalt: 14 Tage in China oder Brasilien.

www.architekt-mba.de, www.ingenieur-mba.de

Dazu im Management-Handbuch

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