StadtwerkeKooperationen sichern die Zukunft

Der Stadtwerke-Markt steht vor einem Umbruch. Ein Großteil der Unternehmen plant dieses Jahr, Kooperationen einzugehen, denn dadurch können sie ihre Kernkompetenzen besser nutzen. Einige Hürden müssen sie dabei überwinden: Erhalt von kommunalpolitischem Einfluss sowie Wahrung der eigenen Identität. Desweiteren müssen die Kooperationspartner zueinanderpassen, um erfolgreich zu sein.

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bezieht Strom und Gas über die örtlichen Stadtwerke. Der Markt der Stadtwerke steht vor großen Veränderungen. Ein Großteil der Unternehmen rechnet damit, noch in diesem Jahr eine Kooperation einzugehen.

Diese reichen von Dienstleistungsmodellen über gemeinsame Tochterfirmen bis hin zur Extremform der Kooperation, der Fusion. Das ist das Ergebnis der Studie "Kooperation von Stadtwerken - ein Erfolgsmodell?" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Ralf Kurtz, Partner im Bereich Energy Consulting bei PwC, sagt:

"Der steigende Kostendruck und die Marktdynamik nach der Liberalisierung gehen an den Stadtwerken nicht spurlos vorbei. Sie werden stärker zusammenarbeiten müssen."

Kooperationen werden den Markt prägen

Wie wichtig das Thema ist, zeigt die Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit (72 Prozent) der Stadtwerke Kooperationen noch in diesem Jahr für "sehr wahrscheinlich" oder "wahrscheinlich" hält. Die Unternehmen sehen als wichtigste treibende Faktoren:

  • den Kostendruck auf die Netzentgelte (85 Prozent),
  • die steigende Komplexität und Dynamik des Marktes (77 Prozent),
  • aber auch die Wechselbereitschaft der Kunden (51 Prozent).

64 Prozent der Unternehmen geben an, dass "Kooperationen die Stadtwerkelandschaft künftig prägen werden".

Bisher verfolgen die Stadtwerke eine Unternehmensstrategie der weitestgehenden Unabhängigkeit - sieht man von der Energieerzeugung ab, sind mehr als 60 Prozent in allen Wertschöpfungsstufen tätig. Zwar haben knapp drei Viertel der befragten Unternehmen bereits Erfahrungen mit Kooperationen, allerdings sehen nur 15 Prozent diese Kooperationen auch als erfolgreich an - 41 Prozent wiederum geben an, die Ziele eher nicht erreicht zu haben. Ralf Kurtz dazu:

"Die Unternehmen müssen zueinanderpassen - ebenso wie ihre Strategien. Ohne eine ehrliche Analyse der Stärken und Schwächen im Vorfeld wird eine solche Kooperation unter Stadtwerken zum Glücksspiel."

Mit Kernkompetenzen punkten

Mögliche Kooperationsfelder zeigt ein Blick auf die Kernkompetenzen: Stadtwerke sind zwar in vielen Feldern aktiv, aber nicht immer liegt hier ihre Kernkompetenz. 99 Prozent der befragten Unternehmen haben einen eigenen Vertrieb - mit 89 Prozent sieht auch der größte Teil diesen als eine Kernkompetenz an.

Anders stellt es sich beim Mess- und Zählwesen dar: Auch dies gehört mit 94 Prozent bei fast allen Unternehmen zum eigenen Tätigkeitsfeld. Allerdings sieht gerade mal die Hälfte (51 Prozent) dieses als Kernkompetenz. Kurz meint:

"Hier können sich Kooperationen anbieten, doch auch die vermeintlichen Kernkompetenzen sollten kritisch auf ihr Kooperationspotenzial geprüft werden."

Weitere Wertschöpfungsstufen, in denen sich die Stadtwerke horizontale Kooperationen vorstellen können, sind Shared Services wie das Personal- oder Rechnungswesen (68 Prozent), Asset Services - Aufgaben rund um Netz und Anlagen der Versorger wie Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb - (57 Prozent) und der Handel (56 Prozent).

Eignerstruktur nicht unterschätzen

Die meist kommunale Eignerstruktur der Stadtwerke und die tief gehenden Einschnitte, die eine Kooperation mit sich bringt, stehen in großem Widerspruch. Während Kooperationen mit vielen Veränderungen verbunden sind, pochen gerade die stark politisch geprägten Eigner auf weitestgehende Stabilität. So legen Geschäftsführer und Aufsichtsräte großen Wert darauf, dass die Lasten im Rahmen einer Kooperation gleich verteilt sind (87 / 91 Prozent). Für die Aufsichtsräte als Vertreter der Eigner hat auch die Wahrung der eigenen Identität der Unternehmen einen besonders hohen Stellenwert (91 Prozent).

Für eine Kooperation muss allerdings auch die Bereitschaft da sein, "in einigen Wertschöpfungsstufen von Kompetenz und Verantwortung loszulassen", erläutert Kurtz. "Zu starkes Festhalten an der eigenen Identität verhindert, dass sich das volle Potenzial einer Kooperation entfalten kann." Entsprechend geben die befragten Aufsichtsräte häufig auch politische Faktoren als Gründe für gescheiterte Kooperationen an.

Champions zeigen, wie es geht

Welche Faktoren über Erfolg oder Scheitern einer Kooperation entscheiden, zeigt ein Blick auf erfolgreiche Kooperationen (Champions). Strategische, technische, kulturelle und persönliche Übereinstimmungen sind Voraussetzungen für den Erfolg. So halten nahezu alle Geschäftsführer (91 Prozent) vergleichbare strategische Zielvorstellungen für wichtig, eine tatsächliche Übereinstimmung ist aber nur bei den Champions (81 Prozent) gegeben. Bei den erfolglosen Kooperationen hatten nur 57 Prozent die gleiche strategische Ausrichtung.

Auch zeigt sich, dass 57 Prozent der Champions über die gleiche technische Ausstattung verfügen, bei den erfolglosen Kooperationen galt dies bei lediglich 20 Prozent. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist das Vertrauensverhältnis unter den Geschäftsführungen, welches nahezu alle Befragten (97 Prozent) als wichtig erachten. Bei 86 Prozent der Champions herrschte unter den Geschäftsführern Vertrauen - bei erfolglosen Kooperationen traf dies nur bei der Hälfte zu.

Auch ist auffallend, dass im Erfolgsfall häufig die Unternehmensgröße gleich war. Es seien gerade die kleineren Stadtwerke, die auf vergleichbare Unternehmensgrößen achten, ergänzt Kurtz.

Keine Schnellschüsse

Kooperationen können für Stadtwerke ein Erfolgsmodell sein, allerdings sind die strategische Analyse und die Auswahl des Partners von entscheidender Bedeutung. Der erste Schritt sei eine klare Kooperationsstrategie, die das Unternehmen schon vor der Partnersuche entwickeln sollte, erläutert Kurtz. Hierbei gilt es, die Entwicklungschancen ebenso zu ermitteln wie die Nachteile im Falle eines Misserfolgs.

Nicht zu unterschätzen sei zudem die Unternehmenskultur der Partner, betont Kurtz. Bei den erfolgreichen Kooperationen verfügten 70 Prozent der Stadtwerke über vergleichbare Kulturen, bei den erfolglosen Kooperationen waren es lediglich 30 Prozent.

"Wer dann noch offen mit den Mitarbeitern kommuniziert, kann aus einer Stadtwerkekooperation wirklich ein Erfolgsmodell machen."

Zur Studie

Für die Studie wurden 322 Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzende von 278 Stadtwerken befragt. Hier können Sie die Studie kostenlos herunterladen:

Kooperation von Stadtwerken - ein Erfolgsmodell?

[po; Quelle und Grafik: PwC; Bild: Fotolia.com]

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