TeamarbeitWie mit Teamcoaching ein Wir-Gefühl entsteht

Wenn Menschen vorwiegend digital zusammenarbeiten, kann die Teamdynamik leiden. Wie schaffen Führungskräfte in Zeiten von Homeoffice ein Wir-Gefühl in ihrem Team, damit die Zusammenarbeit gelingt? Teamcoaching ist eine Möglichkeit.
Von Tina Deutsch

Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Hause arbeiten, eröffnen sich neue Möglichkeiten für Unternehmen. Ob ein Kollege 500 Kilometer weit entfernt vor dem Bildschirm sitzt oder im selben Ort arbeitet, spielt im digitalen Büro keine Rolle. Führungskräfte können so neue Teamkonstellationen bilden und den Bedarf bei bestimmten Projekten noch besser abbilden.

Allerdings muss die Zusammenarbeit erst einmal funktionieren. Neue Arbeitsgruppen brauchen ein Wir-Gefühl und gemeinsame Ziele, um zusammen Höchstleistungen zu erbringen. Wenn Menschen sich vorwiegend virtuell begegnen, ist es nicht einfach, ein Teamgefühl aufzubauen. Ohne das Zwischenmenschliche leiden Arbeitsmoral und Leistungsstärke.

Mit einem Teamcoaching können Vorgesetzte die Zusammenarbeit stärken. Das funktioniert nicht nur in neuen Konstellationen und bei Teams, die sich neu bilden. Oft brauchen auch erfahrene Teams Unterstützung bei der digitalen Zusammenarbeit.

Klarheit und Transparenz fördern Vertrauen

Haben meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Team die nötige Sicherheit, um Ideen und Meinungen offen auszusprechen? Fühlen sie sich von Kollegen und Kolleginnen voll akzeptiert? Das sind Fragen, die sich Führungskräfte stellen sollten. Denn das Betriebsklima ist entscheidend dafür, wie das Team arbeitet und welche Ergebnisse es erzielt.

Innovativ zu sein, ist für Unternehmen sehr wichtig, wenn sie auf der Digitalisierungswelle mitsegeln wollen. Innovation kann aber nur entstehen, wenn man bereit ist, Neues zu wagen und Rückschläge in Kauf zu nehmen. Dazu gehört Vertrauen, das sich neue Teams erst einmal erarbeiten müssen. Wer ein High-Performing-Team will, sollte daher für Klarheit, Transparenz und ein offenes Miteinander sorgen.

Gegenseitiges Rollenverständnis der Teammitglieder schafft Vertrauen

Das gegenseitige Kennenlernen ist wichtig. Vor allem auf der persönlichen Ebene. Aber noch wichtiger ist das wechselseitige berufliche Rollenverständnis, damit Vertrauen entsteht: Wie tickt jede und jeder Einzelne und wie können sie sich gegenseitig ergänzen?

In jedem Team gibt es die Macherin, die schnell mit Ideen vorprescht. Und es gibt den Kollegen, der selten das Wort an sich reißt. Ein Teamcoaching hilft, die Rolle jedes und jeder Einzelnen auf einer sachlichen Ebene zu begreifen und eigene Verhaltensweisen zu reflektieren. Das funktioniert beispielsweise über Gruppenaufgaben, wie zum Beispiel mit Musikinstrumenten gemeinsam ein Stück komponieren und zusammenspielen. Häufig wird dann schnell klar, wer die Dirigentenrolle übernommen hat und wie die Kommunikation untereinander läuft.

Gemeinsame Ziele wachsen von innen heraus

Was wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam erreichen? Welches große Ziel steckt hinter den Aufgaben? Und wie möchte das Team nach außen wirken? All diese Fragen sollten geklärt sein, bevor alle an die Arbeit gehen.

Dass Menschen über Ziele produktiver arbeiten, haben die meisten Unternehmen bereits erkannt. Häufig hapert es aber an der Umsetzung. Das gemeinsame „Warum“ wirkt oft austauschbar. Beschäftigte können sich mit den vorgegebenen Zielen nicht identifizieren.

Ein Teamcoaching geht dem gemeinsamen Teamgedanken auf den Grund. Meistens geht es erst einmal darum, persönliche Werte herauszuarbeiten. Beispielsweise spricht jede Person über einen Gegenstand in ihrem Homeoffice, der ihr wichtig ist. Schritt für Schritt nähert sich der Coach oder die Coachin dann über die persönlichen Attribute gemeinsamen Werten an. Daraus ergeben sich am Ende sinnstiftende Ziele, mit denen sich alle Teammitglieder identifizieren können.

Definieren, wann und wie das Team kommuniziert

Das Homeoffice braucht viel mehr Austausch und Anerkennung als die Arbeit im Büro. Ansonsten fühlen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell alleingelassen. Andererseits kostet die Zusammenarbeit über die Web-Cam oft viel Energie. Manchmal wollen Meetings nicht enden. Oder es redet nur eine Person. In neuen Teams müssen sich Abläufe und Kommunikationsrituale erst finden. Hier spielt nicht nur die Frequenz eine entscheidende Rolle, sondern auch die Art und Weise des Austauschs.

Für den digitalen Arbeitsalltag heißt das: Führungskräfte sollten gemeinsam mit ihrer Belegschaft Antworten auf das „Wann“ und „Wie“ ihrer Kommunikation definieren. Zum Beispiel:

  • Für welche Themen plane ich virtuelle Video-Meetings?
  • Welche Kanäle können die Kollegen und Kolleginnen für privaten Austausch nutzen?
  • Welche Werte sind uns im Miteinander wichtig? Stichwort: Fehlerkultur

Die Qualität, nicht Quantität macht das Teamgefühl

Im Teamcoaching können sich Führungskräfte und Beschäftigte klare Regeln für eine zielführende Kommunikation erarbeiten. Unbedingt dazu gehört eine achtsame Sprache. In den richtig gewählten Worten liegt sehr viel Kraft.

Statt also beispielsweise Arbeitsweisen vorschnell zu verurteilen, können Teammitglieder einander über den Bildschirm aktiv zuhören. Statt mit Vorwürfen zu reagieren, können sie ihre Wünsche klar äußern. Das sorgt für ein wertschätzendes Miteinander und ein Klima, in dem Menschen gut arbeiten können.

Regeln für das Miteinander beugen Teamkonflikten vor

Wenn Menschen sich nicht im Büro gegenübersitzen, geht sehr viel persönliche Nähe verloren. Über den Bildschirm lassen sich Ärger, Enttäuschung oder Launen nur schwer ausmachen. Differenzen brodeln im Remote-Büro oft lange vor sich hin, bevor sie überkochen. Dabei können schon kleine Grabenkämpfe die Arbeit im Team lahmlegen.

Umso wichtiger ist es, frühzeitig vorzubeugen. Wenn Vertrauen und Offenheit gelebt werden, gelingt es auch, Streitereien zu thematisieren und auszuräumen. In einem Teamcoaching können sich Arbeitsgruppen wichtige Grundlagen des Miteinanders erarbeiten.

Ein Teamcoach erkennt die Gruppendynamik

Wird ein ganzes Team gemeinsam gecoacht, kann in der Gruppendynamik viel positive Energie entstehen. Auch das Gegenteil kann der Fall sein. Manchmal weigern sich Menschen, persönliche Fragen zu beantworten, weichen aus oder lassen andere nicht zu Wort kommen. Ein guter Coach muss darauf gefasst sein. Er oder sie muss situativ und flexibel reagieren können. Dazu braucht es eine fundierte Zusatzqualifikation als Teamcoach. Hinzu kommt Erfahrung mit gruppendynamischen Prozessen. Wer also ein Teamcoaching plant, sollte auf einen guten Auswahlprozess achten. Einige Coaching-Plattformen erleichtern diese Suche.

Fazit: Digitales Teamcoaching für mehr Leistung in neuen und erfahrenen Teams

Warten, bis alle wieder im Büro sind? Das dürfte in vielen Teams zu spät sein. Teamcoaching funktioniert auch digital. Über verschiedenste Kollaborations-Tools können Arbeitsgruppen sich auch online eine gemeinsame Teamidentifikation erarbeiten. In mehreren Sitzungen gelingt es, gemeinsame Ziele und eine offene Kultur zu etablieren. Das schafft Vertrauen und bricht destruktive Verhaltensmuster auf. Ein Teamcoaching stärkt damit nicht nur die kollektive Leistung in neuen Arbeitsgemeinschaften, sondern auch in langjährig bestehenden Teams.

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