TischmanierenErstklassiges Verhalten bei Tisch – Wozu und wie?

Etikette ist ein wichtiger Faktor bei Geschäftsessen. Denn erstklassige Tischmanieren beweisen nicht nur eine gute Kinderstube sondern auch soziale Kompetenzen. Hier finden Sie eine Liste der Dos and Don’ts beim Essen in Gesellschaft.

Obwohl heutzutage steife Etikette bei Tisch nicht mehr angesagt ist, gilt angenehmes Verhalten beim Essen noch immer als Eintrittskarte in die gute Gesellschaft. Wer gemeinsam isst, befindet sich immer auf einer „Bühne“.

Einige Grundsätze sollte jeder verinnerlichen

Das gilt sogar für das Essen in der Kantine. Denn auch wenn diese kein Gourmet-Restaurant ist, sollte man darauf achten, wie man sich dort benimmt. Häufig essen die Vorgesetzten mit und nehmen wahr, wie sich ihre Mitarbeiter bei Tisch verhalten. Dabei registrieren sie auch, ob jemand souverän mit Kollegen und Servicekräften umgeht. Gute Umgangsformen sind also in jeder Situation gefragt.

Auch Äußerlichkeiten spielen eine große Rolle: Schweißgeruch, ungepflegte Fingernägel und das alte Pflaster am Finger lenken stark vom Wesentlichen ab.

Essen soll Spaß machen. Man kommuniziert bei Tisch – als oberste Regel gilt aber immer noch: möglichst geräuschlos und ästhetisch!

Schlechte Tischsitten beeinflussen das Bild vom Gegenüber

Mit jemandem zu speisen, der keine Tischmanieren hat, kann zu einer großen Qual werden. „So ein cleverer Mensch – aber privat kann man ihn/sie leider nicht einladen.“ „Herrn Ungehobelt lassen wir besser nicht mit Kundin Formvollendet essen gehen.“ „Frau Wilds Tischmanieren lassen auf einen hemmungslosen Charakter schließen.“ Dies sind vernichtende Urteile, die meistens nicht laut ausgesprochen werden.

Eine echte Herausforderung sind prahlende, unzufriedene „Gourmets“ am Tisch. Manche Menschen folgen dem Motto: „Die Spielregeln kenne ich zwar nicht, aber mit meinem Geld lasse ich die Puppen tanzen!“ Befangenheit muss in einem solchen Fall nicht mit aufgesetztem Getue überspielt werden. Falls möglich, ist eine bessere Option ein Themenwechsel. Ansonsten denken wir uns unseren Teil. Kulinarische Nervtöter sind die Miesmacher am Tisch. Und mampfen, während sie maulen, schon mal fix den Brotkorb leer.

In Dom Perignon baden und Kaviar esslöffelweise aus Suppenterrinen oder Fruchtsalat mit Trüffeln inkorporieren, nur um aufzufallen, ist out. Ebenso unangebracht ist es, Kaviar vom Handrücken zu essen oder mit dem Säbel Champagnerflaschen zu öffnen.

DON’T:

  • In guten Restaurants selbst einen Platz suchen (wie auch in den USA heißt es: Wait to be seated);
  • Mit den Jacken und Mänteln die Stühle blockieren (Ausnahme: Das beste Stück ist dabei und die Garderobe nicht bewacht);
  • Sich stöhnend auf den Stuhl fallen lassen;
  • Handtasche (auch Zigaretten, Handy, Blackberry, Schlüssel usw.) auf den Tisch legen; kleine Taschen bei Stühlen mit geschlossener Rückenlehne hinter sich auf der Sitzfläche verstauen, Abendtäschchen unter der Serviette auf dem Schoß, große Taschen entweder zu den Füßen stellen – so, dass niemand stolpert - oder an die gerade Rückenlehne hängen). In vielen guten Restaurants werden für die Damenhandtasche kleine Schemelchen angeboten, auch damit sich die Dame nicht so sehr nach ihr bücken muss;
  • Schlürfgeräusche machen, schmatzen, gurgeln oder aufstoßen;
  • Löffel beim Trinken in der Tasse / im Glas lassen;
  • Unkultiviert laut schnäuzen. Statt dessen: diskret mit der linken Hand, etwas wegdrehen oder Stuhl zurück schieben. Noch rücksichtsvoller ist es, hinauszugehen. Auf keinen Fall wird das „Produkt“ in Gegenwart von Zeugen begutachtet!
  • Große Make-up-Renovierungsarbeiten am Tisch durchführen (Lippenstift nachziehen ist immer noch nicht richtig fein.);
  • Den kleinen Finger abspreizen (im Mittelalter üblich, weil dieser Fingernagel sehr lang gehalten wurde, um den Nissen unter der Perücke beizukommen!);
  • Würzen, ohne zu probieren;
  • Mit dem Besteck herumfuchteln – die Spitzen des Bestecks zeigen nicht zur Raumdecke, sondern werden „flach“ gehalten; Messer werden nicht wie ein Bleistift oder Dolch gehalten;
  • Messer oder Finger ablecken;
  • Die Ellenbogen beim Essen aufstützen;
  • Mit vollem Mund sprechen oder trinken;
  • Über den Tisch greifen – das Gesäß dabei anheben;
  • Die Hand während des Essens und zwischen den Gängen in den Schoß legen – außer Sie sind in den USA und Großbritannien;
  • Reste aus der Schüssel auf den Teller schütten (stets das Beilagen-Besteck nehmen);
  • Lautes Verhalten im Restaurant, unhöfliches Benehmen dem Servicepersonal gegenüber;
  • Den letzten Schluck im Stehen trinken.

 

DO:

  • Die Gabel zum Mund führen und nicht umgekehrt;
  • Die Serviette benutzen;
  • Das Brot als Beilage brechen, nicht abbeißen oder Stullen schmieren! Fettiges Knoblauchbaguette oder Pizzabrot darf abgebissen werden.
  • Beim Abschied bedanken (nicht nur bei den Gastgebern, sondern auch mit einem Lächeln oder mehr beim Service und dem Maître/Patron). Vielleicht stecken Sie auch mal den Kopf zur Küchentür hinein – die Küchenbrigade sieht immer nur die leeren oder vollen Teller.

Wenn Sie merken, dass Ihr Gastgeber die Knigge-Feinheiten nicht beherrscht, weisen Sie ihn nicht darauf hin. Und damit es nicht affektiert wirkt, schrauben Sie Ihre guten Formen vielleicht ein kleines bisschen herunter!

Hinweis

Mehr zum Thema von Susanne Helbach-Grosser:
Erfolg mit Takt & Stil: Umgangsformen aktuell – Empfehlungen für Eilige, 2007, expert verlag Renningen.

Susanne Helbach-Grosser
TAKT & STIL, Training & Beratung
http://www.takt-und-stil.de

Dazu im Management-Handbuch

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