Todesfall im UnternehmenTrauerrede für verstorbene Mitarbeiter

Eine Trauerrede für verstorbene Mitarbeiter drückt Gedenken sowie Wertschätzung aus. Wie sollte die Trauerrede inhaltlich und stilistisch aussehen? Hier finden Betroffene anschauliche Beispiele und praxisnahe Tipps zur Trauerrede für Kollegen.
Von Antonia Anderland

Verstirbt ein Mitarbeiter, müssen Führungskräfte die Kollegen nicht nur über den Todesfall informieren, sondern mitunter auch eine Trauerrede formulieren. Im Gedenken an verstorbene Mitarbeiter ist eine angemessene Sprache mindestens so wichtig wie authentisches Auftreten und ein passender Stil.

Wer hält die Trauerrede für Mitarbeiter?

Nicht jeder fühlt sich der Formulierung und dem Vortragen der Trauerrede gewachsen. Eine steife, unemotional vorgetragene Trauerrede schadet der Reputation der betreffenden Führungskraft und der Geschäftsleitung.

Geeignet für diese wichtige Aufgabe ist ein sich freiwillig meldender Vorgesetzter auf hoher Hierarchiestufe oder ein Vertreter der Personalleitung oder Geschäftsführung.

Die Trauerrede kann auch auf mehrere Sprecher verteilt werden. So melden sich zum Beispiel ein dem Verstorbenen besonders nahestehender Kollege, sein direkter Vorgesetzter oder eine Mitarbeiterin seines Teams zu Wort, um eine persönliche Rückschau vorzutragen. Diese Arbeitsteilung wirkt nicht nur authentisch, sondern entlastet auch den Einzelnen.

Beispiel: Sprecherwechsel bei einer Trauerrede für Mitarbeiter

Wenn mehrere Personen etwas sagen wollen, kann ein Sprecher folgendermaßen überleiten:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich habe Ihnen jetzt meine Erinnerung aus Sicht der Geschäftsführung geschildert. In der täglichen Zusammenarbeit hat aber jeder von Ihnen Fred M. auf seine persönliche Weise kennengelernt.

Zu Wort kommen sollen daher auch seine Stellvertreterin Anne F. sowie Karl S., der sich als Projektleiter laufend mit ihm abgestimmt hat und privat mit ihm befreundet war.“

Eine gut gegliederte Trauerrede vermittelt den Hörenden, dass sorgfältig über den Verstorbenen nachgedacht wurde. Hinsichtlich der Dramaturgie der Rede sollten sich alle Zuhörer mitgenommen fühlen. Die vielfältigen Gefühle zwischen Trauer, Fassungslosigkeit und Trostbedürfnis bekommen einen Ort durch die passenden Worte.

Im Folgenden sehen Sie eine mögliche Gliederung für die Trauerrede im Unternehmen.

1. Gäste begrüßen und Anlass nennen

Alle Anwesenden werden begrüßt. Dabei werden für das Unternehmen oder den Verstorbenen bedeutsame Personen namentlich genannt. Der Redner nennt außerdem den Traueranlass und gegebenenfalls den akademischen Titeln und die Funktionsbezeichnung des Betrauerten. Warum ist das Bedürfnis entstanden, einen solchen Gedenkanlass zu gestalten und welche Gefühle lösen die Todesnachricht im Unternehmen bei den  Betroffenen aus?

Eine Trauerrede soll den Lebenden nützen und emotionale Bewältigung erleichtern. Daher passt es im Einzelfall, als Redner die Gemütsverfassung etwa des Teams zu thematisieren. Das gilt vor allem bei plötzlichen Todesfällen.

2. Eine passende Einleitung formulieren

Klassisch wird die Trauerrede mit einem literarischen Zitat eingeleitet. Das können Zeilen aus einem Gedicht oder Lied sein, Aphorismen, Spruchweisheiten, eine kurze Passage aus einem Stück Prosaliteratur oder eine Sentenz eines prominenten Zeitgenossen.

Möglich ist auch ein Zitat des Verstorbenen, wenn es überlieferte prägnante Äußerungen von ihm gibt. Das Zitat sollte nicht nur ästhetisch gefällig sein, sondern sich auf seine Person oder die Umstände des Trauerfalls beziehen. Das literarische Zitat wird oftmals ganz an den Anfang gestellt.

3. Umstände des Todesfalls kommunizieren

Es ist eine Frage des Fingerspitzengefühls, wie genau die Umstände des Todes benannt werden. Die Spanne reicht von allgemeinen Formeln wie „... verstarb plötzlich und unerwartet“ oder „... nach kurzer schwerer Krankheit“ bis hin zur konkreten Nennung von Krankheit oder Unfall. Auf die Wünsche der Angehörigen wird in jedem Fall Rücksicht genommen.

Bei besonders traumatischen oder von der Öffentlichkeit stark beachteten Todesfällen, wie zum Beispiel Suizid eines CEOs, findet das ganze Führungsteam gemeinsam die richtige Formulierung.

4. Rückblick auf Person, Leben und Leistungen

In diesem Redeteil wird der berufliche Werdegang des Verstorbenen nachvollzogen, gegebenenfalls mit Seitenblicken auf sein Privatleben. Auch dieser Punkt sollte idealerweise mit den Angehörigen abgestimmt werden.

Traditionell werden positive Erinnerungen an den Betrauerten wesentlich stärker betont als kritikwürdige Erlebnisse mit ihm. Nicht selten würdigt es eine Hörerschaft aber,  wenn die kleinen persönlichen Schwächen authentisch widergespiegelt werden.

Im Vordergrund stehen sollten aber die Wesenszüge oder Leistungen, die den Menschen in guter Erinnerung verbleiben lassen. Ausdrucksstarke Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit werden in diesem Redeteil untergebracht. Damit ist dieser Teil zugleich der Zeitpunkt, an dem sich andere Sprecher leicht einbringen können.

Formulierungsbeispiel: Rückblick

„Ich habe gerade dargestellt, wie rasch Hermann F. seine Firma aus dem Nichts heraus aufgebaut hat. So etwas gelingt keinem, der allen nach dem Mund redet. In unserer Region, in der er verwurzelt war, wie kaum ein zweiter, war er als knorriger Charakter bekannt. Sein aufbrausendes Temperament braucht man nicht zu beschönigen.

'Dem Chef läufst du heute am besten nicht über den Weg!', warnte so mancher Mitarbeiter mitunter die Kollegen. Aber sein Temperament lieferte ihm sicher auch das Feuer, das nötig war, die schwierigen Zeiten in den 90ern zu meistern, als das Geschäft beinahe unterging (…)."

5. Ausblick auf die Zeit ohne den Verstorbenen

Der Redner sollte nicht nur auf die Vergangenheit zurückblicken, sondern gemeinsam mit den Hörenden auch nach vorne schauen. Wenn es Kolleginnen und Kollegen gibt, die unter dem Todesfall stark leiden, brauchen diese ein Signal der Zuversicht.

Relevant ist das in Fällen, in denen der unerwartete Verlust eines Firmenmitglieds Arbeitsabläufe komplett durcheinanderbringt. Verantwortliche sollten kommunizieren, dass die Leitungsebene sich bemüht, schnellstmöglich die Basis für Handlungsfähigkeit und Zusammenarbeit wiederherzustellen.

6. Mitgefühl, Dankbarkeit und Gedenken ausdrücken

Der letzte Redeteil sollte kurz, aber achtsam formuliert sein. Auf glaubwürdige, herzliche Weise wird Mitgefühl ausgedrückt.

Mitunter ist ein ganzer Betrieb oder ein Team durch eine spezielle Todesnachricht stark verunsichert – zum Beispiel bei einem schweren Betriebsunfall mit potenzieller Gefährdung mehrerer Personen oder bei einer Selbsttötung vor Zeugen.

Wenn der Geschäftsleitung oder dem Redner eine solche Verunsicherung bewusst ist, sollte auch ausgedrückt werden, dass sie wahrgenommen wird. Die Trauerrede ist kein Ort für schnelle Lösungen. Nichts ist schlimmer, als der Eindruck im Publikum, etwas werde kleingeredet oder unter den Teppich gekehrt.

Dankbarkeit, den Verstorbenen kennengelernt und seine Leistungen erlebt zu haben, kann gut im Schlusswort untergebracht werden. Hierher gehört auch die Zusicherung, dem Menschen ein bleibendes Andenken zu bewahren.

Die Trauerrede für Mitarbeiter vorlesen oder frei sprechen?

Weil die Trauerrede eine formelle Ansprache ist, formuliert man die Worte vorher sorgfältig schriftlich aus. Besser wird der Vortragsstil, wenn man so frei wie möglich spricht. Das setzt genügend Übung voraus.

Die Sprache unterscheidet sich nicht zu stark von den mündlichen Alltagsformulierungen im betreffenden Unternehmen. Dann fällt es auch leichter, sich vom Manuskript zu lösen und phasenweise spontan zu sprechen.

Negatives Beispiel: unpersönliche Sprache in einer Trauerrede

Mit der folgenden Formulierung würde man eher ein Arbeitszeugnis schreiben.

„Herr M. wird uns mit seiner Kommunikationsstärke und Teamorientierung immer ein unvergessliches Vorbild sein. Seine diesbezüglichen Leistungen waren allzeit hervorragend, allen voran sein moderatives Talent.“

Besonders in den emotionalsten Passagen der Rede geht es um individuelle Eindrücke von der Person des Verstorbenen. Hier sollte die Ausdrucksweise natürlich wirken und der Blick des Vortragenden ins Publikum gehen – weniger auf das Manuskript.

Vermieden wird monotones Ablesen. Das Publikum verzeiht „Fehler“ und Unterbrechungen, die durch spontane Rührung entstehen. Weniger tolerierbar ist der Eindruck von Kälte und Formalismus.

Beispiel: gehobener, natürlicher Stil in einer Trauerrede

„Wahrscheinlich werden viele von euch sich an Fred M.'s Talent erinnern, die Wogen zu glätten, wenn im Team die Stimmung hochkochte. Er fand immer die richtigen Worte, um alle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen.

Ihr wisst, wie oft sich das bewährt hat und wie wir ihn als einen Fels in der Brandung empfunden haben.“

Besten Zeiptunkt für Trauerrede wählen

Die Trauerrede wird so früh wie möglich gehalten. Eine solide Vorbereitung und Rahmensetzung ist dennoch wichtig. Viele Unternehmen werden das in einem Zeitraum von ein bis vier Wochen realisieren.

Bei der Planung der Gedenkveranstaltung muss die Zeitplanung der Angehörigen hinsichtlich der Bestattung berücksichtigt werden. Ist die Beisetzung recht schnell nach dem Tod angesetzt und viele Kollegen möchten dem Begräbnis beiwohnen, findet die innerbetriebliche Trauerfeier ohne Nachteil mehrere Tage bis Wochen danach statt.

Findet aber zum Beispiel eine Urnenbeisetzung erst Wochen nach dem Todesfall statt, gibt es für das Unternehmen keine kurzfristige Möglichkeit zur Präsenz. Entsprechend früher kann die Trauerrede im Unternehmen gehalten werden – auch, um die Gefühlslage der betroffenen Kollegen aufzufangen.

Individuell und rücksichtsvoll planen

Es gibt keine Regeln für die Zeitspanne, in der die Rede abgehalten werden sollte. Die Erinnerung an den Verstorbenen sollten noch frisch sein. Außerdem muss dem Ereignis eine gewisse Priorität eingeräumt werden. Die Gedenkveranstaltung sollte zum Beispiel nicht ans Ende eines mehrmonatigen Projekts geschoben werden, weil man dann vermeintlich mehr Zeit hat.

Ein Todesfall unterbricht die Alltagsroutinen. Es wird als angemessen und den Verlust würdigend empfunden, wenn die alltäglichen Abläufe dafür angehalten werden.

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