UBSAuch die schweizer Bank verzichtet auf die Budgetplanung

Der englische Handelskonzern Boots, die dänische Petrochemiegruppe Borealis, Svenska Handelsbanken und die deutsche Aldi-Gruppe haben es vorgemacht. Jetzt springt auch die Schweizer Großbank UBS auf den Zug auf und wirtschaftet künftig ohne Budget.

Das Modell gleicht einer Revolution, einem Kulturschock. Was bisher Job des Controllers war, wo Manager eine bedrückende Kontrollmacht ausübten, steht jetzt Eigenverantwortung des einzelnen Mitarbeiters an erster Stelle. Für rund zwei Drittel der 68.000 Beschäftigten will UBS in Zukunft keine Budgetvorgaben mehr machen. Ein ehrgeiziges Ziel auf dem Weg zu mehr Wachstum. Dazu Anton Stadelmann, Finanzchef der Sparte Wealth Management gegenüber dem Handelsblatt:

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren fit gemacht. Jetzt können wir auf Wachstum setzen.“

Das Konzept des Beyond Budgeting passt demnach zur Strategie der UBS: Ein weltweit rasches Wachstum im Vermögensmanagement, vor allem in den USA. Ziel ist, den Abstand zu den Wettbewerbern Merrill Lynch und Citigroup in der US-Vermögensverwaltung zu verringern.

Chancen und Risiken

Jedes neue Modell bringt auch kontroverse Diskussionen mit sich. Von flachen Hierarchien, lokaler Autonomie, Entbürokratisierung und Motivation sprechen die einen. Von schädlichem Wettbewerb unter den Mitarbeitern die anderen. Professor Michael Gaitanides ist Lehrstuhlinhaber für Unternehmen und Organisation an der Bundeswehruniversität Hamburg und ein Fachmann auf diesem Gebiet. Er warnt vor der neu entstehenden Transparenz: jeder wisse um die Stärken und Schwächen des anderen. Das berge die Gefahr eines schädlichen Wettbewerbs zwischen den Mitarbeitern.

Stadelmann hingegen spricht von „positivem Druck“. Dort, wo Budgets bereits nicht mehr existieren, seien erste Erfolge sichtbar.

Auch Jürgen H. Daum, Chief Solution Architect der Business Solution Architects Group EMEA der Softwareschmiede SAP, spricht sich für das Modell aus:

„Fixe Jahresbudgets sind heute nicht mehr zeitgemäß. Ein Budget ist einfach zu statisch und hält Manager in der Vergangenheit gefangen (...). Denn das starre Budget wird im Tagesgeschäft oft zum Hinderniss, wenn das Richtige getan werden soll. Das Beyond Budgeting Modell will genau diese Lücke schließen.“ (Daum auf seiner Website)

Ob die Anstrengungen von UBS von Erfolg gekrönt sein werden, bleibt abzuwarten. Sollte die Strategie allerdings aufgehen und andere Unternehmen folgen, ist der Trend zum Wirtschaften ohne Budget bestimmt nicht mehr zu bremsen.

Links:

Manager bei SAP, Unternehmensberater, Experte im Beyond Budgeting

http://www.ubs.com

[dw]

Dazu im Management-Handbuch

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